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Ausstellung
Denkmal für Pazifisten Klabund

Ulf Grieger / 22.04.2018, 20:15 Uhr - Aktualisiert 22.04.2018, 21:36
Seelow (MOZ) Der Heimatverein hat am Sonnabend im Haus Lebuser Land eine Ausstellung zum 100. Jahrestag des ersten Weltkriegsendes eröffnet. Bis zum 30. November wird dort gezeigt, wie der familiär auch  in Lebus verwurzelte Dichter Klabund vor allem als Sozialkritiker und Pazifist gewirkt hat.

Die Besucher der Ausstellung werden wieder durch eine Litfasssäule eingestimmt. Wie bereits zu den Ausstellungen zur Lebuser Geschichte in den Vor- und Nachkriegsjahren des zweiten Weltkriegs ist dort die Selbstdarstellung der gesellschaftlichen Verhältnisse zu sehen. Das vor Selbstbewusstsein strotzende Kaiserreich macht sich kriegsbereit. In einem Fenster im oberen Flur wird der Künstlername des Dichters, wie Fontane aus einer Apothekerfamilie stammend, vom Tageslicht durchstrahlt: Klabund. Entstanden als Wortspiel aus „Vagabund“ und „Klabautermann“ wurde der so populär, dass der bürgerliche Name des Dichters, dessen Großvater in Lebus die Adlerapotheke hatte, fast vergessen ist: Als Alfred (Fredi) Henschke war Klabund 1890 in Crossen geboren und nach seinem Tod im Alter von nur 38 Jahren dort, im heutigen Krosno Odrzanskie, begraben.

Dem Heimatverein, neben dem Stadtchronisten Manfred Hunger haben sich besonders Helga Töpfer und das Ehepaar Karla und Berthold Meyer darum gekümmert, ist mit dieser Ausstellung ein Glücksgriff gelungen. Denn die weltpolitischen Ereignisse, reflektiert durch das Schaffen Klabunds und die lokale Entwicklung zu jener Zeit, veranschaulicht durch Exponate zur Apothekengeschichte, bringen heutigen Generationen eine Zeit nahe, die durch die Geschichtsschreibung immer wieder in ideologisches Licht gestellt und damit vereinnahmt wurde.

Unterstützt wurden die Ausstellungsmacher durch einen Nachkommen der Familie, Hartmut Deckert, der anlässlich des 90. Todestages des Dichters forscht und viele Hinweise geben konnte, wie Manfred Hunger in seiner Einführung betonte.

Im Gegensatz zum gewohnten Bild bei Ausstellungen des Haues mit einer Vielzahl an Exponaten, an denen man Stadtgeschichte „begreifen“ konnte, sind es diesmal vor allem lange Texte, etwas illustriert und auf den ersten Blick — erschlagend. Doch Furcht davor, durch stundenlanges Stehendlesen Krampfadern zu bekommen, muss man nicht haben. Denn die Kapitel sind in flottem Stil geschrieben und die Geschichte ist spannend.

Anne-Luise Eder, pensionierte Deutschlehrerin aus Kamenz, die seit 18 Jahren in Lebus wohnt, trug die „Ballade vom Vergessen“ vor. Und das in einer Weise, die die Aktualität der Zeilen spürbar machte. Heißt es darin doch: „Ihr heult von Kriegs- und Friedensschuld – hei: Der Andern – Ihr wollt euch rächen.“ Beeindruckend wird hier dem Pazifisten Klabund ein Denkmal gesetzt und zur Diskussion darüber angeregt, warum sich die Menschen immer wieder einspannen lassen in das gewaltsame Rauben und Morden im Interesse der Besitzenden.

Klabund gehörte wie Bertolt Brecht zu den Dichtern, die den Zusammenhang von aggressivem Gewinnstreben des Kapitals und Kriegsleiden der Besitzlosen recht deutlich zur Sprache gebracht haben. Obwohl sich die beiden Dichter nicht besonders mochten, waren sie sich doch politisch und künstlerisch sehr nahe. Die Abneigung hatte andere Gründe. Denn Klabunds zweite Frau Carola Neher war zeitweise auch die Geliebte Brechts, bevor sie nach ihrer Flucht vor den Nazis in die Sowjetunion in Stalins Vernichtungslagern starb.

Klabund, der wegen seine Lungenkrankheit oft Schweizer Sanatorien besuchen musste und dort von der Kriegsgreuel erfuhr, war auch nach Kriegsende vor 100 Jahren nicht optimistisch, dass die Menschen die Lehren daraus ziehen würden. Das dichterische Schaffen Klabunds wird am 9. November Thema einer Veranstaltung dort sein.

Heimatvereinsvorsitzender Günter Fehling dankte allen Ausstellungsgestaltern für ihr Engagament. Zum Abschluss gab es ein gemütliches Beisammensein auf der Mueumsterrasse.

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Roland Totzauer 23.04.2018 - 16:57:30

2018 Radtour zu Klabund

Anläßlich des 90. Todestages von Klabund plane ich eine touristische Radtour zu seiner Geburtsstadt Crossen - heute Krosno Odrzanskie. Wer konditionell vorbereitet ist, kann sich als kulturinteressierter Radfahrer/in bei der MOZ melden bzw. eine E-Mail an meine Adresse senden: "oderwasser@gmail.com". Das ist die geplante 65-km-Strecke: https://goo.gl/zwNNqu Interessant ist, dass die polnische Stadt Krosno Odrzanskie im Jahr 2012 in ihrer Oberstadt für Klabund ein Bronze-Denkmal errichtet hat. Dieses Klabund-Denkmal ist eines der Ziele der von mir geplanten Tagesradtour, die in Frankfurt (Oder) gegen 09.30 Uhr mit einer Bahnfahrt beginnt und abends in Guben mit einer Bahnfahrt endet. Alle Radler fahren kostenlos mit, sind aber während der Tour für sich selbst verantwortlich. Mehr über Klabund erfährt man u.a. bei Wikipedia. Das genaue Datum der Radtour gebe ich per E-Mail den Interessenten bekannt!

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