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Hobrechtsfelder Gut und Berliner Forsten greifen zu Sicherheitsvorkehrungen / Führungen und Angebote zur Aufklärung der Besucher geplant

Kriminalität
Gestörte Idylle auf den Wildpferdeweiden

Koniks leben frei im Naturpark Barnim: Mit Führungen auf die Weiden wollen Antonia Gerke und Guts-Betriebsleiter Thomas Schuler aufklären und vermeiden, dass die Wildpferde vermenschlichen. Sie sorgen für den Erhalt der halboffenen Weidelandschaft und leben in Herden frei auf den Koppeln.
Koniks leben frei im Naturpark Barnim: Mit Führungen auf die Weiden wollen Antonia Gerke und Guts-Betriebsleiter Thomas Schuler aufklären und vermeiden, dass die Wildpferde vermenschlichen. Sie sorgen für den Erhalt der halboffenen Weidelandschaft und leben in Herden frei auf den Koppeln. © Foto: Sergej Scheibe
Andrea Linne / 23.03.2018, 06:00 Uhr - Aktualisiert 26.03.2018, 12:03
Hobrechtsfelde (MOZ) Eine Wärmebildkamera brachte das Unfassbare ans Tageslicht. Unbekannte ließen sich von Wildpferden auf den Koppeln des Naturparks Barnim sexuell befriedigen. Gut Hobrechtsfelde und Antonia Gerke, die mit den Berliner Forsten kooperiert, wollen nun mit Aufklärung und Führungen gegensteuern.Auch die Polizei ist informiert.

Das eigentliche Problem liegt für den Betriebsleiter der Agrar GmbH Gut Hobrechtsfelde darin, dass die Wildpferde durch die vielen Besucher, die einfach den Abstand nicht wahren können, zutraulich geworden sind. Antonia Gerke, die auf dem Gut eine Ponyherde betreut und sich als Tierpsychologin sehr intensiv mit der Wildpferderasse der Koniks beschäftigt hat, ergänzt, dass die Vermenschlichung von Tieren die Freilandhaltung der Herden konterkariert.

Auf den früheren Rieselfeldern im Naturpark Barnim realisiert die Agrar GmbH ein einzigartiges Weideprojekt. 135 Galloway- und Highland-Rinder, einige Wasserbüffel und inzwischen 55 Koniks und drei Mulis fressen sich über etwa tausend Hektar Fläche. Sie leben in Herden, halten die Weiden kurz und ermöglichen so eine halboffene Weidelandschaft mit einzigartiger Vogel- und Insektenwelt. „Die Pferde sind unsere Landschaftspfleger“, macht der 40-jährige Betriebsleiter klar, der seit gut einem Jahr vor Ort die Geschicke des Gutes führt.

„Es gibt übergriffige Besucher“, erzählen Schuler und Gerke. Einige würden sich unter die Wildpferde setzen und picknicken, Eltern hielten Kinder nicht fern, als könnten sie mit den Tieren Freundschaft schließen. „Das ist naiv, es besteht darin eine große Gefahr“, führt die 43-Jährige von der Pferdekultur Gut Hobrechtsfelde aus. „Ein Pferd ist ein Flucht-, Steppen- und Herdentier. Junge Stuten haben in der Herde die Aufgabe, Gefahren abzuwehren und Feinde zu vertreiben. Dazu schlagen sie mit Vorderhufen aus. Hengste schützen die Stuten, die Leitstute führt zum Wasser oder Futter. Alle haben eine Aufgabe, das Leben ist frei und so nah an den Lebensbedingungen der Wildtiere, wie es nur geht.“ Falsch verstandene Tierliebe, weil Hufe nicht beschnitten seien oder Pferde sich zum Schlafen niederlegen würden, ufere dann in Rettungsanrufen beim Veterinäramt aus.

Davon weiß auch Schuler zu berichten. „Die Tiere bewegen sich frei über die Weiden. Es geht ihnen viel besser als jedem anderen Pferd in irgendeinem Stall“, macht der gebürtige Ulmer deutlich. Doch darüber müsse jetzt eben noch mehr aufgeklärt werden als bisher.

Mit den Berliner Forsten als Eigentümerin der Flächen wurde daher verabredet, Besuchergruppen über die Weiden zu führen. Überall werden Piktogramme hängen, die auf die Verhaltensregeln mit Wildtieren hinweisen. Dazu zählen ein Mindestabstand von 25 Metern, das Respektieren der Rückzugsräume von Rindern und Pferden, das Anleinen von Hunden und ein striktes Fütterungsverbot. Wege dürfen nicht verlassen werden. „Es geht einfach nicht, dass die Nordic-Walker mit ihren Stöcken quer durch eine Pferdeherde marschieren“, ärgert sich der Betriebsleiter. Künftig wolle die GmbH auch zu strikten Sicherheitsabsperrungen greifen. „Dann sind die Gatter eben einfach mal mehrere Tage dicht“, macht der Betriebsleiter deutlich. Er sagt: „Wir müssen die Besucher erziehen. Sie können alles beobachten, alles wissen, aber die Wildtiere nicht berühren.“

„Die Tiere sollen bestmöglich frei leben“, beschreibt Antonia Gerke das gemeinsame Ansinnen. Auch Schulklassen haben dann die Möglichkeit, das Pferd als Landschaftspfleger zu erkunden und in den Wald zu ziehen. Damit wird außerdem auch die Waldschule in Buch entlastet.

Daher können sich ab 2. April an jedem ersten Montag im Monat um 16 Uhr Interessierte zu ethologischen Führungen anmelden. Treff ist die Scheune am Speicher in Hobrechtsfelde. Unter Telefon 0175 7604416 lassen sich Termine vereinbaren.

Hintergrund

In Hobrechtsfelde gab es Vorfälle von Zoophilie und Sodomie. Diese widersprechen dem Tierschutzgesetz.

■ Die Zoophilie beschreibt Liebe zum Tier , die auch ohne sexuelle Implikation auskommt. In einigen Ländern wie Dänemark und Norwegen ist das erlaubt. Am Ende dienen aber auch alle Praktiken der Zoophilie der sexuellen Befriedigung mit dem Tier. Zoophilie gilt als Ordnungswidrigkeit in Deutschland und wird mit Strafen in Höhe bis zu 25 000 Euro geahndet.

■ Sodomie ist strafbar und beschreibt den sexuellen Umgang mit Tieren. Im Mittelalter wurden darunter alle Praktiken erfasst, die generell als pervers galten.

■ Der Beschluss zum Verbot von Sodomie trat in Deutschland 2013 inkraft. Seitdem ist es untersagt, ein Tier für  sexuelle Handlungen zu nutzen oder für sexuelle Handlungen Dritter abzurichten oder die Tiere zu artwidrigem Verhalten zu zwingen.

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