Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Nach Stillstand
Bauarbeiten am Bahnhof gehen weiter

Seit bald zwei Jahren werden Reisende bei der Ankunft in Oranienburg nicht gerade freundlich begrüßt. Graue Tücher, Holzlatten, freihängende Kabel und provisorische Schilder prägen das Bild der Baustelle, auf der niemand arbeitet.
Seit bald zwei Jahren werden Reisende bei der Ankunft in Oranienburg nicht gerade freundlich begrüßt. Graue Tücher, Holzlatten, freihängende Kabel und provisorische Schilder prägen das Bild der Baustelle, auf der niemand arbeitet. © Foto: Klaus D. Grote/MOZ
Klaus D. Grote / 13.03.2018, 20:16 Uhr - Aktualisiert 13.03.2018, 21:51
Oranienburg (MOZ) Seit bald zwei Jahren bietet das Empfangsgebäude des Bahnhofs Oranienburg einen traurigen Anblick. Die nie vollende Baustelle soll nun doch endlich verschwinden. Schon in einer Woche sollen die Arbeiten in Angriff genommen werden.

Kerstin Klotz wirk ziemlich genervt, als sie sie auf die Zustände im Bahnhofsgebäude angesprochen wird. "Die Kunden beschweren sich immer wieder", sagt die Verkäuferin in der Bahnhofsbuchhandlung. Eine Frau, die gerade eine Zeitung kauft nickt zustimmend und schüttelt dann den Kopf. "Hier fehlen Bänke und Toiletten", sagt die Kollegin der Verkäuferin. Vor allem ältere Menschen müssten sich während der Wartezeiten setzen können. Und die Toilettensituation sei eine Katastrophe. Ein einziges WC steht vorm Bahnhof. Dort warten die Menschen oft in langen Schlangen, besonders dann, wenn gerade eine S-Bahn voller Besucher der Gedenkstätte Sachsenhausen angekommen ist.

An den Anblick des grauen Fußgängertunnels habe sie sich gewöhnt, sagt Kerstin Klotz. "Soll der Tunnel nicht bis zur anderen Seite verlängert werden?", fragt die Verkäuferin. Doch eine Antwort auf diese Frage ist schwer zu erhalten. Bei der Stadtverwaltung wird der Plan eines zweiten Zugangs zum Bahnhof von der Ostseite schon lange verfolgt. Im Bereich der Ladestraße könnten viele städtebauliche Probleme auf einen Schlag gelöst werden. Anders als am schmalen Bahnhofsplatz und der engen Stralsunder Straße wäre dort ausreichend Platz für Bushaltestellen, Parkplätze und Fahrradstellflächen. Für Bewohner der Neustadt würden die Wege zum Bahnhof kürzer.

Immer wieder war der Tunneldurchstich unter den Gleisen an den Zuständigkeiten und Kosten gescheitert. Die Stadt will, dass die Bahn den Tunnel baut und bezahlt. Vor einem Jahr teilte die Bahn auf Nachfrage mit, dass die Gespräche mit der Stadt zu diesem Thema ruhten. Gleichzeitig wurde angedeutet, dass bei einer Sanierung des bestehenden Tunnels ein weiterer Zugang geschaffen werden könnte, wenn sich die Stadt zur Hälfte an den Kosten beteiligt. Eine Schätzung von 2013 ermittelte Kosten in Höhe von 6,5 Millionen Euro für den 40 Meter langen Tunnel.

Nun teilte Baustadtrat Frank Oltersdorf in einer Antwort auf Anfragen der Linke-Fraktion überraschend mit, dass die Bahn derzeit an einem Planfeststellungsverfahren für den Bahnhof arbeite. Ein Umbaubeginn sei für 2022 oder 2023 geplant. Mehr wisse er auch nicht, sagte Oltersdorf auch Nachfrage. Die Bahn wollte dazu trotz mehrfacher Anfragen keine weiteren Angaben machen. Gemeint sein könnte der Tunnel, aber auch die Gleise: Die Bahnbrücken über die Bernauer und die Dr.-Heinrich-Byk-Straße müssen erneuert werden. Dabei seien natürlich städtebauliche Interessen zu berücksichtigen, sagte Oltersdorf. "Wir haben noch Gesprächsbedarf."

Abstimmungsbedarf gibt es auch innerhalb der Bahn noch, bevor der jetzige Zustand des Empfangsgebäudes beendet wird. Nähere Angabe könnten erst kommende Woche gemacht werden, sagte Bahnsprecher Gisbert Gahler. Die Arbeiten sollen am 27. Juni abgeschlossen sein. Noch im vergangenen Oktober hieß es, dass "trotz intensiver Bemühungen" wegen der aktuellen Marktlage keine Baufirma gefunden werden konnte.

Die Kampfmittelsuche unter dem Bahnhofsgebäude war die Ursache für den aktuellen traurigen Zustand. Den Sondierungsarbeiten folgten Statikmessungen.Denn die Strecke zur Ostsee wurde für Züge mit Tempo 160 und Güterwagen mit einer Achslast von 25 Tonnen ausgebaut. Der höheren Last muss auch der Bahnhof standhalten. Für die Messungen wurden Wandverkleidungen und Fliesen entfernt. Und danach - vor fast zwei Jahren - kamen graue Tücher an Wände und Decken: Der Bahnhof wirkte wie ein schlecht verpacktes Geschenk der Bahn zum Stadtjubiläum.

Nun könnte das Bahnhofsgebäude bis zum Sommer endlich wieder hübsch werden. Der Platz davor wird dann - nach der Fertigstellung des Fahrradparkhauses in der Stralsunder Straße - ebenfalls erneuert: Mit mehr Platz für Fußgänger und größeren Bushaltestellen. Sogar ein zweiten Toilettenhäuschen ist geplant. Das allerdings betreibt die Stadt und nicht die Bahn.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG