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Martin Wilke und René Wilke diskutierten am Montag in der Viadrina / Hunderte Zuschauer verfolgen Livestream

OB-Wahl
Umkämpftes letztes OB-Wahl-Duell

Die Frankfurter OB-Kandidaten René Wilke (li.) und Martin Wilke (re.) debattierten am Montagabend im Senatssaal des Uni-Hauptgebäudes über Stadtpolitik. Für das von MOZ und Viadrina gemeinsam veranstaltete Wahlforum brachten beide Bewerber mit Thomas Nord und Gesine Schwan jeweils einen Unterstützer mit.
Die Frankfurter OB-Kandidaten René Wilke (li.) und Martin Wilke (re.) debattierten am Montagabend im Senatssaal des Uni-Hauptgebäudes über Stadtpolitik. Für das von MOZ und Viadrina gemeinsam veranstaltete Wahlforum brachten beide Bewerber mit Thomas Nord und Gesine Schwan jeweils einen Unterstützer mit. © Foto: MOZ/Gerrit Freitag
Thomas Gutke / 12.03.2018, 21:41 Uhr - Aktualisiert 13.03.2018, 20:20
Frankfurt (Oder) (MOZ) Letztes Duell vor der Stichwahl: Am Montag tauschten Martin Wilke (parteilos) und René Wilke (Linke/Grüne) an der Viadrina noch einmal Argumente aus. An ihrer Seite hatten sie mit Gesine Schwan und Thomas Nord jeweils einen Unterstützer. Die MOZ übertrug das Forum live im Internet.

Kreisreform, Altes Kino, Generationswechsel, Kinderarmut: Wenige Tage vor der Oberbürgermeister-Stichwahl am 18. März kamen am Montagabend noch einmal viele Themen zur Sprache, die im Wahlkampf bisher eher weniger eine Rolle spielten.

Martin Wilke etwa forderte eine behutsame Entwicklung des früheren Lichtspieltheaters, das der Eigentümer seit Jahren verfallen lässt. Dafür müssten zunächst die Nutzung und die Betreibung als weiterer Standort des Landesmuseums für Moderne Kunst geklärt sein. „Einen Prozess der Enteignung zu starten, lenkt vom eigentlichen Thema ab.“ René Wilke sieht eine Enteignung des prägenden, historischen Gebäudes „als eine Option“ von vielen, die man zügig prüfen müsse, um noch vor der Landtagswahl 2019 einen Fahrplan mit dem Land für die Umnutzung zu entwickeln.

Der Landtagsabgeordnete der Linken verteidigte noch einmal seine Stimmenthaltung vor zwei Jahren bei der Abstimmung im Landtag zum Leitbild für die letztlich gescheiterte Kreisreform. Seine Rolle sei damals eine andere gewesen als die des Oberbürgermeisters; sein „Jein“ die wohl abgewogenste Entscheidung seiner politischen Laufbahn. „Für den Fall, dass die Reform kommt, wollte ich dafür sorgen, dass sie so wenig Schaden wie möglich anrichtet.“ In Folge des Aushandlungsprozesses auf Landesebene profitiere Frankfurt nun beispielsweise von einer Teilentschuldung oder Entlastungen bei den Kosten für Kulturangebote und Soziales.

Die Frankfurter OB-Kandidaten René Wilke und Martin Wilke diskutieren im MOZ-Live-Stream über Stadtpolitik.
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Martin Wilke warnte in der von Redaktionsleiter Heinz Kannenberg moderierten Diskussionsrunde erneut davor, Frankfurt schlecht zu reden. Die Stadt als arm und nicht sexy zu bezeichnen „sei nicht besonders hilfreich gewesen“, erklärte der amtierende OB in Richtung seines Herausforderers. Es sei vieles erreicht worden in den vergangenen Jahren, „aber es kann natürlich noch besser werden“. Frankfurt bringe im Umfeld der Metropole Berlin beste Voraussetzungen als starkes Zentrum der Oderregion mit.

Die beiden Unterstützer gaben sich während der Debatte diplomatisch. Gesine Schwan an der Seite von Martin Wilke befand, es habe sich „unglaublich viel getan“ in Frankfurt. „Was mich vor allem beeindruckt hat, sind die vielen Initiativen von Bürgern“, meinte die Politikwissenschaftlerin, die von 1999 bis 2008 Präsidentin der Europa-Universität war und zweimal für das Amt der Bundespräsidentin kandidierte. Der Linken-Bundestagsabgeordnete Thomas Nord erklärte, viele Frankfurter wünschten sich etwas von jener Bedeutung zurück, die die Stadt einmal hatte. Beiden Kandidaten attestierte er großes Selbstbewusstsein, Ausdauer und Verhandlungsgeschick.

Emotional wurde René Wilke, als es um einen Generations- und Kulturwechsel für Frankfurt ging. Es gebe in der Stadt Gräben „aus längst vergangener Zeit, mit denen ich nichts zu tun habe“. Mit einer jüngeren Generation an der Spitze bestehe nun die Chance, die Gräben zuzuschütten. Zudem wolle er die Menschen künftig konsequenter bei Entscheidungen mit einbeziehen. Ein Generationswechsel im Rathaus stehe ohnehin bevor, entgegnete Martin Wilke. Denn viele Mitarbeiter würden in den nächsten Jahren in den Ruhestand gehen. Ihm sei wichtig, dass die junge Generation auch politisch „mehr zum Zuge kommt“, weshalb er erneut für seine Idee eines Jugendparlamentes warb.

Das Videoteam des Märkischen Medienhauses zeichnete die rund zweistündige Veranstaltung im Senatssaal des Viadrina-Hauptgebäudes mit vier Kameras auf. Mehrere Hundert Zuschauer verfolgten den Livestream auf moz.de, Facebook und Youtube, kommentierten und stellten Fragen. Unter anderem zum Thema Kinderarmut. Bis heute sei dazu kein runder Tisch zustande gekommen, warf René Wilke dem Amtsinhaber vor. „Hier haben sie falsche Prioritäten gesetzt.“ Martin Wilke räumte ein, dass bisher nicht genug für Chancengleichheit getan worden sei. „Aber da sind wir doch alle in der Pflicht“, so der OB, der dem Kontrahenten ein Jobangebot machte: „Sie wären ein guter Sozialdezernent.“

Einen ausführlichen Nachbericht vom MOZ-Wahlforum finden Sie in unserer Mittwochausgabe. Der Mitschnitt von der Veranstaltung und eine Bildergalerie sind auf www.moz.de abrufbar.

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Ekkehard Richter 14.03.2018 - 23:51:42

Wahlkampf geht besser

Als fast noch Neubürger von Frankfurt (Oder) mit geringer Kenntnis der Vorgeschichte habe ich der MOZ zunächst zu danken, dass sie zusammen mit der Viadrina das "letzte OB-Wahl-Duell" zwischen den Kandidaten Wilke und Wilke im Internet als Live-Stream organisiert und danach auch als abrufbares Video zur Verfügung gestellt hat. Leider wählten die Veranstalter mit Herrn Kannenberg einen unübersehbar parteiischen und damit wenig geeigneten Moderator für dieses "Duell" aus. So hatte der amtierende OB Dr. Martin Wilke neben der vorteilhaft agierenden Gesine Schwan in Herrn Kannenberg beinahe einen zweiten Sekundanten. Der Herausforderer René Wilke war dadurch von vornherein schwächer aufgestellt, zumal er mit Thomas Nord wohl keine so gute Wahl getroffen hatte. Ein weiterer Vorteil von Dr. Martin Wilke im "Duell" bestand darin, dass er als Amtsinhaber einiges an Kompetenz und Reputation vorzuweisen hat, was René Wilke im Amt eines OB erst noch unter Beweis stellen bzw. erwerben muss. Hinzu kam, dass in der Verantwortung des Amtsinhabers liegende Versäumnisse (z. B. kein Jahresabschluss seit 2010, nicht bestätigungsfähige Haushaltspläne) in der Veranstaltung kaum thematisiert wurden. (Ausdruck von Fairness oder unausgesprochenes Eingeständnis von Mitverantwortung?) Meiner Ansicht nach hat sich René Wilke trotz der genannten Nachteile im Rede-Duell gut “geschlagen”. Der amtierende OB konnte dabei zwar Punkten, jedoch selbst mit Schützenhilfe und größerer Erfahrung seinen Rückstand zum Herausforderer (mehr als 20 Prozent der im 1. Wahlgang abgegebenen Stimmen) kaum aufholen. Die maßgebliche Entscheidung fällt aber erst bei der Stichwahl am kommenden Sonntag und dann erst wird sich erweisen, ob die Strategie des Herrn Kannenberg aufgegangen ist und der amtierende OB im Amt bleibt. Sollte dagegen René Wilke gewinnen, bekommt er die Chance zu zeigen, wie „Frankfurt besser geht“ – sicher nur mit breiter Unterstützung durch engagierte Bürger, die Stadtverordneten und die Stadtverwaltung.

harald woitke 13.03.2018 - 09:30:51

Verlierer: Die MOZ

Es hat sich mein persönlicher Eindruck verfestigt: Kannenberg , also die MOZ, protegiert im Wahlkampf den Kandidaten der Eliten, der Wirtschaft, des Hanseclubs, Dr. Wilke. Sein Monolog zur Einführung zur " Debatte", eine Stigmatisierung und Bewertung der Kandidaten, aus seiner Sicht der Dinge. Seine Sicht, welche er seit Wochen der MOZ-Leserschaft aufdrückt. Der Junge, eher Inkompetente gegen den Pragmatiker, Kompetenten, Macher. Er spielt die Generationen aus, im Wissen , dass die Hauptwählerschaft jenseits der 50 Lebensjahre sich akquirieren lässt. Er setzt Themen, welche den Amtsinhaber im Sonnenlicht erscheinen lassen. Warum sich Rene Wilke auf Kannenberg einließ? Hier scheint Ihn sein Politinstinkt abhanden gekommen. Kannenberg war seit Wochen der PR-Agent für Dr. Wilke. Nach einer monatelang befürchteten Schreibblockade, nicht viel aus der Feder von Kannenberg war zu lesen, in Anflug von Schreibwut. Bestens aus der Presseabteilung des Rathauses, welches sich ebenfalls bleibende Verdienste bei Dr.Wilke erarbeitet haben dürfte, mit Erfolgsthemen des MACHERS Dr. Wilke versorgt. Dieses ungleich durch den "Moderator" gestaltete "Duell" dürfte nicht die durch erhoffte und versuchte Trendwende bringen. Sie zeigte jedoch auch die Schwachpunkte eines Rene Wilke auf. Auch er berechnend, sich präsidiabel gebend und somit kneifend die Schwachstellen des Amtsinhabers aufzuzeigen. Die Schwachstellen des Amtsinhabers, welche seine Stärken verkörpern. Auch sein Unterstützer, wenn auch väterlicher Mentor, ein Fehlgriff. Der blasseste Stadtverordnete, gescheiterte Bundestagsdirektkandidat, der sich von Kannenberg sogar unterstellen lies, dass er seinen Hauptwohnsitz in Berlin hat( Diskussion um Wählbarkeit in die StVV dürfte wieder aufkommen), stand wohl keinesfalls für den jugendlichen Aufbruch und die "Unschuld", " neue Parteigeneration" jenseits der Schuld der Altvorderen. Der Amtsinhaber konnte immer wieder durch Prahlerei, eine gewisse Arroganz und Selbstgefälligkeit überzeugen. Sein selbstverliebtes Wesen wurde durch R.Wilke nicht angekratzt. Fehlende Jahresabschlüsse, Führungsschwäche, Fehlinvestitionen, Fehlentscheidungen, nicht thematisiert. R.Wilke glich einem Biedermann, welcher sich durch Opportunismus an die Macht schleichen möchte. Wahlkampf geht besser, muss besser gehen. Er war und ist gehemmt anzugreifen. Seine Kommentare zu seiner eigenen Fairness im Wahlkampf wirken nunmehr peinlich. Nichtsdestotrotz bleibt er mein Kandidat, weil eben wesentlich kleineres Übel. Die MOZ ist der große Verlierer. Unprofessionell, durchsichtig parteiergreifend. Für mich ein Fall für den Presserat, weil als Kampagne gegen R.Wilke, unterstützend für Dr.Wilke angelegt.

Norbert Wesenberg 13.03.2018 - 09:20:06

"Sage mir mit wem du gehst und ich sage dir wer du bist"

Wer sich Wahlkampfschützenhilfe ausgerechnet bei einem Stasi Informanten der DDR Volksmarine holt, der hat auf dem Stuhl des Oberbürgermeisters der Stadt Frankfurt (Oder) nichts zu suchen. Sein "Jein" zur Kreisgebietsreform lässt erahnen, das er voll auf der Parteilinie der rot-roten Landesregierung liegt und keine klaren Positionen vertritt.

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