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Politikprojekt
Begeisterung über Cannabis-Votum

Politiker im Gespräch: Vorn diskutiert Michael Jungclaus (B 90/Grüne) zur Frage, ob die Infrastruktur ausgebaut werden soll, während Marco Büchel am Tisch dahinter über die Bildungspolitik diskutiert. Auch Kristy Augustin und Christina Schade sind an den Thementischen. Nicht auf dem Bild ist Jörg Vogelsänger.
Politiker im Gespräch: Vorn diskutiert Michael Jungclaus (B 90/Grüne) zur Frage, ob die Infrastruktur ausgebaut werden soll, während Marco Büchel am Tisch dahinter über die Bildungspolitik diskutiert. Auch Kristy Augustin und Christina Schade sind an den Thementischen. Nicht auf dem Bild ist Jörg Vogelsänger. © Foto: Margrit Meier
Meier, Margrit / 17.04.2018, 07:45 Uhr
Neuenhagen bei Berlin (MOZ) Neuenhagen. Dialog P – dahinter steckt ein Angebot des Brandenburger Landtags an Schulen und Schüler, mit Politikern ins Gespräch zu kommen und zu erfahren, wie Politik funktioniert. Fünf Landtagsabgeordnete waren jetzt zu Gast an der Oberschule des IB.

Dieser Politik-Unterricht wird sicher den Zehntklässlern der IB-Oberschule im Gedächtnis bleiben. Denn sie hatten Gäste. Kristy Augustin (CDU), Christina Schade (AfD), Marco Büchel (Linke), Michael Jungclaus (B 90/Grüne) und Jörg Vogelsänger (SPD) stellten sich den Fragen der Schüler, die sie zuvor im Unterricht erarbeitet hatten.

Sie hatten Glück, dass die Landtagsabgeordneten Profis sind, denn die fünf Fragen waren so formuliert, dass auch ein schlichtes Ja als Antwort gereicht hätte. Fünf Politiker, fünf Fragen, fünf Tische und je zehn Minuten Zeit, sich zu artikulieren, lauteten die Grundregeln.

Sollten dem Lehrermangel und dem sinkenden Bildungsniveau nicht aktiv entgegengewirkt werden? Kristy Augustin merkte man deutlich an, dass ihr dieses Thema unter den Nägeln brennt. Brandenburg befinde sich seit Jahren, wenn es um die Bildungspolitik ginge, in einem Testlauf, kritisierte die Christdemokratin. Der Lehrermangel sei hausgemacht und ärgerlich für Eltern und auch Schüler. Aus der Not heraus werde nun versucht, mit Hilfe von Seiteneinsteigern den Lehrermangel aufzufangen. Doch dies sei eine weitere enorme Belastung für das vorhandene Pädagogenteam und nicht jeder, der sich nun zum Lehrer berufen fühle, könne diese Arbeit auch machen. Noch genauer, verlangte sie, müsse man schauen, wer für welches Fach mit seiner entsprechenden Vorbildung geeignet sei. Aber auch der Lehrplan selber, kritisierte etwa Elias, sei diskutabel. „Der Aufbau eines Fisches, wer braucht das?“, fragte er.

Michael Jungclaus diskutierte derweil über die Frage, ob Cannabis legalisiert werden solle. Ganz deutlich bekannte er sich dazu. „Ich würde mir aber auch wünschen, dass wir über die Droge Alkohol öffentlicher sprechen. In jedem Film wird mit Alkohol kokettiert“, kritisierte er. Für Steven war diese Diskussion super spannend: „Es war für mich interessant, von einem Politiker zu hören, dass er für die Legalisierung ist  und nicht einfach nur Nein sagt“, sagte der Schüler.

Minister Jörg Vogelsänger musste sich derweil mit der Altersarmut beschäftigen. Denn da lautete die Frage, ob die Politik der Armut und insbesondere der Altersarmut entgegenwirken sollte. Vogelsänger bekannte sich klar zum Mindestlohn, denn zum Grundgehalt. Man müsse schauen, welche Berufe besonders schlecht bezahlt werden, sagte er. Schülerin Antonia beklagte, dass die schlechte Bezahlung bereits bei den Azubis beginne. Vogelsänger bestätigte dies, ist aber der Meinung, dass die Unternehmen da von sich aus jetzt schon nachbessern, da sie Hände ringend Auszubildende suchen.

Jeremy aus Hönow und seine Mitschülerin Samira aus Hoppegarten besuchen dieselbe Schule. Doch Samira muss mindestens eine halbe Stunde früher aufstehen, um pünktlich zum Schulbeginn da zu sein, da der Bus so schlecht führe, sagte er einleitend zur Diskussion mit Christina Schade (AfD) zur Frage: Sollte verbessert werden? Seit 27 Jahren, bemängelte die Politikerin, sei nicht genügend getan worden und wachse Brandenburg entgegen aller Vorhersagen. Wichtig sei, dass so rasch wie möglich die einst vorhandene, aber eingestellte Infrastruktur, etwa Buslinien, wieder in die Orte hineinkäme. Der Erhalt vorhandener ÖPNV-Angebote sei genauso wichtig wie die Reaktivierung, betonte sie.

Wer verstehen wolle, warum sich Menschen auf die Flucht begeben, der müsse mit ihnen sprechen, riet Marco Büchel (Linke) beim Thementisch: Sollten Flüchtlinge hinsichtlich Sprache, Schule und Arbeit besser integriert werden? In Deutschland gebe es die Schulpflicht, also müssten auch Flüchtlinge die Sprache lernen und zur Schule gehen.  Der Vorsitzende des Europaausschusses betonte, dass die wichtigste Aufgabe aller aber sei, dafür zu sorgen, dass die Menschen ihre Heimatländer nicht verlassen müssen. Es nehme ihn immer sehr mit, wenn er mit Flüchtlingen spreche, die ihm erzählten, wie es ihnen ergangen ist, die Familienangehörige auf der Flucht verloren haben.

„Also, das war mal richtig gut heute. Es war toll, mit Politikern zu sprechen und sich auch einiges erklären lassen zu können. Ach, und spannend fand ich auch, wie die Politiker auf die Frage nach der Legalisierung von Cannabis reagiert haben“, lachte der Zehntklässler Erkan zum Schluss von Dialog P.

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Hans-Peter Küllmer 17.04.2018 - 08:40:08

Cannabis vs. Alkohol vs. Zucker vs. Koffein

Wir verdanken der Lobby der Weinhersteller oder Bierproduzenten viel. Auch die Energiedrinks sind unter den Jugendlichen nicht mehr wegzudenken. Und all dies kann der Gesundheit unzuträglich sein. Wenn man aber bedenkt, dass die Krankenkassen immer weniger Cannabis aus medizinischen Gründen erstatten, haben wir hier für dieses „Produkt“ im tägliche Leben noch einen weiten Weg zu gehen. Für viele Betroffenen in der Therapie von Schmerzen oder psychischen Erkrankungen die letzte Hoffnung im täglichen Leben. Deshalb ist eine Wertediskussion hierzu im Land wichtig, in dem wir uns fragen, was wir durch eine gesteuerte Legalisierung erreichen könnten.

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