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Schatzfinder
Bodendenkmalpflege im Ehrenamt

Hunderte Münzen wurden 2014 durch einen ehrenamtlichen Bodendenkmalpfleger auf einem Acker bei Götz (Potsdam /Mittelmark) entdeckt. Es handelte sich fast ausschließlich um zweiseitige Silberpfennige der Mark Brandenburg, geprägt um 1250/1260.
Hunderte Münzen wurden 2014 durch einen ehrenamtlichen Bodendenkmalpfleger auf einem Acker bei Götz (Potsdam /Mittelmark) entdeckt. Es handelte sich fast ausschließlich um zweiseitige Silberpfennige der Mark Brandenburg, geprägt um 1250/1260. © Foto: Kersting
Rene Wernitz / 17.04.2018, 14:13 Uhr
Wünsdorf (BRAWO) Ein 13-Jähriger ist der Held einer archäologischen Erfolgsgeschichte, die in dieser Woche die Runde macht. Im Januar fand er, ausgerüstet mit einem Metalldetektor, auf einem Acker auf der Ostseeinsel Rügen ein kleines Stück Metall. Dieses hielt Luca für Aluminium. Der Hobbyarchäologe, der den Schüler begleitete, machte umgehend Meldung im für Mecklenburg-Vorpommern zuständigen Landesamt für Kultur und Denkmalpflege. Drei Monate wurde der Fund geheim gehalten, bis Profiarchäologen nun einen Schatz bargen - unter anderem Schmuck und Münzen aus dem 8. bis 10. Jahrhundert.

Mehr als 100 Münzen wurden während der Regentschaft des dänischen Wikingerkönigs Harald Blauzahn (910-987) geprägt. Deshalb ist bei diesen nun von Blauzahn-Münzen die Rede. Die Fachwelt jubelt über einen der größten Wikingerschatz-Funde in der Region. Indes kommen auch Schüler Luca Malaschnitschenko und der Hobbyarchäologe groß raus. Bei René Schön spricht man besser von einem ehrenamtlich tätigen Bodendenkmalpfleger. Solche Leute gibt es auch im Land Brandenburg.

Laut Dr. Thomas Kersting, Leiter der Archäologischen Denkmalpflege im Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege (BLDAM), arbeite man mit etwa 200 Leuten zusammen. Unter den ehrenamtlichen Bodendenkmalpflegern würden sich auch rund 50 befinden, die mit Metallsonden unterwegs sind. Für Kersting ist es überaus erstaunlich, was Dank des Geräts auch in märkischer Erde aufgespürt werden kann. Er verweist auf die Geschichte des Mittelmärkers Sieghard Wolter, der im Januar 2014 auf einem Ackerstück bei Götz einen mittelalterlichen Münzschatz fand. Seit 2011 besaß der Finder eine Genehmigung nach Paragraph 10 des Brandenburgischen Denkmalschutzgesetzes (BbgDSchG), weshalb er mit technischen Hilfsmitteln (Metallsuchgerät) nach Bodenfunden suchen durfte. Er entdeckte hunderte Münzen in einem alten Tontopf. Sieghard Wolter informierte umgehend das BLDAM in Wünsdorf mit einem Foto per Handy, so dass der Fund umgehend besichtigt und in Verwahrung genommen werden konnte. Einen Tag später fand eine Nachsuche statt, und es erfolgte die genaue Einmessung der Fundstelle durch Mitarbeiter der Landesamts.

Laut Thomas Kersting sei er der richtige Ansprechpartner für Brandenburger, die wie Sieghard Wolter auf dem Gebiet der Bodendenkmalpflege ehrenamtlich tätig sein wollen. Da aber nicht wenige Interessenten nur Schlachtfelder nach Militaria (Orden, Dolche, Helme etc.) absuchen wollten, würde man sich seitens des BLDAM reichlich Zeit nehmen, um wirklich vertrauenswürdige Leute heraus zu filtern. Die Ausbildung dauert demnach zwei Jahre und beinhaltet 12 bis 16 Veranstaltungen. In diesen würden die künftigen ehrenamtlichen Bodendenkmalpfleger mit Informationen versorgt, die andere nicht erhalten - so zum Beispiel über potentielle archäologische Fundplätze, so Kersting. Eine zusätzliche Hürde auf dem Weg ans Ausbildungsziel sei der Beitritt zur Archäologischen Gesellschaft Berlin-Brandenburg. Aktuell zählt sie mehr als 500 Mitglieder. Der 1992 gegründete Verein mit Sitz in Potsdam bildet sozusagen die Schnittstelle zwischen hauptberuflichen und ehrenamtlichen Denkmalpflegern.

Wer die Ausbildung erfolgreich beendet, erhält ein Dokument, das die ehrenamtliche Tätigkeit für das BLDAM dokumentiert. Zusätzlich gibt es eine Lizenz, die zum Suchen mit Metallsonde berechtigt. Wer ohne Lizenz unterwegs ist, begeht laut Paragraph 10 des BbgDSchG eine Ordungswidrigkeit.

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