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Musiktage eröffnet
Vielversprechender Auftakt

Geigensolist Andrej Ur (l.) und Maxim Shagaev am Russischen Bajan sorgten beim Eröffnungskonzert der 19. Falkenseer Musiktage mit virtuosem, rasanten Spiel für großartige Unterhaltung.
Geigensolist Andrej Ur (l.) und Maxim Shagaev am Russischen Bajan sorgten beim Eröffnungskonzert der 19. Falkenseer Musiktage mit virtuosem, rasanten Spiel für großartige Unterhaltung. © Foto: Stephan Achilles
Stephan Achilles / 16.04.2018, 11:42 Uhr - Aktualisiert 16.04.2018, 14:43
Falkensee (MOZ) Von Musikfreunden mit Spannung und Freude erwartet, begannen am Wochenende die diesjährigen Falkenseer Musiktage. Für sechs Konzerte unterschiedlichster Stilrichtungen, von Klassik über Jazz bis Irish Folk, haben der Veranstalter, die Evangelische Kirchengemeinde Falkensee-Falkenhagen, und die musikalische Leiterin Isabelle Engelmann hervorragende Interpreten gewinnen können.

Zwei Ausnahmemusiker, unterstützt von einer vierköpfigen Streichergruppe des Kammerorchesters Berlin, gestalteten das beeindruckende Eröffnungskonzert am Freitag in der Falkenhagener Kirche. Maxima Shagaev gilt als einer der besten Knopf-Akkordeon-Spieler überhaupt. Mit dem höchstmöglichen Abschluss hat er das Konservatorium in St. Petersburg verlassen und danach mehrere renommierte europäische Wettbewerbe gewonnen.

Am Freitag führte er das Publikum mit dem Russischen Bajan, wie das 20 kg schwere Instrument auch genannt wird, durch unterschiedliche Musikepochen und Länder. Von Vivaldis "Vier Jahreszeiten" über Bachs "Kleine Orgelfuge e-moll" bis zu Nikita Bogoslowskis "Lied eines alten Kutschers" reichte das Repertoire. Und natürlich ging die Reise auch zu den Ursprüngen des Tangos, nach Argentinien und Cuba. Allein die enorme Breite des Repertoires und das lebendige, virtuose Spiel Shagaevs, solo oder in Begleitung der Streichergruppe (Romy Nagy, Maria Nowak, Maria Dubovik und Vladi Corda), hätten ausgereicht um den Abend zu einem Erlebnis werden zu lassen. Daher war die Überraschung komplett, als der ungarisch-ukrainische Geigensolist Andrej Ur das Podium betrat.

Mit faszinierendem Spiel sorgte "Der Teufelsgeiger" für weitere musikalische Höhepunkte. Im Duett präsentierten Shagaev und Ur ein grandioses Feuerwerk von Melodien aus Klassik und Moderne und scheuten auch vor unterhaltsamen Improvisationen nicht zurück. 150 Zuhörer in der fast voll besetzten Kirche spendeten begeistert Applaus und wurden großzügig mit Zugaben belohnt.

Ebenfalls im Duett, aber mit einem ganz anderen Genre, wussten die Jazzmusiker Jule Unterspann (Gesang, Percussion) und Volker Jaeckel (Gesang, Piano, Orgel) als Formation "Goldlaub" am Sonnabend im Falkenseer Rathaussaal zu begeistern. Egal, ob Volkslied, Kirchenchoral, Weltmusik oder Klassik, die beiden interpretierten alles auf eine ganz eigene, überraschend feinsinnige und gefühlvolle Weise. Stimmungsvolle Klanglandschaften bildeten den passenden Hintergrund für Klavierthemen und Gesang. Mancher Titel begann mit einem Rezitativ und leisen, romantischen Klängen, wandelte sich aber dann in ein freudiges, schwungvolles Motiv, bei dem Stimme und Klaviertöne in klanglichen Gebilden verschmolzen. Im perfekten Zusammenspiel führten die beiden Musiker die Zuhörer durch ein Auf und Ab der Gefühle im Kontext zu den Liedern. "Bisher Unerhörtes" hatten die beiden Musiker dem Publikum in der Anmoderation versprochen. Dieses Versprechen haben sie gehalten.

Was gibt es faszinierenderes für Kinder als Zeichentrickfilme? Gebannt und mucksmäuschenstill schauten die Kleinen am Sonntagnachmittag auf die Leinewand in der Falkenhagener Kirche. Ruhig war es jedoch nur im Publikum. Schauspielerin Sophie Lavallé und Pianistin Camille Phelep, beide mit französischen Wurzeln, sorgten für den richtigen Ton zu jeder Szene. Die Zeitreise durch die Geschichte der Cartoons begann mit einem der ersten Disney-Filme. Während die Kinder keinen Blick von dem rasanten Mäuse-Gehopse in schwarz-weiß wandten, produzierte Sophie mit scheinbar grenzenloser Phantasie die ulkigsten Geräusche und Töne. Da rasselte, quiekte und klapperte es auf den Punkt genau passend zu jeder Aktion auf der Leinwand. Zusammen mit Camilles selbstkomponierter Klavierbegleitung wurde das Kinoerlebnis erst richtig schön.

In gleicher Manier folgten zwei weitere farbige Filmchen, bevor zum Abschluss Lucky Luke, der coolste Cowboy aller Zeiten auf Don Quichote traf. Begleitet von Westernmusik, den unglaublichsten Geräuschen und vielsprachigen Kurzdialogen waren viele Abenteuer zu bestehen. "Aua", sagte ein kleines Mädchen mitfühlend als der spanische Ritter kopfüber vom mexikanischen Bohrturm fiel und alle drückten ihm die Daumen, als er vom Indianerhäuptling zum Ritter geschlagen werden wollte. Am Ende war - wie immer - alles gut, viele Kinderaugen leuchteten glücklich und man plapperte aufgeregt auf dem Heimweg.

Für die 19. Falkenseer Musiktage ist nun eine Woche Pause. Am Freitag, den 20. April geht es open air weiter mit "Irish Folk as it best" am Haus am Anger, bei schlechtem Wetter in der Falkenhagener Kirche. Am Sonnabend und Sonntag folgen zwei weitere, interessante Konzerte, ebenfalls in der Kirche (Programm auf http://www.kirche-falkenhagen.de). Musikalische Vielfalt und Unterhaltungswert ließen bisher kaum Wünsche offen. Freuen wir uns auf das kommende Wochenende.

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