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Start für Woltersdorfer Schulwegaktion „Wir schaffen das allein“ / Erkner: Radweg am ovalen Kreisel kommt gut an

Schulweg
Pilotprojekt und Bewährungsprobe

Mara Kaemmel, Martin Stralau / 17.04.2018, 07:00 Uhr
Woltersdorf/Erkner (MOZ) Mit einem Pilotprojekt, das am Montag gestartet ist, sollen Woltersdorfer Grundschüler zu mehr Selbstständigkeit erzogen werden. In Erkner wurde unterdessen die neu gebaute Fahrradschleuse am ovalen Kreisel einem ersten Belastungstest unterzogen.

Jeden Morgen Verkehrschaos: Das ist gefährlicher Alltag vor dem Schulcampus in Woltersdorf, weil viele Eltern ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen. Damit soll Schluss sein. Ordnungsamtsleiterin Jenny Loponen hat deshalb unter der Überschrift „Wir schaffen das allein“ ein Projekt initiiert, das am Montag gestartet ist. „Wir wollen die Eltern damit motivieren, ihre Kinder den Schulweg selbst meistern zu lassen“, sagt sie.

Vierzehn  Tage lang  werden an sieben  Punkten rund um die Schule von 7 bis 7.35 Uhr  Streckenposten stehen. Sie tragen Warnwesten und verteilen an alle Grundschüler Coupons, die mit der Straßenbahn, dem Bus, zu Fuß oder mit dem Rad zur Schule kommen. Wer einen Coupon vorweisen kann, bekommt in der Schule einen Stempel auf einer Aktionskarte. Die Klasse mit den meisten Stempeln gewinnt und wird auf dem  Sommerfest der Schule prämiert. Die Idee zu diesem Projekt stammt übrigens aus Berlin und wurde dort bereits an zwei Schulen erfolgreich umgesetzt.

In Woltersdorf  hat es am Montagmorgen  vielversprechend begonnen. Acht  Freiwillige waren als Streckenposten im Einsatz  – Mitglieder der Solidargemeinschaft zum Schutz vor Kriminalität (SSK), Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung und Eltern. Pünktlich um 7 Uhr postierten sie sich mit Tüten voller Coupons an den Hauptrouten zur Schule, darunter in der Vogelsdorfer Straße, der Grün- und der Weinbergstraße. Jana Schultz hatte an der Bushaltestelle vor dem Campus Stellung bezogen. Ihre Tochter geht in die  1. Klasse. Sie kennt das Verkehrsproblem deshalb aus eigener Erfahrung. „Ich finde die Aktion gut“, erklärte sie. „Auf diese Weise wird der Verkehr entzerrt und die Selbstständigkeit der Kinder gefördert.“ Serhiy Lomachynskyy, ebenfalls als Helfer dabei,  kann das bestätigen. Sein Sohn, auch ein Erstklässler, fährt jeden Morgen mit der Straßenbahn und möchte nicht mehr mit dem Auto gebracht werden, weil er in der Bahn Freunde trifft. „Ich habe keine Angst, dass ihm was passiert. Die Kinder gehen ja den Rest des Schulwegs gemeinsam“, sagte Serhiy Lomachynskyy.

Doch nicht alle Eltern sehen es wie er. Sabrina Gmeiner setzte ihren Sohn direkt vor der Schule ab, so dass er keinen Coupon bekam. „Ich lasse das Kind nicht allein laufen“, sagte sie. „Wenn ihm was zustößt, heißt es: Hättest Du doch aufgepasst.“

Für Jenny Loponen ist das kein Argument. „Wir haben ja gesagt, dass die Eltern ihre Kinder zu Fuß bis zur Schule begleiten können“. Und das taten viele Mütter und Väter am Montag dann auch. Auf der Straße herrschte an diesem Morgen kein Chaos, sondern normaler Durchgangsverkehr. Damit das so bleibt, wird das Projekt nach den vierzehn Tagen ohne Streckenposten fortgesetzt. Die Kinder bekommen einen Bewegungspass. Wer den Weg ohne Elterntaxi schafft, erhält den begehrten Stempel.

Auch in Erkner stand am Montagmorgen ein Schulweg im Fokus der Aufmerksamkeit. An der Ausfahrt des ovalen Kreisels in Richtung Carl-Bechstein-Gymnasium wurde in den vergangenen Wochen eine Fahrradfurt gebaut und ein Radstreifen auf der Straße markiert, um zu verhindern, dass sich Fahrradfahrer und Fußgänger wie bisher auf dem Fußweg in die Quere kommen. Die Bewährungsprobe im morgendlichen Schulverkehr verlief verheißungsvoll. Nur in Einzelfällen wurde die rot gepflasterte Fahrradfurt, die in den markierten Radstreifen auf der Straße mündet, nicht genutzt und schon vorher auf die Straße abgebogen. In der Vergangenheit hatte gerade das zu brenzligen Situationen geführt, weil auch große Lkw hier entlang fahren.

Die Achtklässlerinnen Lisa Wolgast und Charlotte Seiffarth, die meistens zusammen zur Schule fahren, und bisher den Fußweg nutzten, zeigten sich zufrieden mit der neuen Regelung. „Es war doch immer recht eng hier, wir fühlen uns jetzt sicherer“, sagte Lisa Wolgast. Richard Kiesan aus der 7. Klasse war erst irritiert über den neuen Weg. „Ich habe aus Gewohnheit meinen Arm herausgehalten, um auf die Straße zu fahren.“ Die neue Lösung bezeichnete er als praktisch. Fußgänger Tom Oswald, ebenfalls Siebtklässler, berichtete zufrieden, dass er jetzt keine Angst mehr haben müsse, „dass mich von hinten ein Radfahrer streift“. Auch Verkehrshelfer Rainer Eberhardt, der seit zwei Jahren von 7 bis 9 Uhr am Kreisverkehr steht, um Schulkinder sicher über die Straße zu leiten, zog ein positives Fazit. „Die meisten haben den neuen Radweg genutzt. Ich denke das Konzept funktioniert.“ Karla Kosche vom Bauamt der Stadt war ebenfalls zufrieden. „Unser Eindruck ist, dass die Fahrradschleuse gut angenommen wird.“

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