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Nach tödlichem Fahrradunfall
Kreuzung soll sicherer werden

Geisterrad wird zum Mahnmal: Viele Oranienburger und Gäste der Stadt legten Blumen an der Unfallkreuzung nieder und zündeten Kerzen an.
Geisterrad wird zum Mahnmal: Viele Oranienburger und Gäste der Stadt legten Blumen an der Unfallkreuzung nieder und zündeten Kerzen an. © Foto: MOZ/Tilman Trebs
Tilman Trebs / 19.04.2018, 19:45 Uhr - Aktualisiert 20.04.2018, 12:15
Oranienburg (MOZ) Neun Tage nach dem tödlichen Fahrradunfall in Oranienburg werden erste Konsequenzen gezogen. An der Unglückskreuzung sollen die Fahrstreifen und Halteflächen für Radfahrer auffälliger gestaltet und dafür gesorgt werden, dass die unmotorisierten Verkehrsteilnehmer besser gesehen werden. Das wurde am Donnerstag nach einem Vor-Ort-Termin von der Verkehrsunfallkommission des Landkreises vereinbart. Am Abend zuvor hatten 100 Menschen bei einer Mahnwache der vor einer Woche an der Ecke Lehnitz-/André-Pican-Straße tödlich verunglückten Radfahrerin gedacht.

Das schneeweiße Geisterfahrrad in der Oranienburger Lehnitzstraße zieren seit Mittwochabend Blumen und Kerzen. Mehr als 100 Menschen waren an die Kreuzung Lehnitz-/Ecke André-Pican-Straße gekommen, um der dort eine Woche zuvor ums Leben gekommenen Radfahrerin zu gedenken. Am Ende haben sie ihr ein Denkmal gesetzt – und ein Plädoyer für mehr Rücksichtnahme im Straßenverkehr gehalten.

„Ich bin sehr gerührt. Mit so vielen Menschen habe ich nicht gerechnet“, sagte der bündnisgrüne Stadtverordnete und Initiator der Mahnwache, Thomas Hebestreit. „Das zeigt, dass es offenbar vielen ein Anliegen ist, ein Zeichen zu setzen.“ Auch Bürgermeister Alexander Laesicke (parteilos) reihte sich ein. „Ich bin dankbar für die Initiative. Es ist wichtig, nicht einfach zur Tagesordnung überzugehen, wenn ein Mensch verunglückt, wenn eine Seele einfach nicht mehr da ist. Da ist es richtig und wichtig, dass die Menschen zusammenkommen und einfach mal innehalten.“ Jeder Unfall, vor allem jeder tödliche, sei „eine Niederlage, die wir uns eingestehen, und aus der wir lernen müssen.“

Waren die Debatten nach dem Unfall in den sozialen Netzwerken teilweise giftig mit gegenseitigen Schuldzuweisungen zwischen Auto- und Radfahrern geführt worden, stand bei der Mahnwache zunächst das Verbindende im Vordergrund. „Gegenseitige  Rücksichtnahme ist das A und O im Straßenverkehr“, sagte Paul Krutwig, der eine Blume für die verstorbene Radfahrerin niedergelegt hatte. „Die Achtsamkeit im Verkehr gilt für alle, für Radfahrer und für Autofahrer. Die gegenseitige Rücksichtnahme hat Priorität“, sagte die Oranienburger Ortsvereinsvorsitzende der Radfahrerorganisation ADFC, Adelheid Martin. Dennoch dürfe sich niemand darauf verlassen, dass andere auf einen achten. „Jeder muss selbst auf sich achten.“ Gleichzeitig kritisierte sie, dass Radfahrer noch zu wenig von Autofahrern akzeptiert würden. Martin sagte, sie sei „erschreckt und unglücklich darüber, dass wieder etwas passiert ist“. Gerade Abbiegeunfälle machten sie betroffen. „Wir fordern seit Jahren, dass Abbiegeassistenten zur Pflicht werden.“ Zudem hoffe sie, dass die Kreuzung in absehbarer Zeit zu einem Kreisverkehr umgebaut werde, der für Radfahrer sicherer sei. Das Ziel verfolgt auch die Stadt, ist dabei aber auf das Wohlwollen des Landes angewiesen.

Thomas Hebestreit forderte, dass der Straßenverkehr in der Stadt künftig nicht mehr „um das Auto herum“ geplant werde. Fußgänger und Radfahrer müssten im Mittelpunkt der künftiger Konzeptionen stehen, der Verkehr insgesamt verlangsamt werden. 

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Mahnwache für getötete Radfahrerin

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