Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Denkmalgeschützter Bahnhof Röntgental erstrahlt bis zum Sommer in altem Glanz

Bahnhof
Umsteigen schon ab Himmelfahrt

Blau gekachelt: Der S-Bahnhof Röntgental wurde laut Jürgen Meyer-Kronthaler am 1. Mai 1903 zunächst mit einem Seitenbahnsteig zu ebener Erde eröffnet. Vor 61 Jahren fuhr die Stettiner Bahn, ab 1913 kamen die Gleise auf eine Trasse.
Blau gekachelt: Der S-Bahnhof Röntgental wurde laut Jürgen Meyer-Kronthaler am 1. Mai 1903 zunächst mit einem Seitenbahnsteig zu ebener Erde eröffnet. Vor 61 Jahren fuhr die Stettiner Bahn, ab 1913 kamen die Gleise auf eine Trasse. © Foto: MOZ/Sergej Scheibe
Andrea Linne / 13.03.2018, 22:00 Uhr
Röntgental (MOZ) Blaue Kacheln, eine mit dunklen Balken geschmückte Decke und florale Verzierungen machen den S-Bahnhof Röntgental zu einem Zeugnis des Jugenstils. Daher hat sich die Bahn AG vorgenommen, das Ensemble in alter Schönheit weitestgehend wiederherzustellen. Den Haltepunkt errichtete die Preußische Staatsbahn schon 1903.

Auch wenn die Strecke nach den Reparationsleistungen an die Sowjetunion am 21. Juni 1945 sogar nur dampfbetrieben wieder in Gang kam, so scheint doch bis heute ein bisschen die Zeit stehen geblieben. Für Diplomingenieur Jens Kulecki als Projektleiter der S-Bahn Berlin, der aktuell viele Nerven rund um das Karower Kreuz lassen muss, gehört das Kleinod zu seinen schönen Arbeitsinhalten. "Wir haben jede einzelne Fliese kartiert und wissen, aus welchem Jahr diese stammen", macht der Bernauer deutlich. Gemeinsam mit dem Denkmalschutz wurden die Arbeiten im Bahnhofsgebäude sehr vorsichtig vorgenommen. Der Tunnel auf der Fernbahnseite wird erneuert, Hilfsbrücken mussten eingezogen werden. Im Mai soll eisenbahntechnisch alles stehen, derzeit ist die Schalung für die Tunnelwände, die noch ausgegossen werden muss, aufgebaut. "Wir liegen hier gut in der Zeit", schätzt Kulecki ein. Der 15 Meter lange Fußgängertunnel zur Heine-Passage soll danach wieder geöffnet werden. Der Innenausbau des Bahnhofes folgt bis in den Sommer nach. Spundwände, die noch hin zur Passage die Gleise stützen, werden dann so eingekürzt, dass sie die Streckengleise und den Anblick nicht stören können.

Sehnsüchtig erhoffen sich alle Pendler einen zweigleisigen Ausbau der S-Bahn-Strecke zwischen Berlin und Bernau. Doch hier dämpft Kulecki die Hoffnungen. Auch wenn heute technisch viel möglich sei, so müsse der Abstand zwischen Gleisen der S-Bahn und Fernbahn mindestens zwischen 5,60 und 6,40 Metern liegen. Hier vor Ort, wo die Gleise auf einem Damm verlaufen, fehlt dafür ein ganzes Stück. "Die Altvorderen reichten Gleisabstände von vier Metern." Bleibt der Zaun auf der einen Seite des Damms. Die frühere Villensiedlung Röntgental, die seit 1903 von der Stettiner Bahn bedient wurde, entwickelt sich dennoch kräftig weiter.

Das hatten Karl Cornelius und Ernst Schwartz wohl noch nicht im Blick, als sie das Jugendstil-Ensemble mit dem 170 Meter langen Mittelbahnsteig entworfen haben. Ab 1930 fuhr die S-Bahn. Eine der Brücken im Oberbau über die Bahnhofstraße wurde 1974 aufgebaut, dafür jedoch das nach dem Krieg verbliebene Vorortgleis entfernt. Alles muss dringend saniert werden.

Kulecki erläutert, dass dafür ein Jahr Bauzeit einzurechnen ist. Die Röntgental-Brücken werden voraussichtlich ab Oktober gesperrt. Ein S-Bahn- und zwei Fernbahngleise führen darüber. Die alten Pendelstützen müssen raus, Hauptträger werden herausgeschnitten und ersetzt. "Was wir bei einspuriger Straßenführung erledigen können, machen wir. Aber wenn wir die Brücke herausheben, dann müssen wir sperren", macht der Projektleiter deutlich.

Über die genauen Abläufe will die Bahn AG noch informieren. Ein großes Bauschild, das aktuell an der Brücke Bahnhofstraße steht, wurde so besprüht, dass nichts mehr lesbar ist. "Da können wir uns natürlich bemühen, wie wir wollen", ist auch Bahn-Sprecher Gisbert Gahler sauer. Flyer seien in Vorbereitung.

Der Ausbau am Bahnhof Röntgental gehört in das Großprojekt rund um das Karower Kreuz. Insgesamt werden alle Bauwerke ausgetauscht, die zwischen Berlin-Buch und Bernau liegen. Die haben mehr als hundert Jahre auf dem Buckel. "Einen Versagensbruch kann man nicht vorhersagen", stellt Kulecki klar. 20 Brücken sind betroffen. Mehr als 380 Millionen Euro kostet das Gesamtvorhaben der Bahn AG.

Aktuell läuft die Ausschreibung für Röntgental, aber auch für die Brücke Schönerlinder Straße in Zepernick, die Pankebrücke vor Zepernick und eine am Feldweg in Zepernick. Noch 2018 soll Baustart für die Vorhaben sein. Im Sommer werden die Brücken über die Zepernicker Chaussee fertig. Damit das gelingt, sind laut Gahler zwei große Sperrpausen ab Himmelfahrt nötig. Vom 9. bis 14. Mai fährt keine S2, vom 14. bis 22. Mai ist die Fernbahn unterbrochen.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG