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Nico Petris Kaffeeschnaps mit afrikanischem Geist überzeugt bei seiner ersten Verkostung im Neuzeller Kloster

Spirituose
Der Löwe aus der Flasche

Afrikanischer Geist in Neuzeller Flasche: Brennmeister Nico Petri (40, r.) übergibt Bestsellerautor Asfa-Wossen Asserate (69) am Dienstagabend im Kloster den ersten"Löwentrunk". Die beiden haben sich bei einer Lesung kennengelernt.
Afrikanischer Geist in Neuzeller Flasche: Brennmeister Nico Petri (40, r.) übergibt Bestsellerautor Asfa-Wossen Asserate (69) am Dienstagabend im Kloster den ersten"Löwentrunk". Die beiden haben sich bei einer Lesung kennengelernt. © Foto: Christopher Braemer
Christopher Braemer / 14.03.2018, 19:56 Uhr
Neuzelle (MOZ) Ein äthiopischer Prinz, der Schnaps auf Kaffeebasis bei einem Brennmeister aus Neuzelle in Auftrag gibt - was wie ein Märchen klingt, ist flüssige Realität. Nico Petris "Löwentrunk" kitzelt am Dienstagabend im Kloster an den ersten Gaumen.

Prinz Asfa-Wossen Asserate hebt das kelchförmige Spirituosenkristallglas an die Lippen, nippt kurz und - ist einfach nur zufrieden. "Er schmeckt", schwärmt das äthiopisch-deutsche Sprachgenie mit der Hipster-Brille über den Schnaps auf Fair-Trade-Kaffeebasis, der ihm soeben den Hals runterlief. Wie auch anders, der transparente Tropfen aus seinem Kelch wurde eigens für den deutschen Schriftsteller afrikanischer Abstammung kreiert. Am Dienstagabend wurde er im Neuzeller Kloster vorgestellt, der "andere Botschafter von Äthiopien", wie Asserate ihn nennt. Dabei ist der "Löwentrunk" jetzt schon eine Legende.

Ein äthiopischer Prinz, der einen Schnaps auf Kaffeebasis bei einem brandenburgischen Brennmeister bestellt - das klingt schon ein bisschen nach Hollywood. In Wahrheit lernten sie sich bei einer Lesung kennen, der Schnapsbrenner Nico Petri und der Bestsellerautor Asfa-Wossen Asserate. Als die feine Feder den Brennmeister vor Jahren fragte, ob Schnaps auch mit Kaffee geht, war letzterer sich ganz sicher: ja.

"Meine persönliche Angst war die Restsüße - doch die war umsonst", gibt Asserate zu, der sich im Laufe des Brennprozesses immer wieder bei Petri nach dem Stand der Dinge erkundigte. Er ist nicht der Einzige, dem es schmeckt. Während seines Vortrags über die Geschichte des Kaffees tat Nico Petri das, was das gute Dutzend Besucher im Kloster Neuzelle nicht abwarten konnte: Immer wieder nippt er an einem Glas, während sein Nebenan über die Erfindung des Kaffees erzählt. "Es schmeckt gut, wenn auch zuerst nicht nach Kaffee", sagt Bernd Schmarren (64), der extra aus Storkow angereist war, nachdem er in der Zeitung von der Veranstaltung las. "Das Aroma entfaltet sich dann im Nachhinein." Auch seine Frau Andrea ist sichtlich zufrieden."Fein, aber herb", sagt sie. Dass es ein Frauengetränk wird, bezweifelt die 62-jährige Marlies Knechtel aus Eisenhüttenstadt. "Dafür ist er nicht süß genug", meint sie und nippt an ihrem Kelch. Dafür gebe es am Tag danach keine Kopfschmerzen.

Die Destillation des Edeltropfens war alles andere als ein Kinderspiel. "Ich war mir nicht sicher, ob es funktionieren würde", gibt Nico Petri zu. Der gelernte Softwareentwickler kam 2004 zur Klosterbrennerei, die 1997 mit Hilfe von 150 Aktionären wiedergegründet wurde. Nachdem er von vorn begann, kreierte er einen Gaumenkitzler nach dem anderen, gewann auf dem "World Spirits Award" in Berlin Preise für seinen in Deutschland seltenen Absinth. Die Kreation seines neuen Volltreffers vergleicht er mit einer Frau, die das passende Abendkleid sucht - ein schwieriges Thema. "Man probiert und probiert immer wieder", holt Petri aus. "Und irgendwann findet man die passende Kombination." Glücklicherweise habe es geklappt.

Wie aus Kaffee Schnaps wird, das weiß Petri besser als jeder andere. Der Brennmeister erhält den bereits gemahlenen Fair-Trade-Kaffee, reichert ihn mit Alkohol an, lässt ihn ziehen und destilliert ihn vier Wochen später. "Das ist erst einmal eine unansehnliche braune Brühe", spricht Petri in Bildern. "Daraus werden dann die Aromen rausgekitzelt." Da die Gärung ohne Hefezucker wie beim Bierbrauen gehe, werde der Kaffee "vergeistet". Der 40-Jährige habe es in Erwägung gezogen, den Kaffee vor Ort zu mahlen. "Das hätte den Prozess jedoch nur unnötig erschwert", verrät Petri. Um Kaffee und Kräuter vor zu viel Wärme zu schützen, bestellt er sie ausschließlich in den Wintermonaten.

Den wohl einzigen Schnaps auf Kaffeebasis gibt es bisher in Form von 100 Flaschen, jede einzeln nummeriert. "Eine limitierte Edition", verrät Petri. Die weitere Produktion hänge von der Nachfrage ab. Die Nummer eins hebt der Tüftler, der mit seinen Absinth-Kreationen bereits mehrere Preise absahnte, traditionell in seinem Regal auf. Am Dienstag kam es zur ersten Ausnahme. "Diesmal werde mich mit der Nummer zwei begnügen müssen", bedauert Petri. Er nimmt eine Flasche "Löwentrunk" und überreicht ihn Prinz Asserate, der Neuzelle einen afrikanischen Geist einhauchte.

Zur Person

Mit seinen Bestsellern "Manieren" (2004) und "Ein Prinz aus dem Hause David - und warum er in Deutschland blieb" (2007) wurde Asfa-Wossen Asserate bundesweit bekannt. Als erster Deutscher afrikanischer Abstammung erhielt er 2015 den Jacob-Grimm-Preis Deutsche Sprache. 1948 in Addis Abeba geboren, schloss Asserate sein Abitur dort an der Deutschen Schule ab. Der Großneffe des letzten äthiopischen Kaisers studierte dann Geschichte und Jura in Tübingen und Cambridge und promovierte in Frankfurt am Main, wo er seit 1972 lebt. Nach Tätigkeiten in Journalismus und PR arbeitet er heute vorwiegend als Unternehmensberater.

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