Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Lastenräder immer beliebter / Der Bund fördert

Lastenräder
Schwer im Geschäft

Entspanntes Radeln: Hier testet Hamburgs Umweltsenator Jens Kerstan ein Cargobike in der Hafencity.
Entspanntes Radeln: Hier testet Hamburgs Umweltsenator Jens Kerstan ein Cargobike in der Hafencity. © Foto: dpa/Axel Heimken
Dorothee Torebko / 21.04.2018, 07:00 Uhr
Berlin (MOZ) Lastenräder sind auf dem Vormarsch. Privatpersonen und Gewerbetreibende schaffen sich die sogenannten Cargobikes an, um flink und schnell Einkäufe zu erledigen oder Waren auszuliefern. Auch die Bundesregierung und das Land Berlin fördern Lastenräder. Nicht allen gefällt das.

Wohl kein anderer ist so begeistert von Cargobikes wie der Politologe Arne Behrensen. Cargobikes sind Lastenräder, die ein bisschen so aussehen wie Schubkarren und mal elektronisch betrieben sind, mal mit Muskelkraft. Väter packen ihre Kinder zusammen mit einer Kiste Wasser ins Rad und Schornsteinfeger transportieren damit ihre Leitern. „Cargobikes sind schnell, klein und wendig – und sie boomen“, sagt Behrensen, der einen Blog betreibt, der sich nur um die Gefährte dreht. Auch die Bundesregierung, Länder sowie Städte haben den Trend entdeckt und fördern Lastenräder. Doch die Kaufprämien sind umstritten.

Wer sich als Unternehmer ein Cargobike kauft, bekommt seit März vom Staat 30 Prozent der Anschaffungskosten geschenkt. Maximal können es 2500 Euro sein. Allerdings: Der Bund fördert nur Schwerlasträder oder Räder mit Elektroantrieb, die 150 Kilogramm transportieren können und ein Ladevolumen von einem Kubikmeter haben. Heißt im Klartext: Tischler, Hausmeister und Putzkräfte, die eher kleine Geräte mit sich herumfahren, können die Prämie nicht in Anspruch nehmen.

„Die Förderung des Bundes geht am Bedarf der Menschen vorbei“, kritisiert Cora Geißler von Velogut, einem vom Bundesumweltministerium geförderten Projekt, das Unternehmen Lastenräder leihweise zur Verfügung stellt. „Die Räder haben nur dann Strahlkraft, wenn man zeigt, dass der Hausmeister damit zurecht kommt und es auch nutzen kann.“ Dies sei bei der Bundesförderung nicht der Fall. Denn sie sei darauf ausgerichtet, Lkw durch Cargobikes zu ersetzen, nicht aber kleine Handwerksbetriebe zu fördern. Arne Behrensen geht noch einen Schritt weiter. Die Kaufprämie sei eine Hauruck-Aktion, um dem Diesel-Skandal etwas entgegenzusetzen. Alles nur Augenwischerei also?

Tatsächlich ist der Bund relativ spät auf den Trend aufgesprungen. Länder und Städte rühmen sich schon länger mit einer finanziellen Förderung. München war die erste Stadt, die seit April 2016 rund 25 Prozent vom Kaufpreis des Cargobikes erstattete. Anderthalb Jahre später zog Baden-Württemberg nach. Im Ländle wurde seit Start im November 2017 die Förderung von 280 Lastenrädern für Gewerbetreibende bewilligt. Die zur Verfügung gestellten Haushaltsmittel werden wohl deutlich vor Jahresende aufgebraucht sein. „Wir wurden von Förderanträgen überrannt“, sagt Verkehrsminister Winfried Hermann. Und ab Mai dieses Jahres bekommen Berliner 33 Prozent des Kaufpreises für ihr Lastenrad erstattet.

Für Gerd Lemken sind die Prämien nicht der ausschlaggebende Faktor, dass sich so viele Betriebe jetzt Lastenräder anschaffen. Er betreibt das Unternehmen Punta Velo, das in Nordrhein-Westfalen und Berlin sitzt, und ist schon lange im Cargobike-Geschäft. Er hat beobachtet, dass der Boom bereits vor den Kaufanreizen einsetzte. „Die Leute kaufen Dinge, wenn sie sie für sinnvoll erachten. Das ist bei Lastenrädern so“, sagt Lemken. Er nennt als Beispiel Hausmeister. „Früher hat ein Hausmeister gesagt, für einen verstopften Abfluss komme ich doch nicht mit dem Auto raus, jetzt kann er diesen Dienst anbieten.“ Beim wirtschaftlichen Vorteil – da müsse man die Menschen packen. Dann klappt es auch mit der Verkehrswende.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG