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Stichwahl
René Wilke zum neuen Oberbürgermeister gewählt

Thomas Gutke, Heinz Kannenberg / 18.03.2018, 21:54 Uhr - Aktualisiert 19.03.2018, 11:37
Frankfurt (Oder) (MOZ) Eindeutiger Sieg in der Stichwahl: René Wilke (Linke/Grüne) wird nächster Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt. Mit 62,5 Prozent ließ er Amtsinhaber Martin Wilke (parteilos), der auf 37,5 Prozent kam, klar hinter sich. Er ist der erste linke Oberbürgermeister der Stadt und im Land Brandenburg seit der Wende. Und mit 33 Jahren der jüngste, den Frankfurt je hatte.

Wilke gegen Wilke: Am 18. März 2018 kam es zur Stichwahl zwischen Amtsinhaber Martin Wilke und seinem Herausforderer René Wilke von der Partei Die Linke/Bündnis Grüne. Am Ende machte der 33-jährige René Wilke mit über 62 Prozent das Rennen.
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OB-Stichwahl: René Wilke wird neuer Amtsinhaber

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Ungläubig blickte René Wilke auf die Leinwand im Eiscafé Bellini, als die ersten Auszählungsstände veröffentlicht wurden. Nach drei Stimmbezirken führte er mit 61,4 Prozent der Stimmen deutlich vor Martin Wilke mit 38,6 Prozent. Bereits da gratulierten ihm die ersten Anhänger zum Sieg. Doch der Landtagsabgeordnete der Linken ließ sich noch nicht zu einem vorzeitigen Jubel hinreißen. Erst im Laufe des Abends wurde die Stimmung auch bei ihm gelöster und ausgelassener. Denn an der ersten Tendenz sollte sich bis zum vorläufigen Endergebnis nicht mehr viel ändern. Die zeitweilig größte Sorge, dass die Wahl René Wilkes noch am Quorum scheitern könnte, hatte sich spätestens gegen 18.33 Uhr in Luft aufgelöst. Da übersprang er die Mindeststimmzahl von 7286. Am Ende lag er mit 11 332 Stimmen deutlich über den erforderlichen 15 Prozent aller Wählerstimmen. Das waren nochmal 1827 Stimmen mehr als vor zwei Wochen. Sein Kontrahent Martin Wilke holte 6803 Stimmen – 2370 Stimmen mehr als im ersten Wahlgang. Bei seinem Wahlsieg vor acht Jahren hatte der Booßener 11 970 Stimmen (59,5 Prozent) auf sich vereinen können.

Die Beteiligung an der Stichwahl fiel mit 37,7 Prozent erwartungsgemäß deutlich niedriger aus als noch im ersten Wahlgang. Insgesamt wurden 18 135 gültige Stimmen abgegeben. Vor zwei Wochen waren es 21 879  und 45,5 Prozent Wahlbeteiligung. Zum Vergleich: Vor acht Jahren gingen 20 352 Frankfurter zur Wahl, die Beteiligung lag bei 39,5 Prozent, allerdings gab es damals auch knapp 3000 Wahlberechtigte mehr.

René Wilke wird der erste Oberbürgermeister der Oderstadt und im Land Brandenburg mit linkem Parteibuch seit der Wende. Genau aus diesem Grund ließ es sich auch die Spitze der Bundes- und Landespartei nicht nehmen, dem jungen Politiker persönlich zu gratulieren. Gespannt verfolgte beispielsweise Bernd Riexinger, einer der beiden Bundesvorsitzenden der Linken, den Wahlabend live vor Ort in Frankfurt. Denn allzu viele ostdeutsche Städte mit einem linken OB gibt es nicht, sie lassen sich mit Halberstadt (Sachsen-Anhalt) oder Eisenach (Thüringen) an einer Hand abzählen. Und er überreichte René Wilke als ein symbolisches Geschenk eine Schaufel „zum Zuschütten der Gräben, die sich vor und während des Wahlkampfes in Frankfurt aufgetan haben“. Zugleich lobte er den engagierten Wahlkampf des 33-Jährigen. „Davon können wir als Bundespartei viel lernen“, sagte Bernd Riexinger.

René Wilke traf dann gegen 19.15 Uhr mit großem Tross im dicht gefüllten Rathausfoyer ein. In seiner Begleitung war neben Riexinger auch Landesprominenz der Linken mit Fraktionschef Ralf Christoffers und Justizminister Stefan Ludwig.  Ein sichtlich bewegter René Wilke, der sich wenig später mit seiner Mutter in den Armen lag, freute sich im Rathausfoyer, wo sich Vertreter aller Parteien und Fraktionen versammelt hatten, über das tolle Ergebnis. Er sehe darin zugleich eine Verpflichtung, sich nach der Amtseinführung gleich an die Arbeit zu machen, um mit den Bürgern die Stadt zu gestalten. Dem Amtsinhaber zollte er Respekt: „OB Martin Wilke hat sich in seiner Amtszeit verdient um die Stadt gemacht.“ Der amtierende OB Martin Wilke gratulierte seinem Herausforderer beim Eintreffen im Rathaus als erster. An René Wilke gerichtet sagte er: „Ich wünsche Ihnen für die nächsten acht Jahre eine gute Hand für die Stadt.“

Bernd Riexinger sieht in der Wahl von René Wilke zum OB ein Signal über Frankfurt hinaus. „Nicht nur die Rechten können im Osten bei Wahlen erfolgreich sein. Diese OB-Wahl in Frankfurt zeigt, dass es mit einem bürgernahen Kandidaten möglich ist, links von der Mitte Wahlen zu gewinnen.“  Und Ralf Christoffers ergänzte, dass Frankfurt nach dem Wahlkampf einen Neuanfang braucht. „René Wilke wird ein guter Oberbürgermeister“, prophezeite er. Die Linken hatten Christoffers 2014 bei der Wahl zum Fraktionschef im Landtag den Vorzug gegenüber René Wilke gegeben.

Alena Karaschinski (Bündnis90/Die Grünen), die mit ihrer Partei Teil des Unterstützerbündnisses für den Kandidaten René Wilke war, freute sich, dass die Frankfurter sich für einen Aufbruch entschieden haben. „Trotz teilweise unschönen Methoden im Wahlkampf, werden wir jetzt alle miteinander ins Gespräch kommen müssen über die Zukunft Frankfurts und wie Frankfurt besser geht“, betonte sie.

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Norbert Wesenberg 21.03.2018 - 10:03:28

@ harald woitke

Na da liegen wir ja nun endlich auf der gleichen Linie, das "Frankfurt zweifellos besser geht". Also warten wir ab, was René Wilke als OB zum Positiven der Stadt wenden kann. Wenn nicht, dann haben wir für acht Jahre einen weiteren Looser an der Backe. Das Gute daran ist, die Desillusionierung der Partei Die Linke. Das Schlechte: weitere verlorene acht Jahre. So lange wie im Rathaus jeder gegen jeden kämpft, wird sich auch kaum daran etwas ändern.

harald woitke 21.03.2018 - 09:33:32

@Norbert Wesenberg

Volle Zustimmung. Macht ist geil. Danach ringen auch die Linken mit allen Mitteln. Ideologie frisst auch bei Linken Hirn. Ohne Filz und Netzwerke kommen auch Linken nicht an die Macht. Charakter und Moral beweisen sich in der Führungsverantwortung. Bisher versagte , bzw. enttäuschte die Linke überall dort , wo sie diese anvertraut bekam. Trotzdem bleibe ich bei der Meinung, Frankfurt geht wirklich besser und die Linke hat in Frankfurt ihre Chance verdient.

Norbert Wesenberg 21.03.2018 - 07:14:55

@ harald woitke

Wie man Wahlergebnisse auch interpretieren kann, beweist Die Linke bei dem von ihr initiierten und gescheiterten Abwahlversuch der Bad Saarower Bürgermeisterin. Dazu genügt ein Blick in die Kommentare der Fürstenwalder MOZ Lokalausgabe zum Artikel "Aufrufe zu konstruktiver Arbeit", vom 19.03.18.

Rolf Lustig 19.03.2018 - 11:24:24

Vergleich

2010 lag die Wahlbeteiligung bei 39,51%, M.Wilke gewann damals mit 59,45%. Soviel dazu...

harald woitke 19.03.2018 - 10:35:19

@Norbert Wesenberg

Nein. 1. Es unterlag ein angeblich "parteiloser" Kandidat. Daraus ergibt sich eher, dass die Wähler "parteilosen Kandidaten" auch nicht (mehr) trauen. 2.Für den "parteilosen" Dr. Wilke galt selbiges vor knapp 8 Jahren. Vielleicht wurde er damals auch "nur" gewählt, weil viele Wähler den SPD,CDU,FDP,.. unterstützten Kandidaten wollten. 3.Vielleicht gingen auch nicht mehr Wahlberechtigte an die Wahlurne, weil Sie wussten, dass der Kandidat R.Wilke sicher siegt? Oder, weil sie Dr. Wilke nicht wollten? 4.Letztendlich wertet jeder Nichtwähler die Stimme eines Wählers auf. Insofern hatte jeder Wähler das Gewicht von fast 3 Wählern. Der Zusammenhang ist in unserer Demokratie bekannt. Ich vertraue anderen Wählern für mich mitzuentscheiden! 4. Der nach demokratischen Prinzipien festgestellte mehrheitliche Wille hat Dr. Wilke abgewählt und R.Wilke gewählt. 5. Es kann so einfach sein!

Norbert Wesenberg 19.03.2018 - 09:34:05

@ harald woitke

Um Ihre "Verwirrung" komplett zu machen, wollte ich lediglich zum Ausdruck bringen, dass offenbar eine Mehrheit der Frankfurter weder dem Einen, noch dem anderen Kandidaten zutrauen, die Situation der Stadt zum Positiven bewegen zu können; oder desinteressiert und desillusioniert innerlich den Parteien bereits gekündigt haben. Alles nun klar?

harald woitke 19.03.2018 - 08:09:59

@Norbert Wesenberg

"Das Votum der Wähler bei der Stichwahl als mehrheitlichen Willen der Frankfurter zu interpretieren wäre vermessen, wenn nicht mal die Hälfte der Wähler ihre Stimme abgegeben haben.Und so haben die Frankfurter letzlich das bekommen, was sie verdient haben. Einen nicht von allen Wahlberechtigten gewählten OB." Mein Gott Herr Wesenberg, was hat Sie denn verwirrt? zeige Sie mir die Demokratie, welche einen " von allen Wahlberechtigten gewählten" OB präsentieren kann. Dies hätte man sich ja nicht einmal zu DDR-Zeiten angemaßt. Im übrigen wurden Dr. Wilke und alle seine Vorgänger, nach 1990, auch nicht von allen Wahlberechtigten bzw. auch nur der Mehrheit aller Wahlberechtigten gewählt. Was soll dieser unsachliche Diskurs?

Norbert Wesenberg 19.03.2018 - 07:08:55

Für Euphorie nach der Wahl von René Wilke zum OB gibt es keinen Anlass

Dazu ist die Situation der Stadt zu ernst. Der neue OB hat seine Chance und man wird sehen, was er daraus macht, bzw. entsprechend den Möglichkeiten, machen kann. Natürlich wünscht man ihm im Interesse der Stadt und seinen Bürgern dabei eine glückliche Hand. Man wird sehen, was er bewirken kann. Aber auch mit einer roten Schippe kann man sich sein eigenes Grab schaufeln. Das Votum der Wähler bei der Stichwahl als mehrheitlichen Willen der Frankfurter zu interpretieren wäre vermessen, wenn nicht mal die Hälfte der Wähler ihre Stimme abgegeben haben. Und so haben die Frankfurter letztlich das bekommen, was sie verdient haben. Einen nicht von allen Wahlberechtigten gewählten OB.

Roland Totzauer 19.03.2018 - 01:50:14

Katastrophale Bilanz von OB M.Wilke

Die acht OB-Jahre des Martin Wilke betrachte ich für Frankfurt (Oder) als verlorene Jahre. Seine haushalterische Bilanz ist unterm Strich katastrophal. Angesichts der verheerenden Art und Weise, wie Martin Wilke hier im Frankfurter Rathaus Politik gemacht hat, sah ich nur die Chance, ihn loszuwerden, indem ich Rene Wilke bei der Stichwahl wählte. Seit 1990 habe ich noch nie meine Wählerstimme einem Politiker der Linkspartei gegeben. Ich hoffe, dass dies eine einmalige Situation bleibt. Den Lobby-Männern und -Frauen aus den anderen Parteien und Interessenbünden, die Martin Wilke unterstützten, sagt die Wählermehrheit vom 18.03.2018 ganz deutlich: Macht endlich wieder seriöse Stadt-Politik mit seriösen Stadt-Politikern. Nur so bekommt ihr auch wieder Mehrheiten! Nur dafür gebe ich meine Wählerstimme her!

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