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Fotoatelier in der Frankfurter Straße schließt nach 30 Jahren / Luftaufnahmen als Spezialgebiet

Fotoatelier
Meister Arnhardt geht in Ruhestand

Nimmt Abschied von seinem Arbeitsplatz: der Fürstenwalder Fotograf Klaus-Dieter Arnhardt
Nimmt Abschied von seinem Arbeitsplatz: der Fürstenwalder Fotograf Klaus-Dieter Arnhardt © Foto: Uwe Stemmler
Uwe Stemmler / 17.04.2018, 06:00 Uhr
Fürstenwalde (MOZ) Ein Meister geht heute, mit einer kleinen Feier, in den Ruhestand. Nach 30 Jahren schließt das Fotoatelier Arnhardt in der Frankfurter Straße in Fürstenwalde. Fotos von Veranstaltungen aller Art, von Hochzeiten und anderen Festen, Passbilder, Bewerbungsfotos, Familienbilder – all das wurde von hier geliefert. „Das ehrliche Bild war und ist für mich das Ziel – die Zufriedenheit meiner Kunden das erste Gebot“, resümiert Klaus-Dieter Arnhardt.

Der 68-Jährige hat den Beruf  klassisch gelernt. Nachdem der Nordhäuser erst Kälte- und Klimatechniker geworden war, schulte er mit 30 um, lernte „wissenschaftlicher Fotograf“, machte wenig später seinen Meister. Zu seinen ersten Arbeitsplätzen gehörte das Stadttheater Nordhausen. Bald verschlug es ihn nach Berlin, wo das Dienstleistungskombinat ein Fotolabor einrichtete und einen Chef suchte. Arnhardt war gerade Meister geworden, das passte. Nebenbei arbeitete er als Dozent an einer Wirtschaftsakademie. Außerdem wurde er Bildreporter für mehrere Zeitungen. Und für den Künstlerklub „Die Möve“. Dort wurde zu DDR-Zeiten für fast alle bedeutenden ausländischen Künstler, die in Berlin gastierten, ein Empfang gegeben, von und mit DDR-Künstlern. So bekam er Helen Schneider, Udo Jürgens, Igor Oistrach, Marianne Wünscher, Ursula Karusseit und viele andere vor die Linse.

„Das war eine schöne Zeit“, sagt er. „Aber 1988 fing der Ärger an.“ Die politische Lage wirkte sich aus, Arnhardt wollte weg aus Berlin. „Viele gingen in den Westen. Ich ging in den Osten. Ich konnte Familie und Freunde nicht verlassen.“ Ein Freund wusste zu berichten, dass die ÖVW (Örtliche Versorgungswirtschaft) in Fürstenwalde einen Fotografen sucht. Dort war Arnhardt 1986 schon gewesen, um für eine Zeitung einen „vorbildlichen Handwerker, das LDPD-Mitglied Gernot Alter“ zu fotografieren. Zwei Jahre später zog er in das Atelier in der Frankfurter Straße, wo schon seit 1930 Fotografen ihre Dienste anbieten. Zum Beispiel arbeitete dort Frieda Engel, nach der 2016 in Fürstenwalde eine Straße benannt wurde. „Am ersten Tag hatte ich 13 Hochzeiten“, erinnert er sich.

In den folgenden Jahren wurde er immer mehr zum Fürstenwalder, arbeitete bei den Museumsfreunden mit, lieferte Fotos für Bildbände, dokumentierte den Abzug der sowjetischen Truppen. Dabei stieg er, der eigentlich große Höhenangst hat, auch erstmals in die Luft. Die Fotos aus der Vogelperspektive waren sein Spezialgebiet. Für eine MOZ-Serie beflog er die ganze Region. Inzwischen nutzt er auch eine Drohne für Luftaufnahmen, und er plant einen neuen Bildband. Und noch manches andere. So das Aufarbeiten von tausenden archivierten Aufnahmen, wofür bislang keine Zeit war. „Die Fotografie und die Beschäftigung mit ihrer Geschichte werden mich weiter begleiten“, sagt er. Und auf die Frage, was einen guten Fotografen ausmacht, antwortet der Meister: „Man muss ein sehender Mensch sein.“(us)

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