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Jahrelang lag in Berlin ein Rentner zerteilt in der Tiefkühltruhe der eigenen Wohnung.

Mordprozess
Zerstückelter Rentner in Tiefkühltruhe - Nachbar kassiert Rente

Der Angeklagte sitzt im Kriminalgericht Moabit auf der Anklagebank und hält sich einen Aktenordner vor das Gesicht. Der 56-Jährige soll einen Rentner getötet und jahrelang in einer Tiefkühltruhe aufbewahrt und die Rente des Opfers kassiert haben.
Der Angeklagte sitzt im Kriminalgericht Moabit auf der Anklagebank und hält sich einen Aktenordner vor das Gesicht. Der 56-Jährige soll einen Rentner getötet und jahrelang in einer Tiefkühltruhe aufbewahrt und die Rente des Opfers kassiert haben. © Foto: dpa/Maurizio Gambarini
dpa / 17.04.2018, 07:17 Uhr
Berlin (dpa) Der spektakuläre Prozess um die zerteilte Leiche eines Berliner Rentners, die zehn Jahre in einer Tiefkühltruhe versteckt war, steht vor dem Urteil. Das Landgericht muss nach rund sechsmonatiger Verhandlung gegen einen 56-Jährigen entscheiden: War es heimtückischer Mord aus Habgier? Oder ist die Version des Angeklagten, er habe den Witwer tot gefunden und die Leiche dann zerteilt, nicht zu widerlegen? Die Richter wollen am Mittwoch (18.4., 9.15 Uhr) nach den Plädoyers von Staatsanwalt und Verteidiger möglicherweise ihre Entscheidung verkünden.

Der mutmaßliche Mörder hatte nach fast vier Monaten im Prozess sein Schweigen gebrochen. Der Trödelhändler erklärte über seine Verteidiger, er habe den Mann nicht umgebracht. Er habe den 80 Jahre alte Rentner Ende Dezember 2006 tot in dessen Wohnung gefunden – mit einer Schusswunde in der Stirn. Eine kleine Pistole habe neben dem Sessel gelegen. Ihm sei dann der Gedanke gekommen, die Rente des Bekannten von rund 2000 Euro zu kassieren. Deshalb habe er die Leiche zerstückelt und in einer Kühltruhe versteckt. Mit dem Geld habe er seine Spielsucht finanziert.

Das Gericht befragte mehrfach einen Rechtsmediziner. Könnte es ein Suizid des Rentners gewesen sein? Der Experte erklärte dies aufgrund des festgestellten Schusswinkels und Schusskanals für „wenig wahrscheinlich“. Auch seien für einen aufgesetzten Schuss, wie er bei Selbsttötungen üblich sei, keine Schmauchspuren gefunden worden.

Polizisten hatten Anfang Januar 2017 die Wohnung des Rentners im Stadtteil Prenzlauer Berg geöffnet und den zerteilten Leichnam gefunden. Ein Mieter des Hauses hatte seinen Nachbarn nach Jahren als vermisst gemeldet. Der 80-jährige allein lebende Mann soll zwischen dem 30. Dezember 2006 und dem 1. Januar 2007 getötet worden sein.

Nach dem grausigen Fund war auch die Frage aufgekommen, ob ältere Menschen gerade in Großstädten zunehmend vereinsamen - und die Gesellschaft sich nicht genügend kümmert.

Laut Ermittlungen soll sich der Angeklagte als ein früherer Nachbar das Vertrauen des Seniors nach dem Tod von dessen Frau erschlichen haben. Er habe in der Nähe gewohnt, zeitweise einen kleinen Laden für An- und Verkauf betrieben und sich um den alten Mann gekümmert. Zeugen schilderten im Prozess, sie hätten den 56-Jährigen als freundlich, nett, hilfsbereit und handwerklich geschickt erlebt. Der Angeklagte erklärte, er habe jahrelang ein Doppelleben geführt.

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