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Hortkinder aus Heinersdorf gestalten unter Leitung von Manuela Mosters Storchenturm mit Töpferware / Schlüsselübergabe am Freitag

Storchenturm
Briefkasten für Rotschnäbel

Annemarie Diehr / 08.04.2018, 07:00 Uhr
Heinersdorf (MOZ) Seit vielen Jahren ziehen Störche auf dem Heizturm in Heinersdorf, unweit der Ortsdurchfahrt, ihren Nachwuchs groß. In diesem Jahr erwartete den Rotschnabel bei seiner Rückkehr aus dem Süden ein besonders verzierter Nestunterbau.

Charlotte (10) findet ihn einfach schön, Tyler (10) mag die Federn und Mira (7) hat sein Zuhause sogar mit Farben bemalt. Die Kinder vom Heinersdorfer Hort „Die pfiffigen Kobolde“ haben sich in den vergangenen Monaten ausgiebig mit dem Storch beschäftigt – bis er höchstpersönlich in seinem angestammten Nest Platz nahm.

„Am 24. März, wir haben gerade die Fenster angeschraubt und die letzten Malerarbeiten erledigt“, sagt Hortleiterin Manuela Mosters, „da klapperte der erste Storch in seinem Nest.“ Fenster angeschraubt? Malerarbeiten erledigt? Zu einem Rund geformte Äste sind längst nicht die einzigen Ausstattungselemente der Storchen-Unterkunft. Den hoch aufragenden Turm, rechter Hand hinter dem Ortseingang aus Richtung Müncheberg, hat Manuela Mosters mit Hilfe ihrer Hortkinder zu einem „Winterquartier“ umgestaltet, das auch während seiner Abwesenheit an den Storch erinnert.

Eine Uhr, Blumenkästen, ein Duschkopf, eine Waschmaschinenfront und ganz viele Störche aus Farbe und Keramik zieren den meterhohen Turm, der einst zu einem Heizhaus gehörte und wahrscheinlich seit 1982 von nistenden Störchen bevölkert wird. „Ursprünglich“, hat Manuela Mosters ihren Schützlingen erklärt, „bauten Störche ihre Nester auf Bäumen. Erst seit der menschlichen Besiedlung nisten sie in Dörfern auf Dächern und Schornsteinen.“

Das Heinersdorfer Storchenpaar ist längst komplett; die feierliche Eröffnung des Turms inklusive symbolischer Schlüsselübergabe an die Hausherren begleiteten die Tiere am Freitag mit lautstarkem Schnabelklappern. „Damit kündigen sie die Geburt eines Kindes an“, sagt die Hortleiterin schmunzelnd. Die neunjährige Lara steckt den Hausherren den Schlüssel zu ihrem Winterquartier in den gelben Briefkasten. „Adebar“ steht auf der Annahmestelle für Kinderwünsche. „Den Briefkasten sowie Herz und Storchenkopf an der Eingangstür haben wir erst gestern angebracht“, erzählt Mosters, die sich mehr als drei Jahre lang für die Umsetzung ihrer Idee eingesetzt hat.

Sofort begeistert von ihrem Vorhaben war Sirko Müller, Eigentümer des Grundstücks. Er hat den Turm nicht nur eingerüstet, mit einem Hochdruckreiniger von Schmutz befreit und gestrichen, sondern auch den Hauptteil der dabei angefallenen Kosten übernommen. Feuerwehrmann Ronny Schäper befreite das Nest nach Abflug der Störche im vergangenen Jahr von Mist und Manuela Mosters feilte an der Einrichtung des Quartiers.

„Ich habe geholfen, die Töpfersachen zu bemalen“, meldet sich die siebenjährige Mira zu Wort. Im Heinersdorfer Töpferstübchen unter Leitung von Jane Gersdorf gestalteten die Hortkinder Störche und Kacheln aus Ton. „Holzkünstler Wolfgang Ammer baute die Tür und die Fensterrahmen“, ergänzt Manuela Mosters.

„Es ist keine Kunst, aber lustig“, lautet ihre Zusammenfassung trocken. Doch man merkt, hinter der Absicht, den Storchenturm durch seine auffällige Hülle Durchreisenden sichtbarer zu machen, steckt ein echter Herzenswunsch. 2013, sagt die Pädagogin, brachte der Storch kein Glück: alle drei Jungstörche seien verendet. Dahinter, vermuteten die Heinersdorfer, habe der viele Schmutz im Storchennest gesteckt, der zu einem Nässestau geführt habe. „Also wurde beschlossen, das Nest zu sanieren. Als ich davon hörte, begann ich mir Gedanken über die Gestaltung des unansehnlichen Turms zu machen.“

Lutz Ittermann von der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Oder-Spree wurde in die Planung involviert. Gegen die farbenfrohe Gestaltung des Turms gab es aus seiner Sicht nichts einzuwenden – der Storch würde sich von der Renovierung seines Nistplatzes nicht abschrecken lassen und wiederkehren, so die Vermutung des Fachmanns.

Und er hatte recht. Ob es sich um dieselben Tiere wie im vergangenen Jahr handelt, sei allerdings nicht sicher. „Die Störche sind nicht markiert“, sagt Lutz Ittermann. Das werde in Brandenburg, anders als in Mecklenburg-Vorpommern, nicht mehr gemacht. „Normalerweise aber kehren Brutstörche immer wieder in ihren Horst zurück.“

Fleißig bauen die Rotschnäbel bereits an ihrem Nest. Sylvia Wendt, der das Nachbargrundstück gehört, freut sich jedes Jahr auf das Schauspiel vor ihrem Fenster. Für die diesjährige Brutsaison ist die Heinersdorferin guter Dinge. „Gestern hat er sie schon begattet“, raunt sie durch das Kindergeplapper.

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