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Siebtklässler der Grund- und Oberschule Müllrose beschäftigen sich drei Tage lang mit Drogenprävention

Projekt
Wenn Jugendliche "koksen" spielen

Nehmen am Drogenpräventionsprojekt teil: die Siebstklässler Mika (14), Paul, Emmely und Celine (alle 12, v.l.)
Nehmen am Drogenpräventionsprojekt teil: die Siebstklässler Mika (14), Paul, Emmely und Celine (alle 12, v.l.) © Foto: MOZ/Frank Groneberg
Frank Groneberg / 15.03.2018, 15:11 Uhr - Aktualisiert 15.03.2018, 18:18
Müllrose (MOZ) In einem dreitägigen Präventionsprojekt beschäftigen sich die Siebtklässler der Grund- und Oberschule Müllrose seit Dienstag mit dem Drogenmissbrauch. Anlass für das Projekt war ein Vorfall während einer Jahrgangsfahrt.

Es ist eigentlich das Normalste der Welt. Kinder und Jugendliche ahmen das nach, was sie bei Erwachsenen beobachten. Die Siebtklässler der Grund- und Oberschule Müllrose sind da keine Ausnahme. Was sie nachgespielt haben, ist allerdings nicht unbedingt alltäglich: Sie haben während ihrer Kennenlernfahrt im September "koksen" gespielt. "Wir haben Brausepulver geschnieft", sagt Mika. "Das war ein Spaß, war chillig." Eine Freundin habe das schon mal gemacht, erzählt Emmely, "da wollten wir das auch mal machen". Wie im Film hätten sie das farbige Brausepulver zu schmalen Streifen zusammengeschoben und dann in die Nase gezogen. Erst nur einige Schüler, dann der halbe Jahrgang. "Das ist Gruppenzwang", erklärt Paul, "niemand will außen stehen." Auch einen Wettbewerb habe es gegeben, eine "Challenge", wer am schnellsten zieht. Hinterher habe sie das allerdings bereut, gibt Emmely zu. "Das hat in der Nase ganz schön weh getan."

Natürlich haben die betreuenden Lehrer das irgendwann mitbekommen und unterbunden. Auch einige Eltern erfuhren von dem Koks-Spiel und sprachen das auf einer Elternversammlung an. Und die Schule reagierte, wie man es von guten Pädagogen erwartet: "Wir haben überlegt, wie wir das Thema aufgreifen, für die Aufklärungsarbeit nutzen und gemeinsam mit den Schülern bearbeiten können", erläutert Bärbel Hilgers, Klassenleiterin der Klasse 7/1.

Siebtklässler der Grund- und Oberschule Müllrose präsentieren Theaterstück im Theater Frankfurt (Theater im Schuppen e.V.) im Rahmen eines Schulprojektes zum Thema Drogenprävention.
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Drogenprävention als Theaterstück

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Die entscheidende Idee kam von Dina Liesk, seit Herbst 2017 Lehrerin in Müllrose. Sie entwickelte ein Präventionsprojekt für die beiden 7. Klassen, das auf Information, Aufklärung und Selbsterfahrung setzt. Höhepunkt sind zwei Theaterstücke, welche die Jugendlichen gemeinsam mit dem Theater Frankfurt - Dina Liesk spielt dort in ihrer Freizeit - entwickeln und am Donnerstag ihren Mitschülern und ihren Eltern präsentieren.

Am Dienstag war Katrin Gassner, Präventionsbeauftragte der Polizei, bei den Schülern zu Gast und sprach mit ihnen über Wirkungen und Gefahren des Drogenkonsums. Eine Mitarbeiterin der Caritas übte mit den Jugendlichen auf spielerische Art, wie man sich der Gruppendynamik entgegenstellt und einfach "Nein!" sagt. Heute steht in der Sporthalle ein Stationsbetrieb auf dem Projektprogramm - mit Mitmach-Angeboten der Bundeszentrale für gesundheiltiche Aufklärung zu Alkohol, Nikotin und Sucht allgemein und mit praktischer Unterstützung etlicher Eltern. Außerdem erstellen die Schüler heute eine Wandzeitung zum Thema Sucht.

Nikotin- oder Alkoholsucht sind bei den Siebtklässlern (noch) kein Thema. "Ich kenne in unserem Jahrgang niemand, der raucht", sagt Celine. Emmely erzählt, eine Freundin habe geraucht, dann aber schnell aufgehört, weil sie ihr mit dem Ende der Freundschaft gedroht habe. Alkohol haben die meisten schon gekostet - konkret erzählen wollen sie davon aber nicht.

Andere Drogen, speziell Cannabis, sind in Müllrose aber genauso Thema wie wohl in allen weiterführenden Schulen. "Wer hier Gras kaufen möchte, bekommt das auch", sagt Emmely und meint damit vor allem den Schützenpark. "Drogendealer liefen hier schon rum, das weiß ich aus dem Bekanntenkreis", erklärt Paul. Auch deshalb ist es wichtig, dass sich Siebtklässler mit dem Thema beschäftigen. "Klar ist das für uns ein Thema", sagt Emmely, "ich weiß, dass jemand aus unserem Jahrgang schon Gras probiert hat." Und die anderen nicken zustimmend, als Paul betont: "Unsere Körper sind ja noch in der Entwicklung, da schaden Drogen viel mehr als bei Erwachsenen."

Und wie würden sie reagieren, wenn ihnen jemand illegale Drogen anböte? ",Nein' sagen und unseren Schulleiter informieren", sagt Mika. "Ich würde mir die Person merken, um sie später beschreiben zu können", erklärt Celine. "Auf jeden Fall den Eltern davon berichten", so Emmely. Und Paul sagt: "Sofort die Polizei informieren."

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