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Komm auf Tour
Handlesen hat keinen goldenen Boden

„Komm auf Tour“ in der Pfarrkirche: Noch bis Donnerstag bleiben Daniel Kosic (links) und sein Team in Neuruppin, um Siebtklässlern Wege in die berufliche Zukunft aufzuzeigen.
„Komm auf Tour“ in der Pfarrkirche: Noch bis Donnerstag bleiben Daniel Kosic (links) und sein Team in Neuruppin, um Siebtklässlern Wege in die berufliche Zukunft aufzuzeigen. © Foto: Moz
Christian Schönberg / 17.04.2018, 07:45 Uhr
Neuruppin (MOZ) Eine Stärke kommt selten allein. Das lernten am Sonnabend die Siebtklässler der Puschkinschule in der Pfarrkirche. Einen Haufen Sticker hatten sie auf Schulter und Arm aufgeklebt bekommen. Jeder stand dafür, dass sie eine besondere Stärke – Redegewandtheit, Interesse an Tieren, Kreativität und vieles mehr –  an den Tag gelegt haben.

Das soll ihnen  dabei helfen, sich später für den richtigen Beruf zu entscheiden. Das Projekt „Komm auf Tour“, das das ermöglicht, macht alljährlich Station im Ruppiner Land, so dass mehr als 600 Siebtklässler des gesamten Landkreises in Erfahrung bringen, was sie gut können: „Es geht ja vor allem darum, dass sich sich selbst besser kennenlernen, um später ganz bewusst die richtige Entscheidung für den Beruf zu treffen“, so Hannah Pützer von den Organisatoren des Erlebnisparcours.

Da ist zum Beispiel der Zeittunnel. Daniel Kosic empfing dort die Puschkinschüler und präsentierte sich erstmal als Handleser – nur um zu verdeutlichen, dass sich damit die Zukunft nicht sagen lässt. Oder will Jonas tatsächlich ein Nagelstudio eröffnen? Gelächter, als ihm das Kosic voraussagte. „Die Zukunft hat jeder selbst in der Hand“, sagte er.

Deshalb ging es in die Röhre und mit ihr ins Jahr 2023. Viele meinten, schon zu wissen, was sie dann sind: Pilot zum Beispiel, Erzieherin, Bürofachkraft, Feuerwehrmann beim Bund. Doch Kosic nannte Beispiele, bei denen der Traum nicht erfüllbar war, zum Beispiel als der Polizistentraum an einer Augenkrankheit zerschellte oder der Marathonläufer, den ein Unfall ereilte, so dass er mit einer Prothese seinen Sport wechseln musste: „Es ist gut, einen Plan A zu haben. Es braucht aber auch einen Plan B und C – und der kann dann auch plötzlich passend sein“, so Kosic.

Bei der Station war unter anderem Susanne Hübner von der Kreisverwaltung dabei, den Jugendlichen Stärke-Sticker auf den Ärmel zu heften – je nachdem, was sie beobachtete oder die Schüler über sich äußerten. Auch bei den anderen Stationen wurde es bunt. So gab es die Theaterbühne, bei der die Siebtklässler spontan ein Stück einübten, das Labyrinth, das sie auf eine geheimnisvolle und lehrreiche Entdeckungsreise brachte, und schließlich die sturmfreie Bude: eine Art Wohnung, die mit handwerklichem Geschick wieder instandgesetzt werden musste.

Anhand der Sticker konnten die Schüler am Ende an einer großen Wandtafel ablesen, welcher Beruf für sie geeignet ist. Der Landkreis, die Arbeitsagentur und die Kammern unterstützen neben anderen das Projekt. Landrat Ralf Reinhardt (SPD) betonte, dass der Parcours bei der richtigen Berufswahl helfen kann, aber allein für sich den Erfolg nicht garantieren kann: „Es müssen ja auch immer die Rahmenbedingungen stimmen“, sagte er: Bezahlung und Arbeitszeiten spielen ein oft große Rolle – was zum Beispiel das Hotel- und Gaststättengewerbe spürt, wenn dort weniger Bewerbungen eingehen als zum Beispiel beim Baugewerbe oder in der Verwaltung. Dennoch: Den Plan B gut im Auge zu behalten, konnte auch Reinhardt den Schülern nur empfehlen. Als er so jung war wie sie, erzählte er, hätte er sich nichts anderes vorstellen können, als etwas im naturwissenschaftlichen Bereich zu machen. Doch es wurde eine Laufbahn als Jurist und Verwaltungsfachmann. Was kam am Ende dabei heraus: der Landratsposten.

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