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In Stolzenhagen reagieren Anwohner auf plattgefahrene Amphibien und sorgen in Eigeninitiative für Sicherheit

Umwelt
Wanderhilfen für die Kröten

Traurige Bilanz am Morgen: Annette Brenken zeigt plattgefahrene Erdkröten, die auf dem Weg zum Stolzenhagener See verendet sind.
Traurige Bilanz am Morgen: Annette Brenken zeigt plattgefahrene Erdkröten, die auf dem Weg zum Stolzenhagener See verendet sind. © Foto: Hans Still
Hans Still / 14.04.2018, 06:45 Uhr - Aktualisiert 15.04.2018, 18:20
Stolzenhagen (MOZ) Mit Beginn des feucht-warmen Wetters haben die Erdkröten ihre Wanderschaft in Richtung ihrer Laichgewässer angetreten. In Stolzenhagen, wo lange keine Erdkröten gesichtet wurden, müssen die Amphibien beispielsweise die Straße am See überqueren. Doch dort warten tödliche Gefahren auf die Wanderer.

Die gemeine männliche Erdkröte pflegt Eigenarten, die einerseits verstehbar, andererseits aber nicht ungefährlich sind. Weil am Ufer der Laichgewässer ein bis zu zehnfacher Männerüberschuss herrscht, wartet das Männchen schon weit vor dem Gewässer auf die wandernden Weibchen. „Kommt ein Weibchen angewandert, springt das Männchen auf dessen Rücken und lässt sich bis zum Ufer tragen. Am Wasser angekommen, verteidigt das Männchen sein Weibchen gegen die anderen paarungswilligen Männchen“, erzählt Andreas Krone, der sich beim Barnimer Naturschutzbund (NABU) ehrenamtlich um die Amphibienkartierung kümmert und beispielsweise die Aktionen zum Stellen von Krötenzäunen organisiert. Tragischerweise haben die männlichen Erdkröten auch eine weitere  Angewohnheit: Wie angewurzelt verharren sie an übersichtlichen Plätzen aus, um auch ja kein Weibchen zu verpassen. Beispielsweise auf Straßen wie die Straße am See in Stolzenhagen.

Dass morgens die überfahrenen Kröten auf dem Asphalt kleben, fällt offenbar nur denjenigen auf, die mit wachen Augen durch die Natur gehen. Annette Brenken gehört beispielsweise zu diesen Menschen, die das Dilemma beobachten und dann spontan reagieren. „Ich habe das festgestellt und mich sofort gekümmert. Wir können doch nicht zusehen, wie hier am See die Kröten tot gefahren werden“, berichtet sie bei einem Treffen vor Ort. Beispielsweise wurden an einem Morgen 37 tote Kröten  gezählt - ein Aderlass, der für Betroffenheit sorgt.

Kurzerhand schrieb Annette Brenken einen Brief an alle Anwohner, der dann in die Postkästen verteilt wurde. Unter der Überschrift „Straße am See - die Krötenwanderung hat begonnen“ warb sie für aktive Mithilfe. „Also Handschuhe und Eimer schnappen und spazierengehen“, endete der Aufruf. Reaktionen bekam sie auf dieses Schreiben nicht, sodass es bislang bei der Eigeninitiative blieb.

Gemeinsam mit Odin und Stefan Busch sowie Andreas Joseph hat sich Annette Brenken mit Einbruch der Dunkelheit nun schon an mehreren Abenden auf den Weg gemacht, um die Amphibien einzusammeln. Am 4. April kamen beispielsweise 107 Kröten zusammen, eine beachtliche Zahl, wie die Stolzenhagenerin findet. Dann folgten einige kalte Nächte, aber nun dürfte es wieder losgehen. Das erwartet auch Andreas Krone, der die Eigeninitiative mit großer Freude aufgenommen hat. „Das ist eine sehr schöne Initiative, denn wir können nicht überall sein“, reagiert Krone, der Annette Brenken schon telefonisch seine Hilfe angeboten hat. So wollen sich die beiden nach dem Ende der Krötenwanderung treffen und die Gegebenheiten inspizieren. Geprüft werden soll dabei, ob im kommenden Jahr wenigstens ein Teil der insgesamt sehr langen Straße am See mit Krötenzäunen versehen werden kann. Krone könnte das Material besorgen und auch mit seinen Mitstreitern beim Aufstellen helfen. Doch wäre das nur die halbe Wahrheit. „Wir kennen ja die Zäune in Börnicke, Biesenthal oder bei Wandlitz - es braucht ungefähr für den Zeitraum von zwei Monaten immer Freiwillige, die morgens die Eimer leeren und die Tiere über die Straße tragen.“

Dass mit dem Thema Krötenwanderung auch ganz anders umgegangen werden kann, beweist dieser Tage ein bestürzender Bericht vom Gorinsee. Dort machten sich Unbekannte einen Spaß daraus, Kröten sinnlos zu töten, auf einen Stock aufzuspießen und diesen am Wegesrand symbolisch aufzustellen. Andreas Krone kann ob dieser Verrohung nur den Kopf schütteln. „Viele kennen ja den Dummer-Jungen-Streich, einen Frosch aufgeblasen. Das ist schon nicht sehr lustig, aber als ich von diesem Massaker höre, konnte ich auch nur noch den Kopf schütteln.“

Für Annette Brenken steht indes fest, dass die Kröten nunmehr sicherer in Stolzenhagen leben sollten. Im Gespräch mit der Unteren Wasserbehörde des Landkreises hat sie beispielsweise erfahren, dass die Trockenheit der vergangenen Jahre die Krötenwanderung erheblich reduziert hatte. Daher wurde die jüngste Entwicklung im Umfeld des Stolzenhagener Sees begrüßt. „Wir wollen jetzt auch die Anwohner für die Amphibien sensibilisieren. Schon etwas langsameres Fahren auf der Straße würde ausreichen“, empfiehlt Annette Brenken. Schließlich herrsche zum Teil Tempo 30.

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