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Neuzugang
Berlins neue U-Bahn kommt aus der Ofenstadt

In Berlin angekommen: Die erste neue U-Bahn wird voraussichtlich schon im Mai Fahrgäste auf der Linie U2 Pankow-Ruhleben transportieren.
In Berlin angekommen: Die erste neue U-Bahn wird voraussichtlich schon im Mai Fahrgäste auf der Linie U2 Pankow-Ruhleben transportieren. © Foto: BVG/Andreas Rother
Roland Becker / 12.04.2018, 19:45 Uhr - Aktualisiert 12.04.2018, 20:01
Velten/Berlin (MOZ) Die Berliner BVG schaut dieser Tage besonders aufmerksam nach Velten. Im dortigen Inbetriebnahmezentrum von Stadler wird gerade jeder Wagen der neuen U-Bahn-Generation für die Hauptstadt gecheckt und auf Testfahrt geschickt.

„Icke“ hat das Berliner Verkehrsunternehmen die Züge getauft, die jetzt nach und nach von Velten aus auf die Reise nach Berlin gehen. Zumindest die ersten U-Bahnen werden einen ungewöhnlichen Weg nehmen. Da wegen Bauarbeiten der direkte Schienenweg zur Betriebswerkstatt Grunewald derzeit versperrt ist, werden die knallgelben Wagen jeweils im Doppel auf einen Schwerlast-Lkw gehievt und durch Veltens Straßen sowie über die Autobahn nach Berlin transportiert. „Das sind smarte Fahrzeuge. Dafür werden weder ein Polizeikonvoi noch eine Straßensperrung benötigt“, erläutert Stadler-Sprecherin Kathrin Block. Das hat den Vorteil, dass die Fahrten auch tagsüber abgewickelt werden können. Der erste Transport startete bereits am Dienstag nach Ostern. fünf Viertelzüge warten derzeit in Velten darauf, fit für die Hauptstadt gemacht zu werden.

Ehe eine solche U-Bahn auf Reisen gehen kann, wird sie allerdings im Veltener Werk einem ausführlichen Test unterzogen. „Bei dieser betriebsinternen Abnahme wird jeder Knopf, jede Taste, jeder Sitz, jede Anzeigetafel – einfach alles auf seine Funktionalität hin überprüft, Wagen für Wagen“, weiß Block. Dabei schaut der Kunde, in diesem Fall also die BVG, dem Lieferanten über die Schulter.

Zu dieser Prüfung auf Herz und Nieren zählen natürlich auch Testfahrten. Für die ganz kleinen Ausflüge dieser Art ist der Schienenpark auf dem Veltener Werksgelände ausreichend. Wenn Icke aber mal so richtig Geschwindigkeit aufnehmen soll, dann wird die Teststrecke Richtung Hennigsdorf genutzt.

Wer regelmäßig die Berliner U-Bahn nutzt, der dürfte schon das ein oder andere Mal in einem Zug der neuen Generation gesessen haben. Seit 2015 verkehren bereits zwei Prototypen unter der Berliner Erde. 2017 kamen elf weitere Züge hinzu, die vor allem auf dem breiteren Profil der Linien U1 bis U4 verkehren. Da Icke eigentlich für das Kleinprofil konstruiert wurde, ersann Stadler eigens eine Überbrückung, die beim Aus- und Einsteigen die Stolperfalle beseitigt.

Der jetzt abzuarbeitende Auftrag umfasst 27 Vier-Wagen-Züge. In einem Zug finden 330 Fahrgäste Platz, 80 davon können sitzen. Gegenüber den noch verkehrenden altersschwachen Zügen ist das ein Minus an Sitzplätzen. Offenbar will die BVG die steigenden Fahrgastzahlen auch damit bewältigen können, indem das Angebot von platzfressenden Sitzen gegen mehr Stehplätze eingetauscht wird. Stadlers Sprecherin drückt das so aus: „Es wird versucht, das Optimale herauszuholen. Dabei stellt sich bei der Zahl der Sitz- und Stehplätze auch immer die Frage, wie lange sich ein Fahrgast in einem Zug aufhält.“ Anders gesagt: Kürzere Strecken können auch im Stehen absolviert werden. Abgesehen davon soll Icke mehr Platz für Fahrräder und Rollstühle bieten.

Die 27 Züge werden binnen eines Jahres ausgeliefert. Die erste offizielle Fahrt ist im Mai auf der U2 von und nach Pankow geplant.

Veraltete Bahnen

■ Der Fahrzeugpark von Berlins wichtigsten Verkehrsmitteln gilt als stark überaltert.

■ Für die S-Bahn wurde bereits ein großer Auftrag an ein Konsortium von Stadler und Siemens vergeben. Die ersten neuen Bahnen sollen 2021 verkehren.

■ Neue Trams der Marke Flexity kommen von Bombardier aus Hennigsdorf. Sie ersetzen die alten Tatra-Bahnen.

■ Einen ersten U-Bahn-Auftrag erhielt Stadler. Wer weitere 80 Bahnen baut, darüber ist ein Streit bei Gericht anhängig. ⇥(rol)

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