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Montagsmaler stellen Akte und Porträts in der Zainhammermühle aus / Kunstverein-Mitstreiter suchen Models jeden Alters

Kunst
Altersfalten ausdrücklich willkommen

Sven Klamann / 03.05.2018, 06:00 Uhr - Aktualisiert 03.05.2018, 10:03
Eberswalde (MOZ) Schönheit ist relativ und Nacktheit natürlich. Diese Einsichten drängen sich den Besuchern auf, die in der Zainhammermühle die Ausstellung „MoMa in der Mühle“ in Augenschein nehmen, die am Maifeiertag eröffnet wurde. Zu sehen sind Akte und Porträts.

Das Kürzel MoMA steht weltweit für das Museum of Modern Art in  New York, USA, und damit für eine der bedeutendsten und einflussreichsten Sammlungen moderner und zeitgenössischer Kunst. In Deutschland erinnert sich zudem vielleicht noch so mancher Fernsehzuschauer an die Schnellratesendung „Die Montagsmaler“, die zwischen 1974 und 1996 wöchentlich über den Bildschirm flimmerte und bei der die Kandidaten gezeichnete Begriffe erkennen mussten. In Eberswalde verbergen sich hinter der Abkürzung MoMa seit 1999 die im Kunstverein Die Mühle organisierten Montagsmaler, ein loser Zusammenschluss von professionellen, halbprofessionellen und ihrem Hobby frönenden Kreativen. Deren Qualitätsanspruch lässt sich durchaus mit dem des New Yorker MoMA vergleichen. Aus der Fernsehsendung haben die Montagsmaler den Hang zum Tempo übernommen.

„Die Zeitnot, der wir uns freiwillig aussetzen, ist unsere wohl größte Herausforderung“, sagt Catrin Sternberg aus Eberswalde, die den Einsatz der im Durchschnitt sechs bis zehn Künstler koordiniert, die sich in den Sommermonaten zu gemeinsamen Sitzungen treffen. Seit zwei Jahren kommen sie dafür wieder in der Zainhammermühle zusammen, wo ihnen das ins Dachgeschoss einfallende Oberlicht ideale Bedingungen bietet. Während der Sanierungsphase für das vom Verein Die Mühle getragenen Kunsthaus hatten die Montagsmaler auf andere Orte ausweichen müssen - unter anderem auf die Gaststätte „Matisse“.

Doch egal, wo sich die Künstler von der Muse küssen lassen, überall wird vorwiegend an Akten und Porträts gearbeitet. Sie sitzen und stehen im Halbkreis um das jeweilige Model, das meist jeweils 20.Minuten in einer Pose zu verweilen hat. „Natürlich sind kurze Pausen zwischendurch erlaubt“, berichtet Andreas Bogdain aus Chorin, der es stets aufs Neue faszinierend findet, den menschlichen Körper in seinen Proportionen möglichst stimmig aufs Papier zu bringen. „Da wir alle das gleiche Model aus anderen Blickwinkeln sehen. ähnelt keines der Bilder dem anderen“, betont er.

Drei Stunden dauert eine Sitzung in der Regel. Dafür bekommt das Model eine Aufwandsentschädigung von 40 Euro. „Das ist gerade für Studierende leicht verdientes und willkommenes Geld“, sagt Catrin Sternberg. Dennoch haben die Montagsmaler ständig Bedarf an weiteren Freiwilligen, die sich nur im Adams- oder Evakostüm in die von den Künstlern gewünschte Position begeben. Vor allem wünschen sie sich, endlich auch einmal Frauen und vor allem Männer vor die Staffelei zu bekommen, deren höheres Lebensalter nicht nur im Gesicht Spuren hinterlassen hat.

In der Ausstellung „MoMa in der Mühle“ werden alles in allem 52 Gemälde und zwei keramische Arbeiten gezeigt. Die Schau ist die 120. in der Geschichte des 1991 gegründeten, inzwischen fast 190 Mitglieder starken Kunstvereins und zugleich der Beginn der Ausstellungssaison im „Mühlensommer 2018“, der noch im Mai weitere Glanzlichter bietet. Am 21. Mai, dem Pfingstmontag, wird von 11 bis 18 Uhr die MühleSpielMeisterschaft ausgetragen. Zudem gibt es eine Straße der Mühlenkünstler zu bewundern. Und aus dem Backofen dringt der Duft nach frischem Brot.

Am 25. Mai steigt in der Zainhammermühle ab 19.30 Uhr ein Konzert mit Haase und Ferraro, am 26. Mai stellt Gabriel Schekatz ab 18 Uhr seinen ersten Roman „Halleys Reise“ vor.

Erst am vorigen Sonnabend hatte die Schwärzefüsse ComedyBluesBand, unterstützt von zwei befreundeten Musikern der P&F Blues Company, die Konzetsaison in der Zainhammermühle eröffnet. Volkmar Gutsche , Bernd Eggeling und Harald Schulz, bekannt als Schwärzefüsse, sowie Oliver Brauner und Jürgen Peters als Gäste begeisterten das Publikum im rappelvollen Kunsthaus mit deutschen Nachdichtungen unter anderem von Eric Clapton, Fats Domino, Roin Williams, Billy Joel und den Rolling Stones.  „Ob Blues, Balladen, Rock oder Country - jeder Titel trug die eigene Handschrift des Quintetts“, schwärmt Angelika Swodenk, die Vorsitzende des Kunstvereins.

Die Ausstellung „MoMa in der Mühle“ wird bis zum 27. Mai gezeigt. Geöffnet ist sonnabends und sonntags von 14.30 bis 18 Uhr sowie nach Vereinbarung. An den Wänden finden sich Werke der Montagsmaler Ulrike Schmidt, Ines Frank, Ben Kamberi, Catrin Sternberg, Robert Schlaak, Sabine Eggeling, Steffi Turzer, Andreas Bogdain, Christian Rapp, Nicole Will und Klaus Deutsch wieder.

Wer Lust hat, bei den Montagsmalern mitzumischen, sollte unverbindlich zu Catrin Sternberg Kontakt aufnehmen. Hochwillkommen sind auch alle, die einmal modeln wollen.

Kontaktaufnahme per E-Mail an info@catrin-sternberg.de

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