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Förderpreisträgerin Christiane Bergelt stellt in der Galerie im Rathaus Biesenthal aus

Ausstellung der Förderpreisträgerin
Verborgene Figuren

Hat sich den Raum künstlerisch erobert: Christiane Bergelt in der Rathausgalerie Biesenthal
Hat sich den Raum künstlerisch erobert: Christiane Bergelt in der Rathausgalerie Biesenthal © Foto: Inga Dreyer
Inga Dreyer / 17.04.2018, 09:00 Uhr
Biesenthal Mit den drei kleinen Worten „ja ja ja“ ist die Ausstellung von Christiane Bergelt überschrieben, die derzeit in der Galerie im Rathaus Biesenthal (Barnim) zu sehen ist. Eine lapidare Überschrift? Nur auf den ersten Blick.

Denn die Räume im 1760 erbauten Fachwerkhaus dienen als Galerie und Trauzimmer zugleich. An einem solchen Ort hat auch ein kleines „Ja“ große Bedeutung.

Eine dunkle Küchenecke mit großer Feuerstelle, ein schmaler Flur und ein großes, helles Trauzimmer: Christiane Bergelt hat für alle Räume Werke gefunden, die mit den unruhigen Strukturen harmonieren. In der Küchenecke hängt ein Bild, auf dem man meint, eine Figur erahnen zu können, die sich mit einem Ruder in der Hand über ein wildes Meer bewegt. Die Farbe der Rathaustüren findet sich nicht nur in diesem Bild wieder. „Ich liebe dieses kalte Grün sehr und verwende es gerne in meinen Bildern“, sagt Christiane Bergelt, die 2017 mit dem Förderpreis des Brandenburgischen Kunstpreises ausgezeichnet wurde. Die meisten ihrer ausgestellten Werke erscheinen auf den ersten Blick abstrakter.

Und doch gehe sie beim Malen immer von der Figur aus, erzählt die Künstlerin: „Neben Material, Farbe und Papier ist die Figur der wichtigste Ausgangspunkt.“ Sie arbeitet hauptsächlich mit Öl, aber auch mit Aquarell und Gouache. Als Untergrund verwendet sie am liebsten Papier. „Aber ich mache immer wieder Ausflüge auf Leinwand.“

Ein anderer Abstecher führte sie unlängst zu kolorierten Holzschnitten. „Damit habe ich vor zwei oder drei Jahren in Island begonnen.“ In Biesenthal zeigt sie eine in dunklen Farben gehaltene und geheimnisvoll wirkende Serie von drei Holzschnitten.

Ursprünglich stammt Christiane Bergelt aus dem sächsischen Marienberg und hat unter anderem an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg und am Chelsea College of Arts in London studiert. Seit sieben Jahren lebt sie in einem Haus ihrer Familie bei Chorin. „Allein im Wald“, wie sie sagt.

Seit Kurzem hat sie auch einem Atelierraum: im Projekthaus AHA in Angermünde (Uckermark). Dort sei Platz, um an großen Formaten zu arbeiten. „Ich arbeite gerne in Größen, die die eigene Körpergröße überschreiten.“ Wenn diese vor ihr auf dem Boden liegen, sei sie quasi im Bild drin. Entscheidungen treffe sie meist schnell. „Auf dem Weg zum Bild hoffe ich immer, dass irgendwelche Überraschungen passieren.“

Im hellen Saal der Biesenthaler Rathausgalerie hängt vor beigefarbenem Fachwerk eine Serie von Bildern mit fröhlicheren Farben. Helles Gelb und Lilatöne leuchten vor weißem Grund. Doch hinter der scheinbaren Leichtigkeit verbergen sich schwere Themen – Bilder des körperlichen Verfalls, berichtet Christiane Bergelt. Mithilfe eines Lösungsmittels habe sie Ausdrucke mönchischer Meditations-Bilder übertragen und diese Nitro-Frottagen mit Aquarellfarben bemalt.

Die Galerie im Alten Rathaus Biesenthal, das direkt am Berlin-Usedom-Fernradweg gelegen ist, gibt es seit 2008. „Dieses Gebäude ist einfach ein Kleinod“, sagt Sabine Voerster, die als Mitglied des Galeriebeirates die Ausstellung kuratiert hat. Dort Kunst zu zeigen, sei aber auch eine Herausforderung. Sie betont, wie gut es Christiane Bergelt gelungen sei, die bewegten Strukturen des alten Hauses einzubeziehen.

Besonders angetan habe ihr eine kleine Kammer, der Hintereingang zum Saal, erzählt die Künstlerin. In diesem engen und intimen Raum zeigt sie unter anderem das in dunklen Rottönen gehaltene Werk „triangolo rosa“, auf dem ein rosafarbenes Dreieck leuchtet. Der „Rosa Winkel“ diente in NS-Konzentrationslagern zur Kennzeichnung von Homosexuellen. „Ich dachte: Hier kann so was ganz Starkes rein“, sagt Christiane Bergelt.

Nicht nur in Biesenthal, auch in Brandenburg an der Havel sind derzeit Bilder von ihr zu sehen. Bis zum 8. Juni läuft die Gruppenausstellung in der Kunsthalle Brennlabor.

Bis 6. Juni, Di/Do 9–12/14–18 Uhr, Sa 11–16 Uhr, ab Mai Di/Do 10–12/13–18 Uhr, Fr 10–16 Uhr, Sa/So 10–15 Uhr, Galeriegespräch am 27. Mai; Galerie im Rathaus Biesenthal, Am Markt 1

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