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Im „Paraplü“ finden kleine Kinder aus Uckermark und Barnim in Krisensituationen Aufnahme

Inobhut
Behütetes Nest für Babys in Not

Kuscheliges Nest: In der Inobhutstelle „Paraplü“ der GfG  Angermünde finden Kleinkinder in Krisen ein Zuhause auf Zeit.
Kuscheliges Nest: In der Inobhutstelle „Paraplü“ der GfG  Angermünde finden Kleinkinder in Krisen ein Zuhause auf Zeit. © Foto: Daniela Windolff
Daniela Windolff / 13.04.2018, 06:45 Uhr - Aktualisiert 13.04.2018, 17:26
Angermünde (MOZ) Die Gesellschaft für Gesundheit und Familie eröffnete vor Kurzem eine Kinderkrisenstelle für Babys und Kleinkinder, die hier vorübergehend bei einer Kindswohlgefährdung aufgenommen werden können. Es ist die erste Inobhutstelle für die ganz Kleinen in der Uckermark, die auch den Barnim mitversorgt.

Ein Anruf aus dem Krankenhaus bringt den Notfallplan ins Rollen. Für ein Baby wird dringend eine Obhut gebraucht, weil die Eltern mit der Betreuung überfordert sind und das Kind vorübergehend nicht in die Familie zurückkehren kann. Im Kindernest „Paraplü“ in Angermünde bereitet das Team der Gesellschaft für Gesundheit und Familie (GfG) die Ankunft des kleinen Menschen vor, der hier solange bleiben kann und liebevoll umsorgt wird, bis gemeinsam mit dem Jugendamt, den Eltern und anderen Hilfestellen eine Lösung gefunden wird, die eine Rückkehr des Kindes in sein Zuhause verantworten kann. Oder bis eine Pflegefamilie gefunden wird. Das kann Tage, aber auch bis zu drei Monate dauern.

Vier Plätze für Kinder von null bis vier Jahren gibt es im „Paraplü“. Der Name leitet sich vom französischen Wort Parapluie für Schirm ab und symbolisiert das Behütetsein wie unter einem Sonnen- oder Regenschirm, der Kinder vor schädlichen Einflüssen schützt. Im Juni 2017 erhielt die GfG die Betriebserlaubnis, im September wurde eröffnet und wenige Tage später waren die Plätze belegt. Der Bedarf ist groß, auch weil es immer weniger Bereitschaftspflegestellen gibt, erst recht für so junge Kinder. Vermittlungen kommen aus der gesamten Uckermark, aber auch aus dem Barnim. Sogar das Ministerium in Potsdam fragte in einem speziellen Fall eines schwerbehinderten Babys nach einem Platz in Angermünde an, weil  hier auch hochgradig pflegebedürftige Kinder fachkompetent betreut werden können.

Das 2014 gegründete Unternehmen ist kein klassischer Pflegedienst. Die Wirkungsfelder reichen von der ambulanten und stationären Kinder- und Jugendhilfe über familienentlastende Dienste, Eingliederungshilfen für Menschen mit Behinderungen bis hin zur häuslichen Krankenpflege. Hier gibt es betreute Wohnformen und neuerdings auch das Kindernest „Paraplü“ für die Kleinsten. Mit dieser Krisenunterbringung ist die GfG Vorreiter im Landkreis Uckermark und Barnim. „Es geht nicht darum, immer größer zu werden. Es geht darum, die vielfältigen Hilfen, die es in unserem Sozialsystem gibt, individuell den Bedürfnissen der Menschen anzupassen, statt wie bisher, die Betroffenen in die jeweiligen Konzepte der Hilfeträger einzupassen“, erklärt Anja Pfeifer. Für die Geschäftsführerin der GfG ist die Eröffnung der Kinderkrisenstelle ein weiterer Mosaikstein ihres Konzeptes eines ganzheitlichen und maßgeschneiderten Hilfeangebotes für Kinder, Erwachsene und Familien.

„Oft haben die Betroffenen multiple Probleme und Diagnosen. Doch bisher wird meist jedes Problem isoliert betrachtet, je nach Zuständigkeit von unterschiedlichen Stellen und Kostenträgern. Unsere Idee ist es, alle Leistungsträger zusammen zu nehmen und den Fall gemeinsam zu besprechen. Da gibt es viele Schnittstellen, die wir flexibel zusammenführen können, um ein Hilfepaket zu schnüren und insgesamt sogar Kosten sparen“, erklärt Anja Pfeifer. Sie erzählt das Beispiel einer jungen Frau, die in einer Wohngruppe für psychisch behinderte Menschen in der Uckermark lebte. Sie passte nicht mehr ins Konzept des Trägers. Ein Mutter-Kind-Heim war auch keine Lösung.

In der GfG in Angermünde können Mutter und Baby nun so untergebracht und betreut werden, dass alle Hilfen, die die beiden benötigen, unter einem Dach möglich sind. So konnte vermieden werden, dass trotz der psychischen Erkrankung Mutter und Kind getrennt wurden. „Den Betroffenen ist es egal, welches Gesetzbuch und welcher Kostenträger für ihre Bedürfnisse zuständig ist. Hilfen so zu stricken und zu koordinieren, dass sie optimale Unterstützung erfahren, ohne von Pontius zu Pilatus geschickt zu werden, das ist unsere Aufgabe, auch in enger Zusammenarbeit mit dem Landkreis und anderen Trägern“, sagt die Sozialpädagogin und Diplomjuristin Anja Pfeifer.

40 Mitarbeiter beschäftigt die GfG mittlerweile, darunter Erzieher, Sozialpädagogen, Heilerziehungspfleger, Gesundheits-, Kinder- und Altenpfleger.

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