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Schüler des Katholischen Gymnasiums Bernhardinum befragen Politiker / AfD sagt Teilnahme ab

Schülerforum
Antworten ohne Widerworte

Schüler fragen, Politiker antworten: Talkrunde mit Vertretern von CDU, SPD, Linken, Grünen, Piraten und dem Verein „Progressives Zentrum“ im Katholischen Gymnasium Bernhardinum
Schüler fragen, Politiker antworten: Talkrunde mit Vertretern von CDU, SPD, Linken, Grünen, Piraten und dem Verein „Progressives Zentrum“ im Katholischen Gymnasium Bernhardinum © Foto: MOZ/Annemarie Diehr
Annemarie Diehr / 08.03.2018, 07:30 Uhr
Fürstenwalde (MOZ) Welche Konsequenzen ziehen die Parteien aus dem Einzug der AfD in den Bundestag? Ist Nicht-Wählen eine Option und sollte Cannabis legalisiert werden? Darüber diskutierten am Mittwoch Schüler des Bernhardinums mit prominenten Gästen.

Die Partei, um die sich ein Großteil der Debatte drehte, war nicht vertreten. „Wir haben mehrere Politiker angefragt, Alexander Gauland, auch Andreas Kalbitz, sie haben abgesagt.“ Ohne einen Grund anzugeben, fügt Kerstin Ahrens hinzu. Seit Jahren lädt die Politik-Lehrerin mit ihren Leistungskursen Vertreter von Parteien und Institutionen zum Polit-Talk ein; am Mittwochvormittag war es wieder soweit.

Rund 40 Schüler haben sich im Musikraum versammelt, an der Tischreihe vor ihnen nehmen nach und nach die prominenten Gäste Platz. Rolf Lindemann (SPD), Martin Patzelt (CDU), Dietmar Bartsch (Linke), Clemens Rostock (Grüne) und Thomas Bennühr (Piraten) – das Parteienspektrum ist breit vertreten. Auch Paulina Fröhlich vom Verein „Progressives Zentrum“, der innovative Ideen in die öffentliche Debatte bringen will, ist dabei; vor der Bundestagswahl hat sie mit der Initiative „Kleiner Fünf“ Strategien entwickelt, um den Einzug der AfD in den Bundestag zu verhindern.

Weil das nicht geklappt hat, ist die Partei in den Antworten der Politiker und Fragen der Schüler auch ohne AfD-Abgeordneten allgegenwärtig. Eine rechtspopulistische Partei als Spiegel der gesellschaftlichen Stimmung – „was wollen Sie dagegen tun“, wollte einer der Elftklässler wissen. „Die AfD kann man nur im direkten Kontakt widerlegen“, sagt Landrat Rolf Lindemann. „Vor allem auf lokaler Ebene gab es diesbezüglich große Versäumnisse, das überlässt man lieber dem Bundestag.“ In der dortigen Debatte, ergänzt Linksfraktions-Vorsitzender Dietmar Bartsch, habe die Partei nichts anzubieten. Man müsse zwischen der AfD und ihren Wählern unterscheiden und sich als Politiker nicht an den Themen abarbeiten, die die Partei auf den Tisch bringe, warf Grünen-Landesverbandsvorsitzender Clemens Rostock ein.

Die Moderatoren Paulus Jermis und Jonas Folgner geben der Diskussion eine neue Richtung und fragen, was besser sei: aus Protest AfD oder besser gar nicht wählen? „Aus Protest eine nicht-demokratische Partei zu wählen“, findet CDU-Bundestagsmitglied Martin Patzelt „unter der Gürtellinie“. Und Piraten-Landeschef Thomas Bennühr bekennt: „Wir hatten auch Protestwähler. Das zeigt ja nur, dass sich jemand innerhalb der Parteien nicht wiederfindet.“

Der Einfluss von Medien auf die Politik, der demografische Wandel, Kriminalität und die Anerkennung von Flüchtlingen sind weitere Talk-Themen. Zum Abschluss geht es um Drogen: „Cannabis legalisieren?“, fragt Paulus Jermis die Gäste. Martin Patzelt hat sich wegen eines anderen Termins zu diesem Zeitpunkt schon aus der Runde verabschiedet; Bedenken äußert daher nur SPD-Landrat Lindemann. Strafen würden den Konsum zwar nicht verhindern; durch seine Nachbarschaft zum Sozial-psychiatrischen Dienst im Landratsamt, der Drogenabhängige betreut, erlebe er aber auch die Folgen des Rauschgiftkonsums.

Erstaunt darüber, dass die vertretenen Parteien bei vielen Themen ihr Mit- statt Gegeneinander signalisierten, zeigt sich Teresa Müller nach dem Talk. „Ich interessiere mich ohnehin für Politik, aber durch den direkten Kontakt zu den Politikern hier, wird sie erlebbar.“ Dass sich kein AfDler den Fragen ihrer Mitschüler gestellt hat, findet die 17-Jährige schade. „Das Thema ist wichtig“, sagt sie, „es bewegt meine Generation“.

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