Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Alles in allem ist das nicht viel für die Vertretung von  – inklusive Berlin – sechs Bundesländern

zum Kabinett
Der Osten bleibt auf Wohlwollen angewiesen

Dietrich Schröder
Dietrich Schröder © Foto: MOZ
Meinung
Dietrich Schröder / 12.03.2018, 19:18 Uhr
Frankfurt (Oder) (MOZ) Eine Ministerin, die zwar in Frankfurt (Oder) geboren wurde, aber ihre gesamte bisherige Politiklaufbahn im (West-)Berliner Neukölln verbracht hat. Dazu zwei Parlamentarische Staatssekretäre aus Brandenburg und ein bisher eher namenloser Ostbeauftragter aus Thüringen. Das sind die vier Posten, die SPD und Union dem Osten in der neuen Regierung zugebilligt haben. Alles in allem ist das nicht viel für die Vertretung von  – inklusive Berlin – sechs Bundesländern.

Jedenfalls nicht viel mehr als in der bisherigen Regierung, zumal es eben auch wieder nur das leichtgewichtige Familienministerium ist, das mit einer „Ostfrau“ besetzt wurde. Ach ja, gern wird darauf verwiesen, dass die Kanzlerin auch aus dem Osten stammt. Allerdings hat Angela Merkel in ihrer bisherigen Amtszeit alles getan, damit man ihr nun wirklich keine Bevorzugung des Ostens vorwerfen konnte.

Zur Erinnerung: Die Wahlergebnisse vom 24. September hätten in keinem  der Bundesländer von Mecklenburg-Vorpommern bis Thüringen für eine Große Koalition gereicht. Und in Sachsen holte die AfD sogar die meisten Stimmen. Anders als für die CSU, die alles dem Ziel unterordnet, die Landtagswahl in diesem Jahr wieder für sich zu entscheiden, scheint jedoch die Tatsache, dass im kommenden Jahr auch in Brandenburg, Sachsen und Thüringen Landtagswahlen anstehen, für CDU und SPD nur eine Nebenrolle zu spielen. Mit Ausnahme von Manuela Schwesig spielte bei den Koalitionsgesprächen kein ostdeutscher Politiker eine herausragende Rolle. Und im Unterschied zu Annegret Kramp-Karrenbauer und Olaf Scholz hat sich auch keiner der Ost-Ministerpräsidenten für einen Posten in der Bundesregierung angeboten.

Okay, Dietmar Woidke setzt vielleicht seine Funktion als Polen-Beauftragter fort. Aber allein die Tatsache, dass nicht etwa die Anbindung der Großstadt Stettin ans deutsche ICE-Netz geplant wird, sondern man eine eingleisige Strecke dorthin elektrifizieren will, zeigt, wie viel Einfluss er hat.

Fast drei Jahrzehnte nach der Wiedervereinigung sind die Ostdeutschen in vielen Fragen auf das Wohlwollen von Westpolitikern angewiesen. Sollten sie davon zu wenig spüren, dürfte der Stimmenanteil der AfD bei kommenden Wahlen weiter steigen.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.
Horst Hahnemann 13.03.2018 - 22:06:29

Ein schwerer Schlag für den Osten

Da soll es doch tatsächlich eine waschechte Ostdeutsche in der neuen Regierung geben. Auf den ersten Blick sieht es jedenfalls so aus. Sie stammt nämlich aus Frankfurt (Oder). Östlicher geht es kaum noch. Doch leider gibt es in ihrer Ostbiographie einen dunklen Fleck, der dem aufmerksamen Kommentator nicht entgangen ist: Sie hat ihre „gesamte bisherige Politlaufbahn im (West-) Berliner Neukölln verbracht“. So etwas disqualifiziert natürlich, und damit ist sie in ihrer Eigenschaft als Ostfrau nur noch die Hälfte wert. Da muss man sich auch nicht wundern, dass ihr keines der klassischen Ministerien anvertraut wurde, sondern dass sie lediglich mit dem „leichtgewichtigen Familienministerium“ abgespeist wurde. Zuständig „für Frauen und Gedöns“, die Gerhard Schröder es einmal nannte. Wiedermal ein schwerer Schlag für die empfindsamen Gemüter im Osten.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG