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Thomas Steinberg eröffnet demnächst Kneipe im Stadtzentrum neu / Renovierung der Lokalität läuft bereits

Gastronomie
Der Name „Mundtshof“ bleibt

Er ist zurück: Thomas Steinberg. Der Gastwirt, der sich in Eberswalde mit der „Stolper Ecke“ und dem „Matisse“ einen Namen gemacht hat, will im Sommer „Mundtshof“ wiedereröffnen. Die Renovierung läuft bereits.
Er ist zurück: Thomas Steinberg. Der Gastwirt, der sich in Eberswalde mit der „Stolper Ecke“ und dem „Matisse“ einen Namen gemacht hat, will im Sommer „Mundtshof“ wiedereröffnen. Die Renovierung läuft bereits. © Foto: Thomas Burckhardt
Viola Petersson / 17.04.2018, 06:00 Uhr - Aktualisiert 17.04.2018, 07:42
Eberswalde (MOZ) Thomas Steinberg ist zurück. Im Sommer will der Gastwirt in Eberswalde wieder eine Lokalität eröffnen: den Mundtshof. Der Name soll bleiben. Nur der Charakter soll sich ändern. Eine „Gaststätte mit einem Hauch Kneipe“ schwebt ihm vor. Ein Mix aus „Stolper Ecke“ und „Matisse“.

In der Ecke steht noch der alte Tresen. Darauf ein Bierdeckel „Eberswalder Brauerei“. Dahinter, auf dem Fußboden, eine Leuchtreklame „Dortmunder Union – Siegel Pils“. Relikte aus vergangenen Zeiten. Zum Teil aus längst vergangenen Tagen.

Gleichwohl: „Mundtshof“ atmet immer noch Kneipen-Duft. Nur dass die Luft nicht zum Schneiden ist. Dafür zeichnen sich die Spuren des Qualms deutlich an dem ab, was mal die Tapete sein sollte. Im Nebenzimmer ein ausgestopfter Auerhahn, der einst zum Inventar gehörte, Gardinen, die den Charme einer DDR-Spelunke versprühen. Linoleum aus den 70ern. In der Küche ein ausrangierter Herd. Und über dem Eingang ein Schild mit der Aufforderung „Wir bitten Sie auf die Garderobe selbst zu achten“.

Das war einmal. Seit zwei Jahren steht „Mundtshof“ leer. In wenigen Monaten jedoch soll in dem Lokal an der Schicklerstraße 1 wieder Bier gezapft werden. Der Mietvertrag ist unterschrieben, Thomas Steinberg, der neue Inhaber, hat bereits die Schlüsselgewalt, die ersten Renovierungsarbeiten haben begonnen. Für einen Teil zeichnet der Vermieter, die städtische Wohnungsgesellschaft WHG, verantwortlich, für den anderen greift der 56-jährige Gastwirt selbst zu Handwerkzeug, Pinsel und Farbe. Im Schaufenster klebt schon ein Anschlag, Steinberg sucht Personal.

„Wir sind froh, nach langer Suche endlich einen Nachmieter gefunden zu haben“, erklärt Gundula Blaetter von der WHG. „Noch dazu mit Herrn Steinberg einen, der an der bisherigen Nutzung festhält und damit eine Tradition hier fortsetzt.“ – „Mundtshof“ sei schließlich nicht irgendeine Kneipe, auch wenn dieser einst eher der Ruf einer Stampe vorauseilte. Die exponierte Lage im Stadtzentrum sowie der Denkmalschutz-Status des Gebäudes prädestinieren es für mehr, sind sich Blaetter und Kollegen einig. „Wir hatten um 2000 das Haus saniert.“ Die Kneipe, damals in Betrieb, wurde weitestgehend ausgespart. Allein der Saal sei vor Jahren zu einer Wohnung umgebaut worden.

Während die WHG Sanitäranlagen und Elektroinstallation auf Vordermann bringt, kümmert sich Thomas Steinberg schon mal ums Interieur. Das Alte wolle er, wenn möglich, erhalten. Denn das Lokal soll im Stil der 50er- und 60er-Jahre eingerichtet werden. Mit Sichtmauerwerk, zeigt der Eberswalder auf die Wände. Natürlich auch wieder mit Bildern und Grafiken. Steinberg formuliert seinen Anspruch so: Ein bisschen „Stolper Ecke“ und etwas „Matisse“. Zwei Adressen in der Kreisstadt, die in den 1990er- und Anfang der 2000er-Jahre mit seinem Namen verbunden waren. 2005 hatte Steinberg jedoch, gastronomisch betrachtet, Eberswalde verlassen. Hatte in Marienwerder das „Heimdall“ betrieben. Ein Projekt, das – wie Steinberg einräumt – nicht aufgegangen ist. Zu lang und zu hart seien die Winter. Der Betrieb sei für ihn dauerhaft wirtschaftlich nicht darstellbar gewesen.

Auf „Mundtshof“ hatte er schon seit Längerem ein „Auge geworfen“. Eben wegen der hervorragenden Lage. Hier will es der gelernte Facharbeiter für Anlagentechnik, der sich seine ersten gastronomischen Sporen bei Kuschs in der „Alten Klosterschänke“ Chorin verdiente, noch mal wissen. „Mundtshof“ soll wieder zu einem echten Kommunikationstreffpunkt werden. Mit kleiner Küche, Mittagstisch. Steinberg hat „spezielle Angebote“ im Blick. Keine große Karte, keine Haute Cuisine, vielmehr etwas Uriges, Ursprüngliches. Und in Verbindung mit Kunst. Der Eberswalder spricht selbst von einem „Back to the roots“, zurück zu seinen Wurzeln.

Aus der Geschichte der Schicklerstraße 1

■ Von einem „städtebaulich exponierten Wohn- und Geschäftshaus in Ecklage zur Goethestraße“ ist in der „Denkmaltopographie der Stadt Eberswalde“ die Rede. Es wurde 1899 für Kaufmann Oskar Mundt errichtet. Nach 1945 wurde es stark verändert. „Von der einst prächtigen Gestaltung“ seien „nur einige Fassadendetails“ sowie der südseitige Hausflur erhalten. Letzterer sei „mit üppigem Stuckdekor, Fliesenfußboden, zweiflügeliger Zwischentür und Treppengeländer mit figürlichem Antrittspfosten“ ausgestattet.

■ Rudolf Schmidt hatte zuvor in „Geschichte der Stadt Eberswalde“ ausgeführt: „Es wurde im Auftrage des später ganz verarmten Kaufmanns Oscar Mundt im Jahre 1899 von dem seit 1891 in unserer Stadt wirkenden Baumeister Paul Arendt erbaut. Das Haus steht auf 759 Pfählen und der Fußboden des Kellers liegt 80 Zentimeter unter Scheitelhöhe der am Grundstück vorbeifließenden Schwärze.“ Zuvor hätte auf dem Grundstück (der Familie Arenstorff) ein kleines, einstöckiges Haus gestanden, „umgeben von einem Garten mit großem Pavillon“. Kaufmann Mundt überließ diesen später seinem Bruder, dem Hegemeister Mundt, der ihn in Bornemannspfuhl aufstellte.

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