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Die Zahl der registrierten Straftaten in Brandenburg liegt erstmals unter der Marke von 180 000

Statistik
Kriminalität sinkt auf Rekordtief

Im Schutz der Dunkelheit: Ein Einbrecher guckt durch die eingeschlagene Fensterscheibe eines Hauses (gestellte Szene). Zuletzt ist die Zahl der Wohnungseinbrüche in Brandenburg von 4200 auf 3200 gesunken.
Im Schutz der Dunkelheit: Ein Einbrecher guckt durch die eingeschlagene Fensterscheibe eines Hauses (gestellte Szene). Zuletzt ist die Zahl der Wohnungseinbrüche in Brandenburg von 4200 auf 3200 gesunken. © Foto: dpa/Daniel Maurer
Ulrich Thiessen / 16.03.2018, 08:15 Uhr
Potsdam (MOZ) Weniger Straftaten, mehr Aufklärung und weitere hoffnungsvolle Entwicklungen in der Kriminalitätsstatistik. Von Entspannung kann im Bereich der inneren Sicherheit aber noch längst keine Rede sein.

Die gute Nachricht zuerst: Noch nie hat eine Kriminalstatistik eine so niedrige Zahl an Straftaten ausgewiesen: 177 003. Zum Vergleich:  1998 waren es reichlich 100 000 Straftaten mehr. Die Aufklärungsquote liegt mit 55,3 Prozent so hoch wie seit fünf Jahren nicht mehr. Und das, obwohl seit dieser Zeit Hunderte Polizeistellen abgebaut wurden.

Rückläufig ist vor allem die Diebstahlskriminalität. Im vergangenen Jahr wurden 66 889 Fälle registriert – 8667 weniger als im Jahr zuvor. Das zieht sich durch alle Bereiche: weniger Autoklau, weniger Fahrraddiebstähle, weniger Wohnungseinbrüche, weniger Einbrüche in Dachböden und  Keller. Auch die Diebstähle von Geräten und Maschinen und die Einbrüche in Firmen sind zurückgegangen – und erreichten mit 4110 Delikten ein Allzeittief. 1998 gab es noch 14 713 schwere Diebstähle aus Firmen.

Zugenommen hat dagegen der Viehdiebstahl. 218 Rinder wurden im vergangenen Jahr gestohlen – fast 40 mehr als 2016. Polizeipräsident Hans-Jürgen Mörke ist optimistisch, dass sich der Trend umkehren lässt. Es gibt bereits Fahndungserfolge, weitere stünden bevor.

Die Rückgänge bei Einbrüchen führt die Polizei auf mehr Vorsichtsmaßnahmen der Eigentümer zurück. Die Zahl der abgebrochenen Einbruchsversuche steige nämlich und nähere sich dem Bundestrend an, hieß es. Brandenburg lag jahrelang unter dem Bundesdurchschnitt und bot damit Dieben leichtere Beute.

Die Diebe selbst sind nach wie vor international agierende Banden; oft aus Osteuropa, aber in einem Fall auch Chilenen. Innenminister Karl-Heinz Schröter rief die Bevölkerung am Donnerstag erneut zu Wachsamkeit auf. Wichtig seien Hinweise – schon dann, wenn Grundstücke ausgekundschaftet werden.

Stark zugenommen hat das sogenannte Planenschlitzen. Auch hier sind internationale Banden unterwegs, die auf Rastplätzen prüfen, welche Ladung die Lkw geladen haben und sie gegebenenfalls im Handumdrehen ausräumen. 624 solcher Fälle gab es im vergangenen Jahr, fast doppelt so viele wie in der vorangegangenen Statistik.

26 Mal wurden Geldautomaten gesprengt. Eine konstante Zahl, obwohl spektakuläre Festnahmen von Banden glückten. Der klassische Banküberfall ist tot, schätzte Mörke ein. Das Sprengen von Automaten sei inzwischen viel einfacher. Gestiegen ist auch die Zahl der Drogentoten. 30 Brandenburger starben durch Drogen. Es ist die höchste registrierte Zahl.

In den 24 Gemeinden entlang der polnischen Grenze wurden 17 766 Straftaten registriert. Das waren fast 2000 weniger als 2016 und 7000 weniger als im Jahr 2008. Städte wie Schwedt verzeichneten 2017 zwölf  Prozent weniger Straftaten, Frankfurt (Oder) neun Prozent weniger, Guben ganze 25 Prozent und Forst 19,4 Prozent.

Nur in Eisenhüttenstadt  wurden 24 Prozent mehr Straftaten begangen. Bürgermeister Frank Balzer (SPD) kann sich diese Zahl nicht erklären. Die Situation in der Stadt habe sich im vergangenen Jahr nicht verändert. Das Innenministerium hielt dagegen und verwies auf steigende Zahlen bei Einbrüchen in Keller und Dachböden und auf mehr Ladendiebstähle. Auch beim Autoklau gab es im Gegensatz zu anderen Städten in Eisenhüttenstadt keinen Rückgang.

Insgesamt wurden 353 Pkw im vergangenen Jahr in der Grenzregion entwendet (im Jahr zuvor waren es 446). Ein Schaden von mehr als 17 Millionen Euro entstand auf diese Weise. Schwerpunkt des Autoklaus ist neben Eisenhüttenstadt nach wie vor Frankfurt, wo 148 Wagen verschwanden.

Noch ein Blick auf die Straftäter. 66 642 Tatverdächtige ermittelte die Polizei. Rund 50 000 davon waren männlich. 2893 Kinder waren tatverdächtig, 5814 Jugendliche und 4837 Heranwachsende.

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