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Aufführungen von Erkneraner Ballettschule drohen zu platzen / Ursache ist der fehlende Brandschutz

Brandschutz
Kulturhaus bleibt geschlossen

Michel Nowak / 13.03.2018, 08:15 Uhr
Erkner/Rüdersdorf Seit mehr als 20 Jahren bringt die Erkneraner Ballettschule „Balancé“ regelmäßig aufwändige Inszenierungen auf die Bühne. Die Aufführungen fanden immer im Kulturhaus Rüdersdorf statt – mit großer Resonanz. Doch jetzt ist Ballettschul-Chefin Sabine Schlösser bitter enttäuscht.

Nach der Premiere des aktuellen Stücks „Der gestiefelte Kater“ im November sind die für Februar geplanten vier Ballett-Aufführungen ausgefallen. „Darunter waren zwei Vorstellungen mit allein 750 Schülern“, sagt Sabine Schlösser. Der Grund: Das Kulturhaus Rüdersdorf ist aus Brandschutzgründen seit dem Jahreswechsel geschlossen.

In Rüdersdorf selbst gibt es ohnehin einige Turbulenzen. Die gemeindeeigene Kultur GmbH, die das Haus betreibt, befindet sich in der Auflösung. Insgesamt 23 der 29 Mitarbeiter wurden entlassen. Die Gemeindevertreter beschlossen Mitte Februar die Neugründung einer Museums- und Kultur GmbH, die auch für das Kulturhaus zuständig sein soll.

Obwohl unklar ist, wann der Betrieb dort weitergehen kann, sind im Jahresverlauf weitere Veranstaltungen geplant. Auch Sabine Schlösser hofft bisher, dass sie mit ihren Ballett-Schülern die ausstehenden Inszenierungen noch nachholen kann. Das müsste aber im ersten Halbjahr 2018 passieren, „sonst geht uns der mitwirkende Abi-Jahrgang verloren“, sagt sie. Mehrere Wochenenden habe sie vorgeschlagen. Sie wurden abgelehnt, weil das Haus planmäßig entweder durch Hochzeit, Jugendweihen oder ein Musikcamp belegt sei. „Leider erlebten wir keinerlei Bemühungen, uns die weitere Nutzung des Kulturhauses zu ermöglichen“, so Sabine Schlösser.

Jan Dietrich Jach, Projektleiter der Kultur GmbH, bestätigt, dass die Problematik um die weiteren Aufführungen bekannt sei. Die Ballettschule Balancé sei eine von einer ganzen Reihe an Betroffenen. So fiel beispielsweise die Saison der Rüdersdorfer Karnevalsgemeinschaft komplett aus. Auch das Benefizkonzert des Rüdersdorfer Gymnasiums sowie die anstehenden Jugendweihen zählt Jan Dietrich Jach auf. „Bei denen drängt es mindestens genauso“, sagt er.

Laut Rüdersdorfs Bürgermeister André Schaller ist im Kulturhaus brandschutztechnisch inzwischen alles in Ordnung. In der Vergangenheit seien jahrelang obligatorische Wartungen nicht erfolgt. Diese Versäumnisse hätten im Verantwortungsbereich der Kultur GmbH gelegen. Die Wartungen sind inzwischen nachgeholt, die entsprechenden Anlagen geprüft. „Die Berichte der Prüfsachverständigen stehen allerdings noch aus“, so der Bürgermeister, „wir sind da dran und telefonieren auch hinterher.“ Im Moment gebe es zudem die Möglichkeit, mit Einzelgenehmigungen das Kulturhaus für bestimmte Veranstaltungen zu öffnen. Eines ist dem Bürgermeister wichtig:  Gemeindevertreter und Verwaltung hätten sich klar zum Kulturhaus bekannt. „Niemand stellt dessen Erhalt infrage“, so André Schaller. „leider kann ich aber noch nicht sagen, wann sich die Türen wieder öffnen.“

Es gibt offenbar ein zweites Problem: „Es fehlt momentan an Personal, um das Kulturhaus zu betreiben“, so Schaller. Das sieht Projektleiter Jan Dietrich Jach anders. Er verweist auf noch vorhandene Mitarbeiter der Kultur GmbH. Wie lange die noch verfügbar seien, das sei im Einzelfall aber offen, widerspricht Bürgermeister André Schaller. Er will mit der neu gegründeten Gesellschaft und neuen Beschäftigten den Betrieb langfristig fortführen. Sabine Schlösser hat noch eine andere Idee: „Wir könnten sogar eigenes Personal für unsere Veranstaltungen mitbringen.“ Sie hat einen Brief an die Rüdersdorfer Gemeindevertreter geschrieben. Daraufhin kamen Reaktionen. Sowohl vom Aufsichtsrat der Kultur GmbH als auch von Ronny Neumann, dem Vorsitzenden der Rüdersdorfer Gemeindevertretung. Konkrete Zusagen konnte keiner machen.

Bisher musste Sabine Schlösser wegen der Ausfälle nur Druckkosten für Plakate und Eintrittskarten abschreiben. Würden weitere Veranstaltungen ausfallen, wären die Verluste wohl deutlich höher. Genauso geht es anderen potenziellen Mietern des Kulturhauses. Die Diskussion um dessen Zukunft dürfte munter weitergehen.

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