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Stadtverordnete wollen Geräuschkulisse durch Windkrafträder vom Landesumweltamt überprüfen lassen

Windräder
Bernau fordert Schallmessungen

Koloss in der Landschaft: Eine mehr als 200 Meter hohe Windkraftanlage an der Thaerfelder Chaussee bei Albertshof
Koloss in der Landschaft: Eine mehr als 200 Meter hohe Windkraftanlage an der Thaerfelder Chaussee bei Albertshof © Foto: Wolfgang Rakitin
Sabine Rakitin / 12.03.2018, 22:00 Uhr
Bernau (MOZ) Die Stadt wird beim Landesumweltamt die Schallüberprüfung aller auf dem Territorium Bernaus stehenden Windräder ab einer Nabenhöhe von 120 Metern beantragen. Einen entsprechenden Beschluss fassten die Stadtverordneten in ihrer jüngsten Sitzung - bei nur einer Gegenstimme.

Unter den Bernauer Stadtverordneten hat ein Umdenken begonnen. Noch im vergangenen Jahr waren es vor allem die Fraktionen Bündnis für Bernau (BfB) und Brandenburger Vereinigte Bürgerbewegungen (BVB)/Freie Wähler, die das Thema Windkraftanlagen und deren Auswirkungen auf Natur, Umwelt und vor allem die Menschen immer wieder zum Gegenstand der Debatte gemacht hatten. Doch nicht einmal zu einem einhelligen Votum gegen Windräder im Wald konnte sich das Parlament durchringen, weil Bündnisgrüne, Linken und Sozialdemokraten entweder dagegen waren oder untereinander uneins.

Das hat sich geändert, seit in Ortsteilen von Bernau wie Birkholzaue und Lobetal, aber auch um die Stadt herum eine Anlage nach der anderen entsteht. Betroffene Anwohner klagen über steigende Geräuschbelästigungen durch die immer größer werdenden Windräder, die mittlerweile eine Höhe von 200 Metern deutlich überschreiten. Doch deren Geräuschkulissen werden bestenfalls prognostiziert, von den in Brandenburg gebauten mehr als 300 Windrädern, wurden lediglich 28 tatsächlich schallüberprüft, davon im Barnim nur ein einziges, in Bernau gar keins.

Detlef Maleuda, Vorsitzender der BfB-Fraktion und Unterstützer des Antrags von BVB/Freie Wähler, kann ein Lied davon singen, was es bedeutet, ein Windrad in der Nähe seines Hauses zu haben. Schlafen bei geöffnetem Fenster sei nicht möglich, erzählte er am vergangenen Donnerstag zum wiederholten Male seinen Stadtverordnetenkollegen. Bei Messungen um Mitternacht in seinem Schlafzimmer sei die erlaubte Lärmgrenze von 45 Dezibel um ein Vielfaches überschritten gewesen, versicherte der Birkholzauer.

Zu Wort meldete sich auch Randolph Hankel (CDU), der im Wohngebiet "Einsame Kiefer" in Lobetal ebenfalls im Schatten von Windrädern lebt. Er erinnerte daran, dass die Ausweisung eines neuen Wohngebietes in Lobetal gescheitert sei, weil ein Gutachten die Belastung durch die Windkraftanlagen für die Menschen für zu groß erkannt habe. Die Gesundheit derjenigen aber, die wie er vor 20 Jahren ihre Häuser An der Einsamen Kiefer gebaut hätten, wäre bei der späteren Aufstellung der Windräder unberücksichtigt geblieben, beklagte er.

Stadtverordneter Josef Keil (SPD) war der Einzige in der Runde, der den Antrag auf eine Schallüberprüfung von Windrädern ablehnte. Es seien vor allem die kleinen Windräder, die Krach machen würden, behauptete er. Und die seien schon lange da und würden Bestandschutz genießen, zeigte er sich überzeugt. Was aber die neuen Windräder anbelange, so sei bei diesen eine immissionsrechtliche Überprüfung ohnehin Bestandteil der Baugenehmigung, führte Keil an. Doch mit dieser Auffassung blieb er allein. Für die Bündnisgrünen/Piraten erklärte Fraktionschef Thomas Dyhr, man werde dem Antrag zustimmen. "Die Überprüfung könnte zur Versachlichung der Debatte um Windkraftanlagen beitragen", begründete er.

So fand der Antrag von BVB/Freie Wähler eine breite Unterstützung - bei rund 30 Ja-Stimmen gab es nur eine Nein-Stimme von Josef Keil. "Nun wird das Umweltministerium verpflichtet sein, die besonders großen Anlagen zu überprüfen. Für Bernau eröffnet sich somit die Chance, auch als Kommune konsequent gegen die besonders unangenehmen Auswüchse der Windkraftausbauziele des Landes vorzugehen", kommentierte Péter Vida zufrieden die Entscheidung.

Die weitere Beeinträchtigung der Umwelt nebst massiven raumordnerischen Auswirkungen könnten nicht weiter hingenommen werden, ist der Fraktionsvorsitzende, der für BVB/Freie Wähler auch im Kreistag sitzt, überzeugt. Im Nachgang zur Bernauer Stadtverordnetenversammlung hat seine Fraktion deshalb in das Barnim-Parlament einen Antrag zum Stopp der Ausweisung weiterer Windeignungsgebiete im Landkreis Barnim eingebracht. Damit sollen die Barnimer Vertreter in der Regionalen Planungsgemeinschaft aufgefordert werden, in dem zuständigen Gremium gegen die Festsetzung weiterer Windeignungsgebiete zu votieren. "Aus raumordnerischen, umweltschützenden und ökonomischen Gründen soll im Barnim in Zukunft die Festsetzung neuer Windeignungsgebiete nicht mehr möglich sein", heißt es in einer Presseerklärung, die Vida am Sonntag verbreitete.

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