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Justus Delbrück ist als Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime Vorbild für die jungen Bewohner des Jamlitzer Bahnhofs

NS-Widerstand
Identifikationsfigur mit Ausstellung geehrt

Menschen und Bücher: Der Lieberoser Historiker Andreas Weigelt hat an den Inhalten der Dauerausstellung über Justus Delbrück mitgewirkt. Hausherrin Anett Quint zeigt interessierten Besuchern gerne die seit 2009 sanierten Räume. Neuerdings auch das Bücherregal mit den Ausstellungstafeln über Leben und Wirken Justus Delbrücks.
Menschen und Bücher: Der Lieberoser Historiker Andreas Weigelt hat an den Inhalten der Dauerausstellung über Justus Delbrück mitgewirkt. Hausherrin Anett Quint zeigt interessierten Besuchern gerne die seit 2009 sanierten Räume. Neuerdings auch das Bücherregal mit den Ausstellungstafeln über Leben und Wirken Justus Delbrücks. © Foto: MOZ/Jörg Kühl
Jörg Kühl / 08.03.2018, 06:00 Uhr
Jamlitz (MOZ) Der Berliner Jugendhilfeverein Karuna und die Evangelische Kirchengemeinde Lieberose und Land ehren den Widerstandskämpfer Justus Delbrück im Bahnhof Jamlitz mit einer Ausstellung. Delbrück war im Sowjetischen Speziallager in Jamlitz an den Haftbedingungen gestorben.

Der ehemalige Bahnhof von Jamlitz trägt seit fünf Jahren den Namen „Justus-Delbrück-Haus – Akademie für Mitbestimmung im Bahnhof Jamlitz“.  Jetzt hat die Hauseigentümerin, das ist der Berliner Jugendhilfeverein Karuna,  gemeinsam mit der Evangelischen Kirchengemeinde Lieberose und Land eine Dauer- Ausstellung eröffnet, die an Justus Delbrück erinnert. Delbrück war am Widerstand gegen den Nationalsozialismus beteiligt, wurde verhaftet, überlebte und wurde nach dem Krieg vom NKWD inhaftiert. Er verstarb im sowjetischen Speziallager Jamlitz im Oktober 1945.

Die Erinnerung an Delbrück reicht in der Region schon länger zurück. Die Kirchengemeinde, seit 1999 Trägerin der Bildungsarbeit rings um die beiden Lagerphasen in Jamlitz, betrieb von 2002 bis 2008 eine Projekt-Werkstatt, die sich unter anderem mit dem Leben und Wirken Delbrücks befasste. Angesiedelt war sie im Obergeschoss des Kitagebäudes in Lieberose. Das Projekt wurde damals vom Brandenburgischen Bildungsministerium unterstützt, erinnert sich der Lieberoser Historiker Andreas Weigelt, der die Projektwerkstatt als Mitarbeiter der Kirchengemeinde fachlich begleitete.

Der Namensvorschlag für die Projektwerkstatt sei damals vom Bildungsministerium ausgegangen, so Weigelt. „Denen war bekannt, dass der Widerstandskämpfer in Jamlitz gestorben war.“ 2012, da lag die Projektwerkstatt schon vier Jahre lang brach, suchte Karuna einen Namen für den ehemaligen Jamlitzer Bahnhof, der eine Brücke zwischen der belasteten Historie und der Zukunft, nämlich Bildungsarbeit mit Jugendlichen, herstellen könnte. Jörg Richert, Geschäftsführer von Karuna, schlug den Namen des Widerstandskämpfers vor. Dieser sei nicht nur als Kämpfer gegen das nationalsozialistische Unrechtsregime ein Vorbild für die Jugendlichen. Seine Biografie verfüge über Andockpunkte für die jungen Menschen, die mit ihren spezifischen Problemen nach Jamlitz kommen, um hier zu arbeiten, zu leben und sich weiter zu bilden, sagt die Leiterin der Einrichtung,  Anett Quint. Vielen sei unbekannt, dass Justus Delbrück eine rebellische Jugend erlebt hatte, ergänzt Weigelt. Er habe sich gegen die Eltern, die treue Anhänger der Monarchie waren, aufgelehnt. Seine Jugend sei „renitent“, und „unangepasst“ gewesen, weiß der Historiker: „Eine Identifikationsfigur für die jungen Menschen in diesem Haus.“

Ende vergangenen Jahres besuchte der Sohn von Justus Delbrück, Hans Delbrück, die Einrichtung. Der Ratinger besichtigte auch die Ausstellung über seinen Vater. An der Konzeption der Ausstellung hatten sich  Schüler und Bewohner des Justus-Delbrück-Hauses beteiligt. „Unser Urgedanke war eine Dokumentation über Justus Delbrück mit filmischen Mitteln“, so Weigelt. Daraus sei dann letztlich ein Film und als „Nebenprodukt“ die Ausstellung entstanden. „Das war auch ein sehr intensiver pädagogischer Prozess, mit diesen jungen Menschen an diesem Projekt zu arbeiten“, freut sich die Sozialpädagogin Anett Quint über die produktive Zusammenarbeit. Die Ausstellung ist von Architekt Martin Bennis als Bücherregal gestaltet. Tatsächlich befinden sich darin Bücher, die mit Delbrück etwas zu tun haben oder von ihm selbst als wichtig erachtet wurden.

Die Ausstellung ist während der Öffnungszeiten des Justus Delbrück-Hauses - Akademie für Mitbestimmung im Bahnhof Jamlitz, Montags bis Freitags von 9 bis 15 Uhr oder nach Vereinbarung unter Tel. 033671 500 000 zu sehen

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