Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Bedenken wegen Personalkosten und Hygiene bei Mehrweggeschirr für Großveranstaltungen / Ingo Pohl (SPD) hält weiter dagegen

Fest-Geschirr
Stadt und Gastronomen sehen Pfandsystem kritisch

Bunter Hering: Jedes Stadtfest wird mit traditionellen Heringsgrapschen eröffnet. Anschließend gibt es kühle Getränke – bislang meist in Wegwerfbechern.
Bunter Hering: Jedes Stadtfest wird mit traditionellen Heringsgrapschen eröffnet. Anschließend gibt es kühle Getränke – bislang meist in Wegwerfbechern. © Foto: Michael Benk
Thomas Gutke / 17.04.2018, 20:17 Uhr
Frankfurt (Oder) (MOZ) Stadt, Abfallentsorger und Veranstalter sehen eine Umstellung auf Pfandbecher und Mehrweggeschirr  bei Großveranstaltungen in Frankfurt mehrheitlich kritisch. Das ist das Ergebnis einer Prüfung durch die Verwaltung, die Ingo Pohl von der SPD-Fraktion im Stadtparlament angestoßen hatte. Morgen steht das Thema im Umweltausschuss auf der Tagesordnung.

Geprüft werden sollten Auflagen zur Vermeidung  und Verwertung von Abfall bei Veranstaltungen wie dem Stadtfest, Weihnachtsmarkt oder das Helene Beach Festival. „Ziel sollte eine Umstellung auf ein Mehrwegsystem und ein Pfandsystem für Trinkbecher und Flaschen, Geschirr und Bestecke bei diesen Veranstaltungen sein“, hieß es im Antrag von Ingo Pohl. Denn „trotz zahlreicher aufgestellter Mülleimer landet viel Plastikmüll auf öffentlichem Straßenland. Dies beeinträchtigt zum einen die öffentliche Ordnung und verursachte unnötige Kosten. Zum anderen gefährden die Plastikgegenstände in erheblichem Maße die Umwelt, insbesondere wenn sie in die Oder gelangen“, befand er.

Die Verwaltung holte daraufhin Stellungnahmen von Beteiligten ein und befragte Frankfurter Veranstalter. Kritisch bewertet den Einsatz von Mehrweggeschirr unter anderem die Frankfurter Dienstleistungsholding als Abfallentsorger. Beim Bunten Hering 2017 sammelte sie 3,62 Tonnen Abfall ein, es seien Kosten in Höhe von 547 Euro angefallen. Die FDH bezweifelt, dass ein Pfandsystem das Abfallaufkommen signifikant reduzieren würde. Zwar werde die Ordnung verbessert, doch die Umstellung stelle „eine hohe Belastung für die Händler dar“ und sei „umständlich in der Handhabung“, heißt es in der Information.

Auch die Veranstalter sehen in einer Umfrage die Einführung eines Mehrwegsystems skeptisch. Preiserhöhungen wären dann unvermeidlich, weil es für das Spülen von Gläsern und Geschirr mehr Personal braucht. Zudem äußerten die Befragten – wie auch die Lebensmittelüberwachung der Stadt – hygienische Bedenken. Beispielsweise könnten unbemerkte technische Störungen von Abwaschstationen zur Verbreitung von Keimen führen, argumentieren die Befragten. Zudem hätten Plastikbecher eine schlechtere Umweltbilanz als recycelbare Einwegbecher. „Der Verbrauch von Trinkwasser für die Reinigung der Mehrwegbecher ist immens“, heißt es. Weiterer Kritikpunkt: „Besucher müssten sich mindestens zweimal anstellen, um ein Getränk zu konsumieren“ – zum Kaufen und zum Geschirr abgeben.

Für sinnvoll wird dagegen ein verbessertes Recyclingsystem gesehen. Mehr Mülleimer, ein Trennsystem, zusätzliche große Tonnen – darüber sollen nun Gespräche mit der FDH geführt und ein Projekt entwickelt werden, schlägt die Verwaltung vor.

„Dazu braucht man doch kein Konzept, das ist doch eine Selbstverständlichkeit“, findet hingegen gegen Ingo Pohl und kritisiert die vorliegende Informationsvorlage. „Ich hätte mir eine unabhängigere Einschätzung gewünscht und bin nachwievor der Meinung, dass ein Mehrwegsystem ökologisch Sinn macht. Andere Städte  machen es uns doch vor“, sagt der 74-Jährige. Die Anschaffung beispielsweise eines zentralen Geschirrmobils durch die Messe- und Veranstaltungs GmbH hielte er für sinnvoll. „Und warum soll man kein Personal finden? Es gibt immer noch so viele Arbeitssuchende.“

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.
Roland Totzauer 19.04.2018 - 15:31:25

Ich unterstütze Ingo Pohl!

Eine nachhaltige Müllvermeidung ist langfristig für alle Bürger und für unsere Umwelt das Beste. Die Frankfurter Bequemlichkeit zeigt sich in der beschriebenen Haltung der Händler und der Stadtverwaltung. Andere Städte machen es vor, dass Müllvermeidung besser funktioniert und langfristig organisiert werden kann. Offenbar ist der Leidensdruck durch Frankfurts Umweltverschmutzung noch immer nicht groß genug. Die Stadtpolitik sollte Macht ausüben, um einen umweltverträglicheren Umgang mit Müll anzustoßen, statt noch immer dem Motto zu folgen "Nach uns die Sinnflut"!

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG