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Fußball
Steffi Jones als Frauen-Bundestrainerin gescheitert

Steffi Jones ist nicht mehr Trainerin der deutschen Fußball-Frauen.
Steffi Jones ist nicht mehr Trainerin der deutschen Fußball-Frauen. © Foto: Uwe Anspach/dpa
dpa-infocom / 13.03.2018, 16:30 Uhr - Aktualisiert 13.03.2018, 16:30
Frankfurt/Main (dpa) Steffi Jones ist gescheitert, nun soll Horst Hrubesch als Übergangslösung die deutschen Fußballerinnen auf dem Weg zur WM nach Frankreich voranbringen.

Der Deutsche Fußball-Bund hatte am 13. März die Konsequenzen aus der sportlichen Misere der Nationalmannschaft gezogen und die bisherige Bundestrainerin Steffi Jones durch den früheren HSV-Stürmer ersetzt.

Jones muss gegen ihren Willen gehen. «Ich bedaure diese Entscheidung des DFB sehr. Ich war mit vollem Engagement und Leidenschaft Trainerin dieser Mannschaft», erklärte sie auf ihrer Homepage. «Wir befinden uns mit dem Frauenfußball in einer schwierigen Umbruchsituation und ich hätte gerne diesen Umbruch weiter engagiert gestaltet», schrieb Jones.

Die Potsdamer Trainer-Legende Bernd Schröder sieht in der Beurlaubung von Jones unterdessen einen überfälligen Schritt. «Das war ein Notsignal, es musste etwas passieren. Es war lange klar, dass Steffi Jones die Mannschaft nicht mehr erreicht», sagte der Ex-Coach des früheren Meisters und UEFA-Cup-Siegers Turbine Potsdam der Deutschen Presse-Agentur.

Hrubesch könne auf jeden Fall nur eine Übergangslösung sein, sagte Schröder. «Horst Hrubesch wird für den Moment die richtigen Impulse setzen. Er muss nur an ein paar Stellschrauben drehen, um das Gefährt wieder in Gang zu bringen», sagte der 74 Jahre alte Kenner der deutschen Frauen-Fußballs und fügte hinzu: «Es wäre aber nicht schön, wenn es auf Dauer die alten Männer richten müssten.»

Siegfried Dietrich, der Manager des deutschen Rekordmeisters 1. FFC Frankfurt, sieht Hrubesch als idealen Interimscoach. «Ich denke, dass das für den Moment der richtige Schachzug ist. Danach hoffe ich auf eine gute Entscheidung - der Markt ist ja nicht so groß wie im Männerbereich», sagte der 60-Jährige der dpa. Hrubesch war 2016 in Rio Coach der deutschen Auswahl der Männer, die bei den Olympischen Spielen Silber holte.

Reinhard Grindel will sich aber bei der Suche nach einer Dauerlösung Zeit lassen. «Bei der Trainersuche wollen wir mit den Vereinen der Bundesliga jetzt eine Lösung finden, die den Frauenfußball auf eine neue Grundlage stellt», erklärte der DFB-Präsident bei Twitter.

Zunächst muss nun aber Horst Hrubesch als Retter ran. Der 66-Jährige wird die Auswahl in den bevorstehenden WM-Qualifikationsspielen im April gegen Tschechien und in Slowenien führen. Nach der 2:3-Niederlage gegen Island im Oktober 2017 ist für die deutschen Frauen die Teilnahme an der WM trotz Führung in der Qualifikationsgruppe 5 noch ungewiss.

Zur Trainer-Entscheidung sei das DFB-Präsidium bei einer Telefonkonferenz gekommen, sagte Grindel. Es folgte einer Empfehlung des für die Nationalmannschaften zuständigen Direktors Oliver Bierhoff sowie des Sportlichen Leiters Joti Chatzialexiou. Jones könnte dem DFB laut einer Mitteilung allerdings in anderen Funktionen erhalten bleiben, deutete Grindel an. Darüber würde er «sich freuen».

Ausschlaggebend für die Beurlaubung der 45-jährigen Jones waren das Aus im EM-Viertelfinale 2017 und der letzte Platz jüngst bei einem Einladungsturnier in den USA. Mit Jones sei am Montag bei einem persönlichen Treffen über die Situation gesprochen geworden. Sie hatte eine erfolgreichen Profi-Karriere bis zur Weltmeisterin 2003 absolviert und war OK-Chefin der WM 2011. Als Bundestrainerin scheiterte sie aber. Zuletzt wirkte die Mannschaft uninspiriert und verunsichert.

«Der Entscheidung ist eine intensive Analyse der vergangenen Monate vorausgegangen», begründete Bierhoff. Nach der enttäuschenden EM in den Niederlanden habe man mit Jones weitermachen wollen: «Wir haben ihr bewusst diese Chance gegeben.» Nun aber führte die sportliche Entwicklung die DFB-Oberen zu der Überzeugung, «dass die Mannschaft eine neue Führung braucht. Wir wollen den Wechsel nutzen, um die Strukturen im Frauenfußball weiter zu professionalisieren, die Verzahnung mit dem Männerbereich zu verstärken und neue konzeptionelle Wege zu gehen», erklärte Bierhoff.

Im engen Austausch mit der Liga soll laut Chatzialexiou ein «passender Kopf» gefunden werden. Übergangslösung Hrubesch ließ wissen, dass er in dieser Phase gern helfe. «Ich habe den Frauenfußball in den vergangenen Jahren verfolgt und war auch bei der Europameisterschaft im Sommer vor Ort», sagte er.

Für Bernd Schröder ist die Übernahme des Amtes durch einen Mann ein eher ein «trauriges Zeichen für den Frauen-Fußball». Es gebe genügend gute Trainerinnen in Deutschland, die perspektivisch für den Job infrage kämen, meinte Schröder und brachte unter anderen Martina Voss-Tecklenburg ins Gespräch, die im Juni 2015 die Schweizer Nationalmannschaft erstmals zur WM geführt hatte.

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