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Porträt
Atelier im einstigen Kuhstall

Mit Flacheisen: Roland Rother erstellt das Sommerbild des Brunnensteins für die Eisenhüttenstädter Zisterne.
Mit Flacheisen: Roland Rother erstellt das Sommerbild des Brunnensteins für die Eisenhüttenstädter Zisterne. © Foto: Cornelia Link-Adam
Cornelia Link-Adam / 06.04.2018, 08:15 Uhr
Wilmersdorf Wilmersdorf. Zu Hause in … lautet der Titel unserer Serie, in der Menschen aus der Region vorgestellt werden. Das können Frauen und Männer sein, die schon immer hier leben oder hier ihre Wahlheimat gefunden haben. Heute: Roland Rother aus Wilmersdorf.

Endlich scheint die Sonne. Endlich, das sagt auch Roland Rother. Mit seinem Flacheisen schlägt er gekonnt in den Sandstein. Nach und nach legt er florale Zeichen frei, die aber auch Körper darstellen. Ein zweiter Blick lohnt immer bei dem Bildhauer, das weiß er. Aktuell erneuert der 74-Jährige für Eisenhüttenstadt den Brunnenstein, der unter der Zisterne im 6. Wohnkomplex stehen soll. Das alte Modell, ebenfalls aus Sandstein, war zu porös, auch ausgeschlagen. Nicht mehr zu retten. Nun kam per Lastwagen ein neuer 2,5 Tonnen schwerer Stein, an deren Seiten er alle vier Jahreszeiten-Reliefs wieder anbringen wird. Per Handarbeit. „Leider bin ich wegen des langen Winters schon in Verzug, kann jetzt endlich draußen arbeiten“, sagt Roland Rother. Gern erinnert er sich auch noch daran, wie er als Künstlerischer Leiter das Kunstwerk 1986 für die Stahlstadt gebaut hat. „Da gab es dahinter noch viele Plattenbauten, die längst einem Park gewichen sind.“ Oft hätten Kinder auf dem Kunstwerk geturnt, auch die Witterung tat ihr übriges. Nun muss alles restauriert werden. Den Hügel für die Original-Zisterne aus Metall legte damals die EKO-Brigade an. Metertief gingen die Fundamente für die Mauern und Stützen. „Die Jungs konnten alles, arbeiten mit Kran und Schaufeln, selbst in der Dunkelheit mit Scheinwerfern.“ Zum Frühjahr sollte es fertig sein „und das wurde es“.

Es ist für Eisenhüttenstadt nicht das einzige Skulptur, die Roland Rother erschaffen hat. „Mein großes Liebespaar wurde jüngst von der Insel  vor das Friedrich-Wolff-Theater umgesetzt“, erzählt er. Auch von vielen Skulpturen im öffentlichen Raum in Frankfurt und Beeskow berichtet er. Die im Volksmund „dicke Frauen“ genannte Skulptur vor der Postfiliale in Briesen stammt ebenfalls von ihm. Läuft man durch seinen weitläufigen Garten, kommt man an vier Wächtern aus Stahl vorbei, ebenso einem Oval, an dem man mit Steinschlägen sogar Musik erzeugen kann. „Diese Dinge sind vor Jahren bei einem Symposium in Ratzdorf entstanden“, erinnert er sich. Einige kleinere Modelle hat er noch bei sich in der Galerie stehen. Ebenso Ideen, die dann nicht umgesetzt wurden. Wie die Modelle zur Brunnenplastik am Marktplatz und die neun bunten Ortseingangsfiguren in der Spreestadt. „Fürstenwalde wollte leider nie was von mir“, sagt Rother. Er habe gelernt, mit Absagen umzugehen. Eher richte er seinen Blick nach vorn.

In Wilmersdorf lebt er schon seit den 1970er Jahren. Da war das Areal noch LPG-Gelände, standen 32 Kühe nebenan im Stall. Als diese in den 1980er Jahren nach Alt Madlitz umsiedelten, wurde das Grundstück frei. Roland Rother kaufte es, lebt seither glücklich in der Abgeschiedenheit. Schließlich erfreue er sich an der Ruhe, auch vielen Vögeln und Bibern in der Nachbarschaft.„Aus der Natur ziehe ich immer meine Inspirationen“, sagt Rother. An seiner Seite hat er Ehefrau Rita, verheiratet sind sie schon seit mehr als 50 Jahren. Die Tochter lebt längst mit eigener Familie und zwei Kindern in Berlin.

Roland Rother hängt sehr an seiner Idylle. „Alles, was ich als Bildhauer geschaffen habe, entstand hier“, sagt er. Dabei hat er einst Maler und Lackierer gelernt, später an der Kunsthochschule in Berlin-Weißensee studiert. Sein Atelier hatte er jahrelang in Frankfurt. Mit der Wende war das vorbei. Seither kümmert er sich nur noch in Wilmersdorf um seine Kunst. Seine letzte Ausstellung hat er 2004 in Frankfurt gezeigt. „Nächstes Jahr, mit 75, würde ich schon nochmal gern eine machen. Ist nur die Frage, wer mich will.“ Wer sich sein Grundstück und das Atelier ansehen will, kann dies nach Anmeldung tun.

Kontakt-Tel. 033607 3136.

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