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Anschlag auf Moschee
Täter und Motiv noch unklar

Eine Blume und ein Stück Karton mit einer Botschaft sind vor einer Moschee an der Kühleweinstraße in Reinickendorf zu sehen.
Eine Blume und ein Stück Karton mit einer Botschaft sind vor einer Moschee an der Kühleweinstraße in Reinickendorf zu sehen. © Foto: dpa/Paul Zinken
dpa / 12.03.2018, 20:34 Uhr
Berlin (dpa) Die Berliner Polizei sucht nach Zeugen des Brandanschlags auf eine Moschee im Stadtbezirk Reinickendorf vom Wochenende. Augenzeugen hatten von drei jungen Männern berichtet, die vom Tatort flohen. Doch konkrete Hinweise auf Täter oder Motiv hat die Polizei am Montag noch nicht. Berlins Integrationsbeauftragter Andreas Germershausen wertet den Anschlag als Terror. „Es ist nicht wichtig, welchen politischen Hintergrund die Taten haben. Wer Gotteshäuser anzündet, dem geht es nur um ein Ziel: Angst und Einschüchterung zu verbreiten. Dem geht es darum, eine Bevölkerungsgruppe zu terrorisieren“, erklärte Germershausen.

Am Montagabend gingen erneut Kurden in Berlin auf die Straße, um gegen den Militäreinsatz der Türkei gegen die Kurden im Norden Syriens zu demonstrieren. Sie hielten vor dem Brandenburger Tor eine Kundgebung ab. Teilnehmer gaben Deutschland eine Mitverantwortung auch für zivile Opfer des Kampfeinsatzes. „Deutschland finanziert, Erdogan bombardiert“, hieß es auf einem Plakat.

Die Teilnehmer wollten bis vor die Russische Botschaft Unter den Linden ziehen. Die Polizei sicherte die Botschaft aber durch Absperrgitter ab einer Straßenecke davor ab. Zunächst blieb es nach Angaben der Polizei friedlich. Am Sonntagabend hatte die aufgeheizte Stimmung zwischen Kurden und Türken bei einer Demonstranten zu Angriffen auf die Polizei geführt.

Dabei wurden 14 Polizisten leicht verletzt und 10 Demonstranten festgenommen, wie die Polizei am Montag bilanzierte. Aus dem Demonstrationszug waren Steine und Flaschen gegen ein mutmaßlich von Türken bewohntes Haus und Einsatzkräfte geflogen.

Unbekannte hatten in der Nacht zum Sonntag mindestens einen Raum der Kocac Sinan Moschee im Stadtteil Reinickendorf in Brand gesetzt. Zeugen hörten laut Polizei klirrende Scheiben und sahen drei Jugendliche davonlaufen. Verletzt wurde bei dem Feuer niemand, es entstand aber großer Sachschaden.

Die Polizei erklärte am Montag: „Konkrete Hinweise auf eine politische Tatmotivation haben wir im Moment nicht.“ Da dies aber auch nicht auszuschließen sei, ermittele der polizeiliche Staatsschutz. Bekennerschreiben lägen bislang nicht vor. Am Abend fragte sie in einer Pressemitteilung, wer die Tat und/oder die Täter beobachtet habe und Hinweise auf ihre Identität geben könne.

Die Moschee gehört zum Dachverband Ditib (Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion), dem Kritiker eine zu große Nähe zum türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan vorwerfen. Auch in anderen deutschen Städten gab es am Wochenende Brandanschläge oder andere Angriffe gegen türkische Einrichtungen, die Täter sind unbekannt.

Der Integrationsbeauftragte Germershausen äußerte die Vermutung, womöglich stehe der Berliner Anschlag im Zusammenhang mit dem Angriff türkischer Truppen auf das kurdische Afrin in Nordsyrien. „Wer versucht, die Konflikte in den Herkunftsländern vieler Berlinerinnen und Berliner zu instrumentalisieren und hier auszutragen, wendet sich direkt gegen das Zusammenleben in unserer Gesellschaft. Genau wie die Rassisten“, sagte er. Die Berliner Ermittler erklärten, sie seien in engem Austausch mit Behörden anderer Bundesländer und des Bundes. Es gelte zu prüfen, ob es Zusammenhänge gibt.

Die Reinickendorfer Moschee-Gemeinde bedankte sich bei allen „zu Hilfe eilenden und Mitgefühl zeigenden“ Menschen und Institutionen. „Wir werden gemeinsam für schönere Zeiten und eine schönere Koca Sinan Moschee arbeiten. Wir hoffen auf ihre Unterstützung“, schrieb sie auf Facebook.

Die Kurdische Gemeinde Deutschland zeigte sich „entsetzt“ über die Anschläge. Diese Form menschenverachtender Gewalt sei mit nichts zu rechtfertigen. Der Türkische Bund in Berlin-Brandenburg (TBB) forderte eine schnelle und lückenlose Aufklärung des Tathergangs und der Motive.

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