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Polizei kontrolliert bis Freitag stadtweit Abbieger an gefährlichen Kreuzungen

Verkehrskontrollen
Fehler, die tödlich sein können

Bitte anhalten! Autofahrer werden am Bundesplatz nach Abbiegefehlern aus dem Verkehr gezogen.
Bitte anhalten! Autofahrer werden am Bundesplatz nach Abbiegefehlern aus dem Verkehr gezogen. © Foto: MOZ/Maria Neuendorff
Maria Neuendorff / 17.04.2018, 08:30 Uhr
Berlin (MOZ) Nicht in den Spiegel geschaut, Schulterblick vergessen, noch schnell bei Rot abgebogen: Fehler von Autofahrern an Kreuzungen können für Radfahrer tödlich enden. Um darauf aufmerksam zu machen, führt die Berliner Polizei in dieser Woche in der gesamten Stadt  Kontrollen bei Abbiegern durch.

Die beiden Männer, die sich an der Kreuzung Bundesplatz/Wexstraße in Wilmersdorf herumdrücken, würde man eher für Vagabunden als für Polizisten halten. Die Verkleidung als heruntergekommene Typen ist filmreif, das Funkgerät gut unter dem weiten abgeranzten grünen Parker versteckt. Es wird erst gezückt, wenn ein Autofahrer beim Abbiegen einen Fehler macht. So wie der junge BMW-Fahrer, der einfach weiterfährt, obwohl die Ampel gerade auf Rot gesprungen ist. Nur wenige hundert Meter weiter wird er nun von Polizisten mit roter Kelle aus dem Verkehr gezogen. „Weil ich nach Radfahrern geschaut habe, habe ich gar nicht gemerkt, dass die Ampel schon umgeschaltet hat“, versucht der junge Berliner sein Fehlverhalten zu erklären.

Die Polizisten kennen diese Ausrede schon. Neben einer Belehrung gibt es eine Anzeige plus Bußgeldbescheid über 55 Euro. „Bis zum Freitag wird es in ganz Berlin Verkehrskontrollen an kritischen Kreuzungen geben“, erklärt Torsten Kühl vom Fachstab Verkehr. „Jeder Abschnitt beteiligt sich daran.“

Denn durch fahrlässige Fehler beim Abbiegen von Lkw- und Pkw-Fahrern kam es im vergangenen Jahr zu 784 Unfällen. Vier  Radfahrer starben. 56 wurden schwer,  657 leicht verletzt. „Der Radverkehr in Berlin nimmt zu, die Stadt wächst, wenn man da keine Rücksicht aufeinander nimmt, hat das fatale Folgen“, sagt Kühl.

Doch weil es an diesem Montagvormittag regnet, sind nur wenig Radfahrer unterwegs. Ein Student, der auf einem alten Klapprad angefahren kommt, hat nicht nur einen Kaffeebecher in der Hand, sondern auch Stöpsel im Ohr. „Die Musik darf nicht so laut sein, sonst können Sie kein Martinshorn oder Hupen hören“, belehrt ihn eine Beamtin.

Dann knistert es wieder im Funkgerät. „Blauer Audi, Fahrer hat beim Abbiegen das Handy am Ohr“, geben die Kollegen durch. 100 Euro und ein Punkt in Flensburg heißt das für den Mann aus Sachsen-Anhalt, der weiter über das Display wischt, während seine Daten überprüft werden. „Obwohl die Strafen dafür gerade erhöht wurden, sind das die häufigsten Verstöße“, berichtet ein älterer Beamter. „Manchmal tippen die Leute sogar weiter, obwohl wir mit dem Streifenwagen neben ihnen fahren, so abgelenkt sind sie.“

Als die Polizisten nach zwei Stunden und rund zehn Verstößen abziehen wollen, passiert direkt vor ihren Augen das, vor dem sie warnen wollen. Ein weißer Sprinter biegt in eine kleine Seitenstraße ab, ohne auf einen Radfahrer zu achten. Der muss sogar abbremsen. „Das war knapp, wäre der Radfahrer schneller gewesen, hättest du ihn erwischt“, sagt der Polizist zu dem jungen Lieferanten, der Baumaterialien geladen hat.

Es ist seine erste Fahrt alleine mit dem Dienstwagen. „Ich muss mich erst daran gewöhnen, dass ich auf der Beifahrerseite hinten keine Fenster habe. Das macht den Schulterblick schwierig“, sagt der 18-Jährige verdrossen, der mit 30 Euro wegen Behinderung und einem Schrecken davonkommt.

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