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Rückbau der einstigen Militäranlage in Finow läuft seit Dezember / Mitte 2019 sollen Arbeiten erledigt sein

Sanierung
Verwilderte Kaserne weicht Heide

Ellen Werner / 17.04.2018, 06:45 Uhr - Aktualisiert 17.04.2018, 07:32
Eberswalde (MOZ) Seit fast einem Vierteljahrhundert ist das 787. Jagdfliegergarderegiment der Sowjetstreitkräfte Geschichte. Nun verschwinden auch seine Hinterlassenschaften in der Märkischen Heide. Seit Dezember wird das verwilderte Kasernenensemble abgerissen. .

Das einstige Clubhaus mit dem Kinosaal ist schon verschwunden. „Mit großem Lenin-Bild“, wie Heiko Wrensch von der Abrissfirma berichtet. Zu ihrem Erstaunen hatten die Bauleute das Porträt noch vorgefunden. Sämtliche Kasernenruinen waren längst bis auf die Bodenritzen geplündert. Küchengebäude, Waschhäuser, ein Schweinestall, ein Schulhaus, eine Feuerwehrhalle gehörten zum Militärensemble am Rande von Finow, wo vor einem knappen Vierteljahrhundert das 787. Jagdfliegergarderegiment der Sowjetstreitkräfte abzog.

Etwa ein Drittel der rund 20 Gebäude, Bunker und Schächte – zum Großteil einsturzgefährdet oder schon eingestürzt – ist inzwischen dem Erdboden gleich. Seit Dezember läuft der Rückbau auf der „Märkischen Heide“ genannten Fläche im Auftrag der Stadt.

„Wir wollen hier ein Stück Hinterlassenschaft der Vergangenheit beseitigen und wieder zugänglich machen“, sagt Eberswaldes Baudezernentin Anne Fellner vor der Abrisskulisse. Gerade haben sich die Bagger an ein größeres Kasernengebäude, ehemals mit Verwaltungs- und Unterkunftsräumen, herangearbeitet. Seinen Platz wird sich, wie die restliche zwölf Hektar große Fläche, die Natur zurückerobern. Ein Naherholungsgebiet soll entstehen.

Bei 1,2 Millionen Euro liegen die geschätzten Kosten – ein Grund dafür, dass die Stadt das Gelände nicht früher angefasst hat. Dank des Stadt-Umland-Wettbewerbes sei Konversion im Land erstmals nicht an spätere Nutzung der Gebäude geknüpft worden, sagt Dezernentin Fellner. „Und wir wollen ja hier ausdrücklich keine Wohnnutzung.“ Auf rund 960 000 Euro belaufen sich die Fördermittelzusagen aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung. Der kommunale Eigenanteil, rund 240 000 Euro, kommt aus dem Flächenpool des Landkreises Barnim. „Im Prinzip ist die Beseitigung der Altlasten für die Stadt, wenn alles gut geht, also ein Nullsummenspiel“, so Fellner.

Mit der Umwelt-Forschungs- und Dienstleistungsgesellschaft (Uweg) sowie der Firma Wrensch Containerdienst hat die Stadt dafür Eberswalder Unternehmen gebunden. Besonderen Einsatz fordert der Rückbau des Armeestandortes nicht nur wegen der Menge der Gebäudeteile und versiegelten Straßenflächen, so Abriss-Chef Wrensch. Es fallen auch Altlasten an, die als gefährlich eingestuft wurden wie Asbestprodukte an Dächern und schädliche Dämmmaterialien. Der Biologe Falko Hornschuch von der Uweg begleitet den Bau als Naturschutzexperte. Längst hatten die Militärruinen wichtige Funktionen für geschützte Arten wie Zauneidechse, Waldameise, verschiedene Vogelarten sowie für Fledermäuse übernommen. Ihretwegen kommt es auch nicht überall zum Totalabriss. „Drei Objekte werden mit großem Aufwand als dauerhafte Objekte für den Naturschutz ertüchtigt“, sagt Hornschuch. So wird ein ehemaliges Obstlager zum Sommerquartier für Fledermäuse und Wochenstuben für Gebäudebrüter. Zwei Bunker sollen als Fledermaus-Winterhotel dienen.

Bis Mitte 2019 sollen alle Arbeiten abgeschlossen sein. „Wir sind guter Dinge, dass wir bis dahin fertig sind“, sagt Heiko Wrensch – wenn die Überraschungen sich in Grenzen halten. Außer dem Lenin-Bild und einem vermeintlichen Stahlhelm, der sich als Nachttopf herausstellte, sind die Arbeiter schon auf den einen oder anderen unbekannten Schacht oder Fundamente im Untergrund gestoßen. Munitionsfunde erwarten sie aber nicht. Der Kampfmitteldienst des Landes hat den einstigen Militärstandort als unbedenklich eingestuft.

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