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Stadtgeschichte
Auf Spurensuche mit Zeitzeugen

Als früher alles anders war: Hans-Wolff Sprenkelmann erzählt den Schülern des Humboldt-Gymnasiums über die Explosion im ehemaligen Gaswerk von Eberswalde. Heike Scharpff (r.) vom Theaterkanal zeichnet das Gespräch für die Nachbereitung auf.
Als früher alles anders war: Hans-Wolff Sprenkelmann erzählt den Schülern des Humboldt-Gymnasiums über die Explosion im ehemaligen Gaswerk von Eberswalde. Heike Scharpff (r.) vom Theaterkanal zeichnet das Gespräch für die Nachbereitung auf. © Foto: MOZ/Christina Sleziona
Christina Sleziona / 17.03.2018, 06:00 Uhr
Eberswalde Wenn es um die Frage nach der Historie von Eberswalde geht, sind Zeitzeugen unentbehrlich. Aus diesem Grund haben sich die Schüler des Humboldt-Gymnasiums für „Tatort Lücke“ auf die Spur nach Senioren gemacht, um mit ihnen Geschichtslücken zu füllen.

Nach wochenlanger Vorbereitung steht nun fest, nach welchen Lücken der Stadtgeschichte nachgefragt und anschließend bespielt werden sollen: Aus den zwölf nominierten Orten fiel die Wahl auf Mühlenteich, Kaiserbad, Rennbahn, Gaswerk, Ungarnspielplatz und Goethestraße 23B.

Die eingeladenen Senioren sind den Schülern bereits bekannt. Mehrmals besuchten sie verschiedene Seniorenheime. Genauere Details werden jedoch erst im Museum Eberswalde besprochen. Diese Woche zu Gast waren Hans-Wolff Sprenkelmann (73) und das Ehepaar Gerhard (87) und Marianne Laß (83), die offenherzig über ihre Erlebnisse an diesen Orten berichteten.

Besonders gern erinnerte sich Marianne Laß an ihre Jugendzeit am Weidendamm zurück. Das frühere Vergnügungsviertel hatte jedoch bereits in den 50er-Jahren kaum noch etwas mit den Bädern der Kaiserzeit gemein. Marianne Laß kennt das ehemalige Kaiserbad nur noch als „Haus der Einheit“, in der sie gern mit ihren Freundinnen am Wochenende tanzen ging.

Spannend wie in einem Kriminalroman wurde es bei der Nachfrage der Schüler zum ehemaligen Gaswerk im heutigen Finowkanalpark, in dem 1972 bei einer Explosion zwei Arbeiter ums Leben kamen. „Man kann von Glück reden, dass es nur zwei Tote waren“, gab Hans-Wolff Sprenkelmann zu bedenken. Der studierte Elektroingenieur hätte an dem Abend am angrenzenden Speisesaal vor 25 Teilnehmern unterrichten müssen, er fiel jedoch wegen Krankheit aus. „Wie der Zufall so will, hatte meine Vertretung eine Exkursion angeordnet. Dadurch kamen nicht mehr Menschen ums Leben“, erzählt er erleichtert. Nach der Explosion wurde das Gaswerk stillgelegt. Laut Sprenkelmann habe die Stasi den Vorfall als Sabotage gewertet. Er selbst gehe aber von Fehlern bei den Schutzmaßnahmen aus, wodurch das Gas aus kleinen Lecks ausströmen und sich entzünden konnte.

So interessant die Geschichten von den Teilnehmern auch empfunden werden, so anstrengend scheint es für die Kinder, den Erzählungen zu folgen. Geschichtslehrerin Doreen Hauer ist dennoch zufrieden. „Neben dem Lehrbuchwissen in der Schule können wir hier praktisch an das Fach Geschichte herangehen“, betont sie. Auch die Gäste sind  froh, ihr Wissen weiterzugeben. So auch Marianna Laß, die sich gern mit der Stadtgeschichte auseinandersetzt.

Für die Vertreter des Kanaltheaters Heike Scharpff und Katja Kettner ist es ein ebenso lohnenswerter Abend. Sie haben sich für die nächsten Theaterstücke inspirieren können und werden auch weiterhin mit den Senioren in Kontakt bleiben.

Mit Tatort Lücke geht es am 23. März um 18 Uhr in der Goethestraße 23B weiter.

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