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Seelower Bürgermeister will sich mit den polnischen Partnern über Mitnutzung verständigen

Grenzregion
Küstriner bauen Schwimmhalle

© Foto: www.slubickie.info
Ulf Grieger und Dietrich Schröd / 14.03.2018, 07:30 Uhr
Küstrin (MOZ) Im polnischen Grenzort Küstrin soll ein Hallenbad gebaut werden. Das bestätigte Bürgermeister Dr. Andrzej Kunt auf Anfrage unserer Zeitung am Dienstag.

Seit im Internet, bei Facebook, ein virtueller Plan der künftigen Anlage in Seelows Partnerstadt Kostrzyn zu sehen ist, wird auch von deutschen Oderländern das Projekt diskutiert. Das künftige Schwimmbad, das neben dem Kulturhaus "Kregielnia" in der Nähe der Küstriner Papierfabrik entstehen soll, wird drei Becken haben. Eins mit sechs 25-Meter-Bahnen, in dem auch Sportwettkämpfe ausgetragen werden können, ein Becken für Kleinkinder und Schwimmschüler, sowie ein Freizeitbecken mit zwei großen Rutschen und einigen Spa-Elementen.

Dr. Kunt vermeidet aber den Begriff Spaßbad, da es sich eher um ein kombiniertes Sport- und Freizeitbad handeln soll.  "Unsere Stadt hat sich lange mit diesem Plan getragen, weil es in unserer Region außer in Gorzów kein weiteres Hallenbad gibt", sagte der Lokalpolitiker. Jetzt sei man der Meinung, sich das Projekt, dessen Kosten zunächst mit 16 Milllionen Zloty (rund vier Millionen Euro) veranschlagt wurden, auch leisten zu können. Außerdem habe man einen Förderantrag beim Sportministerium in Warschau gestellt.

Kunt, der bei den im Herbst anstehenden Kommunalwahl wiedergewählt werden will, stellte das Vorhaben vor einigen Tagen auf einer Einwohnerversammlung vor. Dabei betonte er, dass bis zur Fertigstellung noch mindestens zwei Jahre vergehen werden. Derzeit laufe eine Ausschreibung für das Vorhaben, frühestens im Juni soll dann entschieden werden, welche Firma den Bauauftrag erhält.

In Seelow gibt es seit Ende vergangenen Jahres intensive Gespräche zwischen Stadt und Kreis, um die Anlagen der Schulen in Kreisträgerschaft (Oberstufenzentrum, Förderschule und Gymnasium) am Nachmittag auch für den Vereinssport nutzen zu können. Zudem will die Stadt im Rahmen eines Förderprogrammes im Zusammenwirken mit dem Kreis eine neue Sporthalle am Sender errichten. Darüber hatte Bürgermeister Jörg Schröder beim Neujahrsempfang der Stadt informiert. Diese neue Halle sollte auch mit einem Schwimmbecken für den Schulunterricht ausgestattet werden, so die Idee. Landrat Gernot Schmidt hatte das als schwer umsetzbar bezeichnet. Bei der Mit-Nutzung von Anlagen gebe es indes schon gute Signale, so Schröder.

Er hatte am Dienstag erstmals erfahren, wie weit die Partnerstadt Kostrzyn bereits mit ihrem Projekt ist. Er zeigte sich von einer Videoanimation zum künftigen Schwimmbad begeistert und kommentierte spontan: "Nicht schlecht. Wenn dieses Projekt umgesetzt wird, müssen wir uns gemeinsam die Frage erlauben lassen: Nur in 18 km Entfernung noch so ein Projekt? Oder nutzen wir einfach das Kostrzyner Bad als Oderländer mit? Wäre auch ein Beitrag zur Völkerverständigung."

Auf Nachfrage dieser Zeitung bestätigt er, dass im Falle einer tatsächlichen Realisierung des Küstriner Hallenbaus eine Abstimmungsrunde notwendig sein wird. Noch wurden die Fördermittel dafür nicht genehmigt und die Seelower erarbeiten ihren Fördermittelantrag. "Man muss das realistisch betrachten. So eine Halle wird rund 1,5 Millionen Euro an Betriebskosten im Jahr benötigen. Sie muss also ausgelastet werden. Wenn die Hallennutzung 18 Euro kostet, hat auch keiner Lust, Schwimmen zu gehen. Deshalb ist es sinnvoll, innerhalb dieser Region nicht zwei Schwimmhallen zu bauen, sonder Wege zu finden, wie eine Halle gut genutzt werden kann", so Schröder.

Die unbürokratische Nutzung einer Schwimmhalle von deutschen und polnischen Badegästen, inklusive Schwimmschülern, war auch Thema der Debatte im Internet. Etliche Autoren befüchten, dass es kompliziert wird, eine polnische Schwimmhalle auch für den deutschen Schwimmunterricht zu nutzen. Die Kommunalpolitiker der Partnerstädte haben also bereits konkrete Hausaufgaben bekommen.

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Lutz Garbrecht 16.03.2018 - 08:16:26

Kommentar - Karla Paulukat

Sehr geehrte Karla Paulukat, glauben Sie wirklich, dass viele aus „hygienischen Umständen“ (wie Sie schreiben) einen Schwimmbadbesuch in Polen ablehnen würden? Viele Mitbürger fahren nach Polen um Lebensmittel zu kaufen, ins Restaurant zu gehen, manche machen dort Urlaub. Es gibt Mitmenschen, die gehen im Sommer sogar in unseren Seen baden gehen, obwohl es dort keine Dusche gibt, keine Toilette gibt und auch noch die Fische ins Wasser machen. Ich war mehrmals im Gorzówer Schwimmbad baden und habe keine anderen hygienischen Umständen als bei uns feststellen können, nur der in vielen Länder übliche Textilzwang in der Saunaanlage ist etwas gewöhnungsbedürftig.

Frank Schneider 14.03.2018 - 10:26:29

Es ist umgekehrt, wir sind das Problem

Wer als Deutscher in ein holländisches Krankenhaus eingeliefert wird, den erwartet eine Überraschung: Er wird unter Quarantäne gestellt. Ärzte und Schwestern nähern sich ihm nur tief vermummt mit Kittel, Handschuhen und Mundschutz. Deutsche gelten hier als Infektionsrisiko. Denn anders als im Nachbarland tummeln sich in deutschen Kliniken, Altenheimen, Rehazentren und Dialysestationen reichlich sogenannte multiresistente Erreger - Bakterien, die gegen fast alle Antibiotika resistent geworden sind. http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-74822665.html

Karla Paulukat 14.03.2018 - 10:10:40

Wurde die Nachfrage zur Nutzung überhaupt geprüft?

Hier sollte zuerst einmal eine Umfrage gestartet werden, wer überhaupt nach Polen fahren würde, um ein Schwimmbad zu nutzen. Es ist ja nicht ein Vergnügungspark oder eine Sporthalle, bei denen hygienische Umstände eine untergeordnete Rolle spielen. Dann sollte auch abgewogen werden, wie es mit Polen in der EU weiter geht. Zur Zeit arbeitet die polnische Regierung gegen die EU und leider auch gegen Deutschland (siehe jüngste Reparationsforderungen).

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