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In der Magistrale wird ab Juli für rund 2,4 Millionen Euro ein barrierefreies Projekt umgesetzt

Verkehr
Neue Zentralhaltestelle entsteht

Gefährlich: Derzeit müssen Fahrgäste in der Karl-Marx-Straße zum Ein- und Aussteigen die Fahrbahn betreten.
Gefährlich: Derzeit müssen Fahrgäste in der Karl-Marx-Straße zum Ein- und Aussteigen die Fahrbahn betreten. © Foto: René Matschkowiak
Sonja Jenning / 28.03.2018, 20:19 Uhr - Aktualisiert 29.03.2018, 09:48
Frankfurt (MOZ) Es wird das teuerste und umfangreichste Bauprojekt des Sommers: Die Errichtung der neuen, barrierefreien Zentralhaltestelle in der Magistrale für Straßenbahnen und Busse. Die Kosten werden komplett aus Fördermitteln finanziert, die Bauarbeiten erfolgen unter Vollsperrung.

Wenn Andreas Rein, Projekt- und Flächenmanager in der Stadtverwaltung, von der neuen Zentral-haltestelle in der Magistrale spricht, gerät er fast ein bisschen ins Schwärmen. Sie werde „die modernste Haltestelle der Stadt“, die allen Erfordernissen von der Barrierefreiheit bis zur Bündelung des städtischen und überregionalen Bus- und Straßenbahnverkehrs entspreche und somit „zukunftsweisend für den ÖPNV“ sei. Der Neubau sei ein Schritt zur Umsetzung des im Vorjahr von den Stadtverordneten beschlossenen Nahverkehrsplans, der eine Prioritätenliste für den barrierefreien Aus- und Umbau von Haltestellen enthält, auf der die Haltestelle Magistrale an oberster Stelle steht.

Da es bundesweit keine Standards für den barrierefreien und behindertengerechten Ausbau von Haltestellen gibt, wurden diese für Frankfurt durch eine Arbeitsgruppe, bestehend aus Mitarbeitern der Stadtverwaltung und der Straßenverkehrsgesellschaft (SVF) sowie der Gleichstellungsbeauftragten, erarbeitet, berichtet Andreas Rein. Dazu gehören unter anderem stufenlose Verkehrswege zum Haltestellenbereich, Bordsteinabsenkungen auf drei Zentimeter, taktil erfassbare Gehwegbereiche und Leitstreifen, die blinden und sehbehinderten Menschen die Orientierung erlauben, ausreichende Beleuchtung, gut zugängliche und lesbare Fahrpläne sowie akustische Ansagen in den Fahrzeugen. In allen Bereichen weist die aktuelle Situation an den Haltestellen in der Karl-Marx-Straße Defizite auf. Die Straßenbahnhaltestelle ist nicht barrierefrei. Fahrgäste müssen auf dem Gehweg warten und zum Ein- und Aussteigen die Straße überqueren. Die Busse der Stadt- und Regionallinien halten zwar unmittelbar am Straßenrand sind aber bis zu 150 Meter voneinander sowie von der Straßenbahnhaltestelle entfernt. Ein Blindenleitsystem gibt es nicht.

An der neuen Zentralhaltestelle sollen alle sechs Einzelhaltestellen gebündelt werden. Sie entsteht im Bereich vor dem Modegeschäft New Yorker und kostet rund 2,4 Millionen Euro. Durch eine geschickte Kombination verschiedener Förderprogramm sei es gelungen, die Kosten zu 100 Prozent zu decken, betont Andreas Rein. Rund 1,8 Millionen Euro stammen aus dem kommunalen Infrastrukturprogramm des Landes Brandenburg, die Co-Finanzierung wird aus ÖPNV-Mitteln gedeckt. Das Geld muss allerdings noch in diesem Jahr verbaut werden. Baubeginn soll Anfang Juli, die Fertigstellung Mitte November sein. Die Arbeiten erfolgen unter Vollsperrung, lediglich Busse dürfen den Baustellenbereich passieren.

Der Ausbau betrifft einen rund 250 Meter langen Abschnitt der Magistrale zwischen Slubicer Straße und den Häusern Karl-Marx-Straße 15/16. Damit sich Busse und Straßenbahnen im Gegenverkehr nicht berühren, werden die Gleise auseinandergezogen. Die Haltestelle selbst ist 48 Meter lang, so dass ein Bus (18 Meter) und eine Niederflurbahn (30 Meter) zum Umsteigen hintereinander halten können. Für die Fahrgäste gibt es zwei Warteinseln, die barrierefrei und über Leitsysteme erreichbar sind. Dafür wird die Fahrbahn im Haltestellenbereich um zehn Zentimeter angehoben, so dass die Autofahrer über eine Rampe fahren.

„Es ist ein komplexes Bauvorhaben, dass allen Beteiligten eine Menge abverlangt“, bringt es Andreas Rein auf den Punkt und fügt hinzu: „Um eine schnelle Baudurchführung zu realisieren, wollen wir alle gesetzlichen Möglichkeiten ausschöpfen.“ Das heißt, gearbeitet wird im Zwei-Schicht-System und am Sonnabend bis zum Mittag. Aufgrund mittelalterlicher Kellergewölbe im Bereich der Magistrale ist eine archäologische Begleitung der Tiefbaumaßnahme notwendig. Das bedeutet: Sollten Befunde auftreten, die untersucht und dokumentiert werden müssen, kann es zu einem vorübergehenden Baustillstand kommen.

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