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Bündnis von Medizinern, Krankenkassen und Verbraucherorganisationen für Gesetze gegen Übergewicht

Gesetze gegen Übergewicht
Ärzte fordern Zuckersteuer

Drei Gläser gefüllt mit roter Limonade, Cola und einem Energy-Drink stehen neben Zuckerwürfeln auf einem Tisch. In Limos, Cola, Energy-Drinks und Eistees versteckt sich meistens viel Zucker.
Drei Gläser gefüllt mit roter Limonade, Cola und einem Energy-Drink stehen neben Zuckerwürfeln auf einem Tisch. In Limos, Cola, Energy-Drinks und Eistees versteckt sich meistens viel Zucker. © Foto: dpa/Monika Skolimowska
Hajo Zenker / 02.05.2018, 14:47 Uhr - Aktualisiert 02.05.2018, 19:24
Berlin (MOZ) Die Deutschen konsumieren viel zu viel Zucker. Das führt zu Übergewicht und Diabetes. Ärzte, Krankenkassen und Verbraucherorganisation fordern deshalb jetzt von der Kanzlerin wirksame Maßnahmen, beispielsweise eine Steuer auf stark zuckerhaltige Getränke wie Cola.

„Die Lebensmittelindustrie bewegt sich nur auf Druck“, so begründete Martin Litsch, Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes, am Mittwoch die Beteiligung an einem Bündnis aus 15 Ärzteverbänden, Krankenkassen und Fachorganisationen wie der Deutschen Diabetes Gesellschaft und der Verbraucherorganisation Foodwatch. Dieses fordert in einem offenen Brief an die Bundesregierung, der auch von mehr als 2000 Medizinern unterschrieben wurde,  konkrete Maßnahmen gegen falsche Ernährung.

Es sei höchste Zeit, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel und die zuständigen Ministerinnen und Minister „ernst machen“ mit der Prävention von Fettleibigkeit, Diabetes und anderen chronischen Krankheiten. So solle die Lebensmittelindustrie gezwungen werden, gesündere Rezepturen zu entwickeln – etwa durch eine Zuckersteuer auf Getränke wie auf Cola. Nötig seien zudem eine verständliche Lebensmittelkennzeichnung in Form einer Nährwert-Ampel, Beschränkungen für die an Kinder gerichtete Lebensmittelwerbung und verbindliche Standards für die Schul- und Kitaverpflegung.

„Dabei geht es nicht darum, süß oder salzig zu verteufeln“, sagte Litsch. Es gehe schlicht um ein weniger. „Doch um das zu erreichen, braucht es gesetzliche Vorgaben“, so der AOK-Chef.

Das Bündnis wies darauf hin, dass in Deutschland 15 Prozent der Kinder und 60 Prozent der Erwachsenen als übergewichtig gelten. Zugleich erinnerte es daran, dass Länder wie Finnland, Belgien, Großbritannien oder Frankreich bereits Steuern auf gezuckerte Getränke eingeführt hätten. Auf der britischen Insel gilt diese seit dem 6. April. Als Folge haben die Hersteller den Zuckergehalt deutlich gesenkt. Laut Foodwatch reduzierte etwa Coca-Cola den Zuckergehalt bei Fanta und Sprite dort von 6,9 auf 4,6 beziehungsweise von 6,6 auf 3,3 Gramm pro 100 Milliliter. „In Sachen Prävention ist Deutschland ein Entwicklungsland“, monierte Thomas Fischbach, Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte.

Der Spitzenverband der Lebensmittelwirtschaft kritisierte den offenen Brief scharf. Die Branche benötige „keine Belehrungen von Interessengruppen“, erklärte der Hauptgeschäftsführer des Bunds für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde, Christoph Minhoff. Die Firmen informierten über Nährwerte sowie Inhaltsstoffe und seien dialogbereit. Das Bündnis formuliere „fragwürdige Schuldzuweisungen und falschadressierte Forderungen“. Stattdessen sollten Krankenkassen lieber „ihre eigenen Angebote verbessern und den Menschen kostenlosen Zugang zu Ernährungskursen und Bewegungs- und Entspannungsprogrammen verschaffen“.

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