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Teufelsbruch & Co.
Ein Gebiet mit besonderen Ansprüchen

Gaben Anregungen und Ideen: die Teilnehmer des Workshops.
Gaben Anregungen und Ideen: die Teilnehmer des Workshops. © Foto: Passow
Silvia Passow / 19.04.2018, 22:55 Uhr
Schönwalde-Glien (MOZ) Im Erlebnispark Paaren/Glien wurden jüngst die ersten Ergebnisse zu den Arbeiten an einem Managementplan für das Fauna-Flora-Habitat (FFH) Muhrgraben mit Teufelsbruch vorgestellt. Miriam Deponte von Pro-Agro skizzierte zudem ein mögliches Beschilderungssystem für das Areal. Platz für die unterschiedlichen Fragen der Anwesenden, weiterführende Informationen, Denkanstöße und Diskussionen blieb auch.

Das FFH-Gebiet Muhrgraben mit Teufelsbruch stellt in vielerlei Hinsicht eine Besonderheit dar. Drei Gemeinden sind in die Planung und Abstimmung einzubeziehen: Schönwalde-Glien, Oberkrämer und Hennigsdorf. Die Zahl der unterschiedlichen Akteure in dem Gebiet ist groß, die Interessenlage vielschichtig und mit den Bauplänen für den Fliegerhorst in Schönwalde auch noch nicht vollumfänglich absehbar. Eine neue Heimat für etwa 3200 Einwohner will der Investor hier schaffen. Schäfer Olaf Kolecki bewirtschaftet mit seinen Schafen das Grünland der angrenzenden Wiesen. In Schönwalde gibt es viele passionierte Reiter, sie würden ihre Leidenschaft auch weiter gern in unmittelbarer Umgebung auf dafür eingerichteten Reitwegen frönen. Spaziergänger, Radfahrer, Hundebesitzer, Pächter der Wälder, Landwirte, sie alle haben unterschiedliche Vorstellungen. Und dann ist da noch der Naturschutz, das Hauptanliegen bei dem Projekt.

Zunächst: Was genau muss am Muhrgraben und Teufelsbruch geschützt werden? Das zuständige Planungsbüro Yggdrasil Diemer, vertreten durch Susanne Diemer, teilt die Fläche in unterschiedliche Lebensraumtypen ein. So besteht das Areal zu 36 Prozent aus feuchtem Grünland, 32 Prozent sind Laubwald, Grünlandbrachen, Staudenflure, Röhrichte und Sümpfe machen 22 Prozent aus. Der Rest teilt sich in Mischwald, Nadelwald, Ackerland und Binnengewässer auf. Eine abschließende Beurteilung des Geländes steht noch aus.

Zum einen werden die Grenzen des FFH Gebietes noch einmal neu definiert, dies betrifft primär den an Hennigsdorf grenzenden Raum, zum anderen waren viele der zu begutachtenden Wiesen im letzten Jahr nicht zugänglich. Der Starkregen hatte sie für Wochen überschwemmt. Als Flächennaturdenkmal konnte bereits die Enzianwiese ausgemacht werden. Sie gehört zu den artenreichen Pfeifengraswiesen. Biotope wie Feuchtwiesen wurden nachgewiesen, einige von ihnen zählen zu den temporären Kleingewässern, bestehen also nicht fortwährend, sondern witterungsbedingt. Auch der Muhrgraben selbst mit seinen angrenzenden Röhrichten wurde hier aufgenommen. Bei der Untersuchung des Geländes konnten Erdkröten, Teichfrosch und Teichmolch nachgewiesen werden. In den Gewässern konnten Aal, Hecht, Schleie und zwei Stichling-Arten dokumentiert werden. Biber selber wurden nicht entdeckt, jedoch ihre Spuren, wie zum Beispiel Bauten, was auf drei Reviere entlang des Muhrgrabens schließen lässt. Der große Feuerfalter selbst wurde nicht gesehen, dafür aber seine Eier, abgelegt auf charakteristischen Wirtspflanzen. Hierzu zählen gleich drei in dem Gebiet vorkommende Ampfer-Arten. Einige besondere Arten aus dem Bereich der Flora wurden erfasst, besonders ist hier der Sumpf-Enzian zu nennen. Das seltene Gewächs konnte an zwei Standorten nachgewiesen werden.

Bei der Erarbeitung der Managementpläne für FFH Gebiete ziehen die verantwortlichen Planer, André Freiwald vom NaturSchutzFonds und Susanne Diemer vom Planungsbüro Yggdrasil Diemer, betroffene Pächter, Nutzer und Erholungssuche ein. Und auch diesmal gilt, ihre Pläne sind Gutachten, Vorschläge, sie sind nicht rechtswirksam. Für den Bereich rund um Schönwalde- Glien treffen sie hierbei auf eine Besonderheit. Selten liegt ein FFH- Gebiet so dich am Siedlungsgebiet. Um die Natur weiter erlebbar werden zu lassen, ohne schützenswerte Räume zu beschädigen, stellte Miriam Deponte von Pro Agro ein Beschilderungs- und Wegesystem vor, dessen Ursprung in Twente in den Niederlanden liegt. Dort wurde ein solches System bereits erfolgreich umgesetzt und auch in Brandenburg gibt es bereits ähnliche Modelle.

Deponte schildert, dass bereits jetzt, rund um Schönwald Konflikte zwischen den einzelnen Nutzern zu beobachten sind. Mit dem Wegesystem, auch Leitsystem mit Knotenpunkten, wird hier eine "Entzerrung" angestrebt. So sollen Reiter, Radfahrer, Wanderer unterschiedliche Wege bekommen um ihre Fortbewegungsart ungestört ausüben zu können. Knotenpunkte mit Nummerierungen der Wege und Piktogrammen würden den Weg weisen. Und wer es etwas moderner möchte, dass Ganze gibt es auch als App.

Ob sich ein solches System auch für ein FFH Gebiet eignet, wird noch geprüft. Für viele der Besucher hat der Gedanke Charme, nur dürfte es mit Wege anlegen und Schilder aufstellen nicht getan sein. Beides, besonders die Wege, bedürfen auch der Pflege. Und vielleicht sogar der Kontrolle, nicht jeder hält sich gern an Vorgaben. Und ob man überhaupt Wege durch ein schützenswertes Habitat anlegen sollte, zweifelt manch einer auch an.

Ingeborg Schwenger vom Landgut Schönwalde würde Reitwege sehr begrüßen. "Die müssten dann aber auch gepflegt werden." Das verursacht aber Kosten. Dazu sagt Schwenger: "80 Prozent der Mädchen bei uns reiten. Die zahlen alles selbst. Für die Jungen wurde gerade ein Fußballplatz errichtet. Ich meine, darüber sollte man mal nachdenken." Schwenger hätte gern Verbindungen zu anderen Reitwegen, ein überregionales Netz. Für die Pflege der Wege hätte sie bereits eine Idee. "Vielleicht könnten die Landwirte, natürlich gegen Bezahlung, dafür gewonnen werden." Sie zeichnet erste Ideen für Reitwege in eine Karte ein und betont währenddessen auch die Notwendigkeit der Überwachung, Ranger vielleicht? Geht anderswo auch.

Schäfer Olaf Kolecki hat ebenfalls Zweifel. "Schilder allein reichen nicht aus", berichtet er. Er greift auf Erfahrungen zurück. "Früher, als es einen Wachschutz am Fliegerhorst gab, hielten sich die Leute eher an die aufgestellten Schilder." Für Koleckis Herden können freilaufende Hunde ein echtes Problem werden. Diemer äußert sich hierzu ganz klar. "Die Schafbeweidung soll in diesem Bereich bleiben. Die Schäfer erhalten mit der Schafbeweidung die Qualität der Flächen. Die Herden müssen unbedingt geschützt werden." Sie plädiert das Areal für die Schafe mit einem großen Zaun zu sichern. Genauso könnten auch die wertvollen botanischen Flächen geschützt werden.

Was in der Planung angesprochen aber eben noch nicht weiter besprochen werden konnte, waren die Auswirkungen des neuen Wohngebietes Fliegerhorst auf das FFH Gebiet. Gaston Klaeß, vom zuständigen Planungsbüro erklärt zunächst, dass das Baurecht bestehe. Allerdings würden sich die Bebauungspläne noch einmal ändern. Hatte man hier zunächst mit einem Abriss von Gebäuden und Baumbestand geplant, sollen nun die bestehenden Gebäude in die Planung einbezogen werden, die Bäume bleiben stehen. "Wir orientieren uns an dem Bestand. Das ist der Rahmen." 1300 Wohneinheiten sind geplant, verteilt auf die Bestandsbauten und zugefügten Neubauten. Laut Klaeß soll: "Die Öffentlichkeit in die Pläne einbezogen werden, denn. "Der Investor möchte sich hier an dem Standort vernetzen, nicht abgrenzen."

Die geplante Bebauung am Standort Fliegerhorst wurde in die Managementplanung ohnehin berücksichtigt. Bis zum Jahresende soll der Plan fertig sein.

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