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Kulturgeschichte
Wie der Lehniner Altar seinen Weg in die Havelstadt fand

Alexandra Gebhardt / 02.05.2018, 15:14 Uhr - Aktualisiert 02.05.2018, 17:17
Brandenburg/Havel (MOZ) Es ist ein Kuriosum der Kirchengeschichte, das schmunzeln lässt: während in der Lehniner Klosterkirche ein Altar aus Brandenburg zu finden ist,  steht im hiesigen Dom St. Peter und Paul seit über 400 Jahren ein Marienaltar, der laut Stifterschrift, die auf dem Sockel des Altars zu lesen ist, unter Abt Valentin entstand. Er stand als Valentin Henneke von 1509 bis 1542 dem Zisterzienser Kloster vor und gab den Altar „anno 1518“, um für sein Seelenheil vorzusorgen, vermutlich in einer Leipziger Werkstatt in Auftrag. Eine Zeit voller weltlicher und religiöser Umbrüche, die auch am mittlerweile 500-jährigen Altar nicht spurlos vorbeigegangen sind. „Während die Flügelzeichnungen schon an Kranach und erste künstlerische Spuren der Renaissance erinnern, sind andere Elemente eindeutig der Gotik zuzuordnen“, erklärt Rüdiger von Schnurbein, Museumsleiter des Brandenburger Doms, der anlässlich des Jubiläums eine Ausstellung rund um den Lehniner Altar konzipiert hat.

Dabei können die Besucher mithilfe vielfältiger Exponate in der Klausur des Doms zunächst der Frage auf den Grund gehen, warum der Lehniner Altar heute im Brandenburger Dom beheimatet ist und u.a. Einsicht in ein Rechnungsbuch von 1552 nehmen, wonach der Altar für vier Gulden von der kurfürstlichen Stiftskirche Berlin nach Brandenburg transportiert wurde. Hierher war er allerdings schon 1542 gelangt, als Kurfürst Joachim II, mit dem Valentin eine enge Beziehung pflegte, die Säkularisierung des Klosters Lehnin vollzog und die Ausstattung verstreut wurde. Weshalb er ihn im Anschluss in die Havelstadt bringen ließ, ist im Einzelnen zwar nicht bekannt, es lässt sich jedoch vermuten, dass er Schulden im Brandenburger Domkapitel hatte und diese mit der Abgabe bzw. dem Verkauf des Altarbildes ausglich.

Der Gang zum Hochaltar selbst und seine Betrachtung bilden dann den Höhepunkt der Ausstellung. Er zeigt im mittleren Teil Maria als strahlende Madonna mit Petrus und Paulus. Die äußere Figur am linken Altarflügel kann dann als Maria Magdalena mit einem Gefäß kostbarer Öle zum Salben des Leichnams Jesu Christi, die äußere rechte Figur auf dem rechten Altarflügel als die Heilige Ursula identifiziert werden. Deutlich wird zudem nochmals die Verbindung zu Lehnin. So sind auf den Feiertagsseiten der Altarflügel sowohl Berhard von Clairvaux im weißen Feiertagsgewand der Zisterziener als auch Benedikt von Nursia abgebildet, die nach den Regeln der Ziesterzienser lebten.

Genaues Hinsehen um Geschichte(n) zu erkennen, lohnt sich allerdings auch beim Altarsockel, der die Symbole der vier Evangelisten sowie das Wappen des Dom zu Brandenburgs zeigt und 1929 hinzugefügt wurde. Die Lutherrose als auch die drei Bibelverse auf ihm geben der ursprünglichen katholischen Darstellung von Maria und ihrem Sohn dabei eine neue evangelische Bedeutung.

Rüdiger von Schurbein hält für die Besucher zudem einen besonderen Tipp parat: „Es bietet sich wunderbar an, den Altar einmal von hinten zu betrachten. Denn auch dort bietet sich Sehenswertes, da die Altarflügel früher lediglich an hohen Festtagen aufgeklappt wurden und die Sicht auf das Innere frei gaben. Auch die Außenflügel, die nun nach hinten ausgerichtet sind, sind also kunstvoll bemalt.“

Ausgehend von der intensiven Auseinandersetzung mit dem Altarbildnis hat der Besucher innerhalb verschiedener Themenräume dann die Möglichkeit, sich mit einzelnen Auffälligkeiten genauer zu beschäftigen. So wird unter dem Titel „Mensch und Räumlichkeit“ etwa ein Exkurs zur damals gerade aufkommenden und im Bildnis angedeuteten Zentralperspektive und den dreidimensional dargestellten Figuren geboten. An einem Tisch mit Papier und Stift sowie aufgebautem Raster kann außerdem selbst ausprobiert werden, wie die „mathematisch durchdrungene Kunst“  – wie sie Albrecht Dürer damals nannte – entsteht. Absolut sehenswert sind zudem die ausgestellten Stücke zum Thema „Stoffe in Gold und Öl“, wie die rot-goldene Kasel C7 mit sogenanntem Granatapfelmuster, das für die italienische Seidenstoffe des 15. Jahrhunderts typisch war. „Auch die Gewänder der Heiligen auf dem Lehniner Hochaltar sind zeitgenössischen Luxusstoffen nachempfunden, weshalb wir uns entschieden haben, sie den Besuchern in einem Extra-Raum näher zu zeigen“, erklärt der Museumsleiter, der weitere spannende Details rund um den Hochaltar in der Ausstellung mit dem Titel „500 Jahre Lehniner Hochaltar im Dom zu Brandenburg“ verspricht.

Sie wird am Donnerstag, 3. Mai, um 19 Uhr eröffnet und kann sodann bis zum Reformationstag, 31. Oktober,  montags bis samstags von 10 bis 17 Uhr und sonntags von 12 bis 17 Uhr besichtigt werden. Abgerundet wird die Ausstellung durch mehrere Expertenführungen. Der Eintritt ist dabei frei, Spenden sind jedoch erbeten.

Übrigens: Die Lehniner selbst meldeten erst nach dem Zweiten Weltkrieg zum 700. Jahrestag des Klosters Anspruch auf den Altar an. Man verständigte sich daraufhin auf den Kompromiss, ein Retabel aus dem Bestand des Domes, der aus dem Jahr 1476 stammt und die Darstellung der Marienkrönung zeigt, an die Klosterkirche zu übergeben. Und so ist dann auch geklärt, warum heute ein Lehniner Altar in Brandenburg und ein Brandenburger Altar in Lehnin steht.

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