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Arbeitseinsatz
Klimaschutz im Feldformat

Volkmar Ernst / 17.04.2018, 20:01 Uhr
Großmutz/Eberswalde (MOZ) Je größer die Ackerfläche, umso größer der Ertrag. Geht das auch anders? Das prüft derzeit die Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE) mit einem Projekt auf einer Versuchsfläche der Agrar GmbH bei Großmutz.

Bereits im vergangenen  Jahr haben Studenten der HNEE Bäume auf dem 10,5 Hektar großen Areal gepflanzt. Mit Birne, Elsbeere, Baumhasel, Traubeneiche und Speilerling durchaus hochwertige Holzarten, die später sogar für den Verkauf „geerntet“ werden können, um dem Landwirt eine zusätzliche Einnahmequelle zu sichern. Die im Abstand von rund 38 Metern auf dem Acker stehenden Tubex-Hüllen zeigen an, wo die Setzlinge sind. Der Abstand wurde so gewählt, dass der Landwirt die Fläche ohne Problem bewirtschaften kann, also auch mit seiner Technik zur Bestellung aufs Feld kommt. Ein sehr wohl gewollter Nebeneffekt der Hüllen ist, sie schützen die Setzlinge vor Wildverbiss, denn gerade Rehe lieben die frischen Knospen der Bäume.

Nun waren die Studenten abermals auf der Versuchsfläche im Einsatz. Diesmal wurden entlang der Ackergrenze Setzlinge für eine Wildschutzhecke in die Erde gebracht: Pfaffenhütchen, Weißdorn, Hundsrose, Waldhasel und Co. Durchaus Schwerstarbeit für die Studenten, die mit Erdbohrer, Spaten, Schippe und Karre im Einsatz waren, um die Löcher für die jungen Pflanzen auszuheben und diese danach in die Erde zu bringen. Aber es macht Spaß, wie der Gruppe anzumerken ist. Das Wetter könnte besser sein, doch für die Pflanzen ist die Nässe ideal, dass sie anwachsen.

Warum eine Hecke  angelegt wird, erklärt Olef Koch, der als Tutor die Gruppe betreut: „In diesem Projekt geht es speziell um die Winderosion und die Austrockung.  Je größer ein Feld ist, umso größer ist auch die Angriffsfläche für den Wind. Der kann den Boden aufnehmen und wegtragen. Oft drückt der Wind auch die Halme auf einem Feld nieder. Eine Hecke kann das verhindern, wenn sie dem Wind sozusagen im Wege steht“, so der Fachmann. Umgekehrt können die Sträucher der Hecke vielleicht als Wasserspeicher dienen, also verhindern, dass der Boden austrocknet. Nicht vergessen werden darf, dass eine Hecke auch ein Lebensraum für Tiere und Pflanzen ist, die sich im Schutz der Blätter entwickeln. „In einer Hecke legen beispielsweise Florfliegen ihre Eier ab, aus denen im Frühjahr dann neue Tiere schlüpfen. Da Florfliegen Blattläuse lieben, verhindern sie den Befall der Bäume mit den Läusen“, erklärt Koch, warum eine Hecke nützlich sein kann. Außerdem nutzen Rehe die Hecken als Orientierung. Dadurch wird verhindert, dass sie quer über eine Ackerfläche laufen.

Viel Theorie, die jedoch mit der Langzeitstudie in der Praxis überprüft werden soll. Hintergrund ist die spezifische Datensammlung, ob der Ackerbau auf einer Agroforstfläche auch gewinnbringend funktionieren kann. Wie wirkt sich der Laub-eintrag auf die Ackerfläche aus? Wirken Hecke und Bäume tatsächlich dem Bodenabtrag entgegen und verhindern die Austrocknung? Alles Fragen, die anhand der über Jahre gesammelten Daten beantwortet werden sollen. Dann werden zwar die Studenten, die die Setzlinge in den Boden gebracht haben, bereits als Land- oder Forstwirte, Öko-Systemmanager oder im Landschafts- und Naturschutz oder einer Behörde arbeiten. Einige werden jedoch nächstes Jahr wiederkommen, um zu überprüfen, ob die Pflanzen angewachsen sind.

Hochschule

■ Die Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde wurde 1830 zunächst als Höhere Forstlehranstalt in gegründet und besteht in der jetzigen Form seit 1992.

■ Seit zwei Jahren fördert die HNEE „Innovative Lehr- und Lernmethoden (ILL). Dabei stehen problembasiertes und forschendes Lernen im Vordergrund. Studenten werden aktiv in die Lehre einbezogen und können sich in bestimmten Themenbereichen Praxisbeispielen widmen.

■ Die ILL „Agroforst: Modellprojektin Brandenburg“ gibt es seit dem Sommersemester 2017.⇥ (veb)

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