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25 Jahre Kleiderkammer
Kleiderkammer und mehr

Jubiläum: Am Montag wurden keine Hosen, Röcke und Hemden ausgegeben. Anke Pörschke (2. v. l.) und ihr Team hatten anlässlich des Jubiläums zu einer Dankeschön-Veranstaltung eingeladen. Hier die Leiterin mit einigen ehrenamtlichen Mitstreitern.
Jubiläum: Am Montag wurden keine Hosen, Röcke und Hemden ausgegeben. Anke Pörschke (2. v. l.) und ihr Team hatten anlässlich des Jubiläums zu einer Dankeschön-Veranstaltung eingeladen. Hier die Leiterin mit einigen ehrenamtlichen Mitstreitern. © Foto: MOZ/Sören Tetzlaff
Viola Petersson / 13.03.2018, 06:00 Uhr - Aktualisiert 15.04.2018, 13:55
Eberswalde (MOZ) Die „Kundschaft“ ist international. Vor 25 Jahren als Ausgabestelle für Bedürftige gegründet, ist die Kleiderkammer des Kirchenkreises heute eine Begegnungsstätte. Ein Treffpunkt für Geflüchtete, für Studenten, für Eberswalder. Am Montag gab es anlässlich des Jubiläums einen  Festakt.

Niemand habe die Hosen, die Kleider, Hemden, Röcke und Schuhe gezählt, die in den 25 Jahren an der Eisenbahnstraße 84 ausgegeben wurden, erklärte Pfarrer Christoph Brust vom Evangelischen Kirchenkreis Barnim, Träger der Einrichtung, am Montagnachmittag bei der Dankeschön-Veranstaltung. Ohnehin sei die Kleiderkammer viel mehr als eben bloß Kleiderkammer. Es ginge nicht nur um Sachen, es ginge auch um „ganz andere Sachen“. Die Kleiderkammer führe Menschen zusammen, hier werden Ideen geboren, hier werde ein Miteinander gelebt.

Brust, Vorsitzender des Leitungskollegiums, sprach von einer „kleinen Erfolgsgeschichte versteckt auf einem Hinterhof“, einer Erfolgsgeschichte, die sich aber mitnichten verstecken müsse. Im Gegenteil. Dank der Kleiderkammer gebe es ein „kleines Stück Gerechtigkeit mehr“. Was braucht es dafür? „Am Anfang braucht es nur Menschen, die etwas Gutes tun wollen, Menschen, die einen Traum haben.“ Genau solche Menschen habe es in Eberswalde gegeben und gebe es heute noch, so der Pfarrer, auf die vielen ehrenamtlichen Mitstreiter verweisend.

Wie dieses von Brust gelobte Miteinander aussieht, davon berichteten einige Geflüchtete sowie einige Akteure. Da erzählten zwei syrische Mädchen, Geschwister, von ihren Träumen, da berichtete eine junge Mutter aus Marokko von ihrem Wunsch, in Eberswalde einen Job zu finden, was aber wegen des Kopftuchs, das sie trägt, schwierig sei, obwohl sie Akademikerin ist (in der Heimat hat sie Englisch studiert). Da verriet der 18-jährige Abiturient Moritz Bouchon, wie aus dem Projekt Greenday ein längerfristiger Einsatz bei der Kleiderkammer wurde. Da erinnerte der Hohenfinower Wolfgang Frick an seinen Start vor zweieinhalb Jahren, die Zeit des großen Umbruchs, der Flüchtlingswelle. Damals sei der Ansturm in der Kleiderkammer so groß gewesen, dass „wir erst mal Ordnung und System reinbringen mussten“. Man habe Nummern verteilt.

Das Team um die damalige und die heutige Leiterin habe all diese Herausforderungen gemeistert, bescheinigten die Honoratioren, darunter Barnims Sozialdezernentin Silvia Ulonska und Eberswaldes Bürgermeister Friedhelm Boginski. Die Kleiderkammer der Kirche trage mit all ihren Angeboten zum sozialen Frieden in der Stadt bei, befand der Rathauschef. Und Anke Pörschke, seit Februar 2016 „Kammerherrin“, bestätigte: Das Publikum sei bunt gemischt. Geflüchtete kämen genauso wie Studenten, für die vielleicht der ökologische Gedanke im Vordergrund steht. Längst gehören die Geflüchteten selbst zu den Mitstreitern, seien zu Helfern geworden. Ob beim Sortieren der Sachen, in der „Lerngruppe“ oder beim Projekt „Begegnung und Bewegung“, für das die Stadt gerade Fördermittel bewilligt hat.

Einen Mangel an Kleidung gebe es grundsätzlich nicht, erklärte Anke Pörschke. Die Eberswalder seien spendenfreudig. Benötigt werden hingegen aktuell Männerschuhe und „Dinge des täglichen Lebens“, wie Geschirr oder Kleinmöbel. Ferner würde sie sich freuen, wenn auch künftig ausreichend Familienhelfer zur Verfügung stehen. Damit diese neue Phase des Willkommens, das Gestalten des Miteinanders, wie es Boginski ausdrückte, auch gelingt. Oder wie Pfarrer Brust betonte: „Der Mensch lebt eben nicht von Brot und Kleidung allein.“

Kleiderkammer des Kirchenkreises Barnim: Eberswalde, Eisenbahnstraße 84, geöffnet montags, dienstags, donnerstags sowie freitags von 10 bis 14 Uhr, mittwochs von 14 bis 18 Uhr, Tel. 03334 205913

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