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Weltkriegsbombe entschärft
Blindgänger legt Frankfurter Innenstadt lahm

Thomas Gutke und Gitta Dietrich / 10.04.2018, 22:00 Uhr - Aktualisiert 11.04.2018, 18:53
Frankfurt (Oder) (MOZ) Im Stadtzentrum ist am Dienstagnachmittag eine Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden worden. Tausende Frankfurter nördlich der Rosa-Luxemburg-Straße mussten ihre Wohnungen verlassen. Der Blindgänger konnte erst nach Mitternacht entschärft werden.  

Am Nachmittag liefen bei der Stadtverwaltung und der Feuerwehr die Telefone heiß. Im nördlichen Teil des Lennéparks, an der Unterführung unterhalb des Schöpferdenkmals, waren Arbeiter gegen 14 Uhr auf eine verrostete Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg gestoßen – die Stadt lässt dort gerade den Brückenbereich mit der alten Grotte neu gestalten. Kurze Zeit später identifizierte der alarmierte Muni-tionsbergungsdienst den Fund als 50 Kilogramm schwere Sprengbombe deutscher Herkunft mit russischem Zünder, Marke SD 50. Spätestens jetzt war klar: der Weltkriegs-Blindgänger muss entschärft werden.

 

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Bei der Feuerwache in der Heinrich-Hildebrand-Straße trat daraufhin der in solchen Fällen obligatorische Einsatzstab zusammen. Nach langem Abwägen teilte dieser gegen 17.30 Uhr mit, die Bombe noch am Dienstagabend zu entschärfen. „Wir wollten den Überraschungsmoment nutzen und die Aufregung im Rahmen halten. Einen Tag später wäre der organisatorische Aufwand wegen etlicher öffentlicher Einrichtungen im Sperrkreis doch um einiges größer gewesen. Jetzt sind die Kitas, Arztpraxen und Straßen leer“, begründete der für Katastrophenschutz zuständige Dezernent Jens-Marcel-Ullrich die Entscheidung.

Um die von Mitarbeitern des Ordnungsamtes und der Polizei bewachte Fundstelle wurde ein 500 Meter Sperrkreis gezogen. Betroffen waren Tausende Frankfurter in mehr als 440 Gebäuden, darunter etliche Hochhäuser. Die Polizei sperrte die Rosa-Luxemburg-Straße und Straßenzüge nördlich davon ab, darunter die Karl-Marx-Straße ab Stadtbrücke bis zur Bergstraße sowie die Halbe Stadt bis zur Wieckestraße. Die Brücke über die Oder blieb offen, der Straßenverkehr wurde umgeleitet.

Um kurz nach 19 Uhr begann die Räumung. Neben Mitarbeitern des Ordnungsamtes und der Polizei halfen sämtliche Freiwilligen Feuerwehren der Stadt. Die Einsatzkräfte klingelten an Hunderten Haustüren und informierten in den Straßen über Lautsprecher. Der Stadtverkehr und soziale Träger stellten Busse und behindertengerechte Transporter bereit. Ausweichquartier war die Brandenburghalle im Sportzentrum. In der Konzerthalle, die ebenfalls im Sperrkreis lag, brach das Brandenburgische Staatsorchester seine Probe ab.

Zu den von den Evakuierung betroffenen Anwohnern gehörte unter anderem Marcel Riesler. „Ein Freund hat mir gerade Bescheid gegeben. Ich wohne im Hochhaus Halbe Stadt und werde die Nacht jetzt wohl bei einem Bekannten verbringen. Ändern kann man an der Situation ja eh nichts“, meinte er. Bei Klaus-Dieter und Rosa-Maria Voigt  klingelte es um kurz nach 20 Uhr. Sie wohnen in der Berliner Straße in der 13. Etage. „Die Feuerwehr Lichtenberg hat uns gesagt, dass wir das Haus verlassen sollen“, erzählte die Seniorin. Gemeinsam mit ihrem Mann wollte sie nun zum Gartengrundstück nach Müncheberg fahren. Mit dabei hatten sie einen Korb mit Essen und Trinken, „damit wir gut in den Schlaf kommen“. Am Karl-Ritter-Platz stieg Michał Mateusz mit seiner Frau und den vier kleinen Kindern um kurz nach halb neun in einen Bus der SVF zur Brandenburghalle. „Wir wissen noch nicht so richtig wo es hingeht, aber erstmal raus aus dem Sperrkreis“, meinte er.

Die meisten Anwohner kamen den Anweisungen der Ordnungskräfte ohne Diskussion nach. „Natürlich gibt es auch die eine oder andere Auseinandersetzung mit hartnäckigen Bürgern, die nicht aus ihrer  Wohnung wollen“, berichtete Ullrich später am Abend. Auch habe es Probleme mit Autofahrern gegeben, die versucht hätten, die Straßenabsperrung zu umgehen. „Insgesamt aber läuft die Evakuierung sehr geordnet ab.“ Erst um 23 Uhr verließen die letzten Frankfurter ihre Wohnungen und die Entschärfung konnte starten. Um 00.36 Uhr schließlich die gute Nachricht: Der Zünder wurde erfolgreich vom Kampfmittelbeseitigungsdienst unschädlich gemacht. Der Sperrkreis wurde sofort aufgehoben und die Betroffenen konnten zurück nach Hause.

 

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