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Von einer, die auszog ...

Freiwillige: Anna Rieprich absolviert ein Freiwilliges Soziales Jahr. Hier ist sie mit Foday Darboe (l.) aus Gambia und Hamed Wahedi aus Afghanistan zu sehen.
Freiwillige: Anna Rieprich absolviert ein Freiwilliges Soziales Jahr. Hier ist sie mit Foday Darboe (l.) aus Gambia und Hamed Wahedi aus Afghanistan zu sehen. © Foto: MOZ/Margrit Meier
Margrit Meier / 11.03.2018, 08:00 Uhr - Aktualisiert 11.03.2018, 15:17
Neuenhagen (MOZ) Eine 18-Jährige, die täglich mit Gleichaltrigen zu tun hat, von diesen aber als Erzieherin anerkannt wird – wo gibt es denn so etwas? Bei Anna Rieprich. Sie absolviert beim Internationalen Bund als Freiwillige ein Soziales Jahr.

Sie heißen Hamed, Foday, Mahmoud. Sie sind zwischen 15 und 20 Jahre alt, kommen aus Afghanistan, Syrien und Gambia. Sie sind Jugendliche, die von ihren Familien allein auf die Reise, die Flucht nach Deutschland, geschickt wurden. In der Hoffnung, dass sie dem Terror zu Hause entgehen, ihnen ein besseres Leben bevorsteht.

Diese unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge werden u. a. beim IB in der Neuenhagener Ziegelstraße in einer Wohngruppe betreut. Sie gehen zur Schule, absolvieren ihre Ausbildung, warten im Durchschnitt drei bis vier Jahre auf die Entscheidung, ob sie bleiben dürfen oder es zurück in die Heimat geht. Betreut werden sie von einem Stab von Erziehern und Mitarbeitern. Eine davon ist die 18-jährige Anna Rieprich, seit Sommer 2017 Abiturientin des Heinitz-Gymnasiums, seit September FSJlerin, ab Herbst Lehramtsstudentin.

„Ich wollte eine Auszeit, in der ich nicht mehr ständig lernen muss. Hätte ich sofort mit dem Studium begonnen, wäre ich nahtlos in den Beruf gewechselt. Das war mir nichts. Deshalb habe ich mich beim IB um eine FSJ-Stelle beworben und bin total glücklich, dass ich das gemacht habe“, erzählt die Vogelsdorferin. Glücklich, weil sie eine Arbeit gefunden hat, die sie erfüllt. Sie hilft bei der Betreuung von 16 Jugendlichen. Unterstützt bei den Hausaufgaben, hört den Jungs zu, organisiert pädagogische Angebote und Arzttermine. Sie hilft, dass die Flüchtlinge eines Tages fit genug sind, ihr Leben selbst zu meistern. Dass das nicht einfach ist, merkt Anna Rieprich oft auch in den Gesprächen, wenn die Jungs von ihrer Flucht erzählen. Oft gibt es da Schreckliches zu hören.

„Sie sind sehr gastfreundlich und höflich. Nie ist mir einer zu nahe getreten, oder kam der Gedanke hoch, dass ich gleichaltrig bin. Es ist auch kein Problem für sie, dass ich eine Frau bin“, erzählt die 18-Jährige. In zwei Schichten arbeitet sie 40 Stunden die Woche. „Für mich selbst habe ich schon jede Menge erfahren können. Durchsetzungsvermögen zum Beispiel, aber auch, die Distanz zu wahren. Es gibt mir sehr viel, von diesen anderen Kulturkreisen zu erfahren, meinen eigenen aber auch den Jungs nahe zu bringen“, sagt die künftige Bio- und Deutsch-Lehrerin.

In der nächsten Woche möchte sie die Chance nutzen und mit den beiden Bürgermeister-Kandidaten für Neuenhagen ins Gespräch kommen. Denn Anna Rieprich ist Standortsprecherin der rund 40 FSJler vom IB Neuenhagen.

Vor Kurzem war sie als einzige Vertreterin Brandenburgs bei einem Treffen in Wetzlar dabei. Klar, dass dort auch über die Anerkennung der Arbeit der jungen Leute gesprochen wurde. Und die ist doch ziemlich mau und regional sehr unterschiedlich. Ein Bayer berichtete von einer monatlichen Unterstützung von 520 Euro. „In Neuenhagen gibt es 130 Euro Taschengeld, 80 Euro Unterhaltszuschuss und 50 Euro Zuschuss für die Verpflegung. Das ist auch in Ordnung so. Schön aber wäre, wir FSJler bekämen, wie Studenten und Schüler etwa, preiswerteren Eintritt ins Schwimmbad oder ins Kino“, erzählt Anna Rieprich, worüber sie mit Janina Meyer-Klepsch und Ansgar Scharnke sprechen möchte.

Wer übrigens Lust hat, es Anna Rieprich gleich zu tun, der kann sich für das FSJ, das im September startet, bewerben. Das ist möglich unter www.internationalerbund.de. Mehr Infos telefonisch unter 03342 2137674.

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