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Beeindruckende Sonderausstellung zur Schlacht um die Seelower Höhen

Gedenken
Opfer erhalten ein Gesicht

Doris Steinkraus / 16.04.2018, 07:30 Uhr
Seelow (MOZ) Mit einer Freiluftausstellung sowie einer Multimediashow zum Thema Krieg und Tod wurde am Sonnabend der Opfer der Schlacht um die Seelower Höhen gedacht. Vertreter des gesellschaftlichen Lebens sowie der russischen und der weißrussischen Botschaft legten Kränze an den Grabstätten nieder.

Die Reihen derer, die das Grauen vor 73 Jahren im Oderbruch miterlebten, lichten sich von Jahr zu Jahr.  Wolfgang-Dietrich Kroll ist an diesem Sonnabend der einzige Überlebende, der von jenen schrecklichen Ereignissen noch authentisch erzählen kann. Sie waren so traumatisch, dass der 91-Jährige bis heute zwei Wochen aus jenen Tagen nicht mehr rekapitulieren kann. Sein ganzes Leben suche er nach den Ereignissen dieser zwei Wochen ab dem 16. April 1945, lese darüber, komme zu den Kriegsschauplätzen,  erzählt der Berliner. Er war mit seiner Einheit von Stettin ins Oderbruch verlegt worden, lag zwischen Golzow und Gorgast in Stellung. Dass er er überlebt hat, empfindet er bis heute als ein Wunder.

Das Gedenken an das tausendfache Sterben vor 73 Jahren ist in diesem Jahr ein ganz Besonderes. Einrichtungsleiterin Kerstin Niebsch dankt dem Kreis, der Stadt, Partnern und der Bundesinitiative „Demokratie leben“, die eine ungewöhnliche Ausstellung von Studenten der Beuth Hochschule für Technik ermöglichten. Und nicht nur das. Drei Jahre lang haben die Studierenden eine Multimedia-Show gestaltet, die mit modernen Mitteln Brücken zwischen Vergangenheit und Gegenwart schlägt. Angefangen habe es mit einem kaum beachteten Massengrab am Teltow-Kanal in Berlin, berichtet Projektleiterin Prof. Susanne Junker. Die Hochschule war angefragt worden, ob man das Thema nicht visualisieren könne. Die Studenten begaben sich auf Spurensuche, ermittelten allein in Berlin 220 Kriegsgräberstätten. Das Projekt wuchs, konnte dank Förderung durch die Leica AG sowie der Unterstützung der Bezirksbürgermeisterin von Neukölln in Kooperation mit dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge fortgesetzt werden. 150 Absolventen und Studenten aus 18 Nationen wirkten bisher mit. Entstanden sind nicht nur beeindruckende Foto-Installationen, sondern auch eine Mediashow, wie es sie in der Region noch nicht gab.

Das Projekt, das in Berlin bereits an mehreren Orten zu sehen war, wurde um Seelow erweitert. Dort, wo  mit dem Großangriff der Roten Armee am 16. April 1945 das finale Ende des verbrecherischen Naziregims eingeleitet wurde, wie Landrat Gernot Schmidt erinnert. Der Krieg habe unzählige Regionen und Lebenswelten zerstört. Dass sich Studenten dafür einsetzen, dieses Grauen nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, sei wichtig und hoch anzuerkennen. „Berichten Sie vielen von dieser Ausstellung, tragen Sie Ihre Eindrücke weiter“, appelliert er. Deutschland müsse ein Land bleiben, dass auf Frieden und Demokratie setzt. „Das muss die Botschaft sein, die von diesem Schauplatz hier in Seelow ausgeht“, betont Schmidt.In mehreren Durchgängen verfolgen die Besucher die Mediashow, die mit  modernsten Mitteln eindrucksvoll vom Grauen des Krieges erzählt. Untermalt mit Klaviermusik werden Kriegsgeschehnisse aus der Vergangenheit in Fotografien aufgegriffen und mit aktuellen Kriegen sowie Terrorereignissen verknüpft. Von Homer über Leo Tolstois „Krieg und Frieden“ bis zu Konflikten in Aleppo reicht die inhaltliche Spannbreite. Vergessenes wird Schicht um Schicht freigelegt,  Opfer erhalten ein Gesicht. Die Bilder und Sequenzen berühren, rütteln auf, mahnen, fordern Haltung.

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