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Wichtiger Partner ist seit zehn Jahren der Verein zur Bergung Gefallener in Osteuropa

Heimatverein
Kriegsschauplatz wird Erinnerungsstätte

Doris Steinkraus / 03.05.2018, 07:00 Uhr - Aktualisiert 03.05.2018, 10:06
Podelzig (MOZ) Die geplante Gedenk- und Erinnerungsstätte in Wuhden soll 2020für die Öffentlichkeit zugänglich sein. Die Akteure, zu ihnen gehört auch der Verein zur Bergung Gefallener ist Osteuropa, gaben einen Zwischenbericht zu ihrem Vorhaben.

Der Dreher Heinrich Weidenbach wurde nur 22 Jahre alt. Die Mitglieder des VBGO fanden seine sterblichen Überreste 2010 auf dem einstigen Kampffeld des Gutes Klessin. Mit  190 deutschen Soldaten musste Weidenbach im März 1945 in auswegloser Stellung ausharren. Die Eroberung des Gutes hatte für den Verlauf des Krieges keine Relevanz mehr. Doch die deutsche Heeresführung forderte Durchhalten, drohte jedem mit Erschießung, sollte er es wagen, auszubrechen. Zehn Wochen lang war Klessin eingekesselt, starben Hunderte einen sinnlosen Tod – auf beiden Seiten.

Lukyan Enin kämpfte auf der Seite der Roten Armee. Der 46-Jährige hatte in der Heimat eine Frau und vier Kinder. Am 23. März 1945 fiel er beim Sturm auf Klessin. Im Oktober vorigen Jahres fanden ihn die Helfer des Vereins zur Bergung Gefallener ist Osteuropa (VBGO). Dank einiger Papiere, die man bei ihm fand, konnten sein Name ermittelt und die Angehörigen verständigt werden. „Uns geht es darum, anhand von Einzelschicksalen das Grauen des Krieges zu verdeutlichen“, erklärte VBGO-Vorsitzender Albrecht Laue. Der Verein suche nach Opfern, egal, welcher Nation sie angehörten.

Der Wuhdener Heimatverein hat sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, bis 2020, dem 75. Jahr des Kriegsendes, das Areal des einstigen Schlosses als Gedenk- und Erinnerungsstätte herzurichten. „Weil das unsere Heimat und ihre Geschichte sind“, erklärte Hermann Kaiser vom Verein. „Wir wollen, dass dieses schreckliche Kapitel Geschichte nicht vergessen wird, wollen die Erinnerungen an die nächsten Generationen weitergeben.“ Kaiser erläuterte zahlreichen Geschichtsinteressierten sowie Vertretern des Kreises und der russischen Botschaft jetzt bei einer Präsentation, was in Klessin geplant ist.

Die einstige Gutsanlage mit ihrem Schloss und den 100 Meter langen Wirtschaftsgebäuden soll in Form einer Heckenpflanzung nachgestaltet werden. Das einstige Gutshaus wird mit originalen Ecksteinen und einem Portal angedeutet. Mitglieder des Vereins hatten das Portal aus Sperrholz gebaut und eigens für die Präsentation am einstigen Originalstandort aufgestellt. Der Blick dorthin soll künftig über ein grünes Oval führen. Der Metallkünstler Eckhardt Hermann aus Eberswalde zeigte ein Modell des Portals, das dann in Corten-Stahl gefertigt und dauerhaft seinen Platz haben soll.

Neben dem Portal sind riesige Findlinge geplant, einer zum Gedenken an die deutschen Gefallenen und einer für die der Roten Armee. Gefüllte große Sandsäcke gaben schon mal einen Eindruck davon. „Ein Gedenken an einstige Kriegsgegner auf einer Stätte gibt es in dieser Form kaum“, machte Kaiser deutlich. Er stellte auch die erste Info-Säule vor. Wer mit Muskelkraft ein Rad dreht, erhält an jeweiligen Punkten Informationen zu den einzelnen Stationen. Ergänzt werden sie mit wetterfesten Informationstafeln, die in Wort und Bild das einstige Areal sowie den Zustand unmittelbar nach Kriegsende zeigen.

Was sich im März 1945 rund um das Gut Klessin abspielte, riss Buchautor Wolfgang Ockert vom VBGO an. Er gilt als Kenner der Kriegsgeschichte. „Die Lage des Gutes mit dem weiten Blick zur Oder wurde sein Schicksal“, betonte er. 190 Soldaten sollten dem Ansturm der Roten Armee trotzen. 325 Panzer waren auf das Gut, das der Oberfehlshaber der Wehrmacht zur Festung erklärt hatte, gerichtet. „In 13 Tagen wurden mehr als 100 000 Schüsse aus Gewehren und Geschützen auf Klessin abgefeuert“, erklärte Ockert. Aus der Luft wurden 39 Versorgungsbehälter abgeworfen, 21 erreichten ihr Ziel. Trotz der mahnenden Funksprüche an die Heeresleitung verdonnerte diese die Eingschlossenen, bis zum letzten Mann zu kämpfen. „Klessin hatte da schon längst nur noch symbolische Bedeutung“, machte Ockert deutlich.

Landrat Gernot Schmidt sicherte die Unterstützung des Kreises für das Vorhaben der Podelziger zu. Die Arbeit des VDGO mache deutlich, wie wenig die Soldaten damals besaßen, wie armselig ihr Alltag war. Die Darstellung persönlicher Schicksale halte er für eine gute Form der Geschichtsaufarbeitung. „Sie tragen hier dazu bei, entlang der Bruchkante eine neue Erinnerungskultur zu entwickeln“, sagte Schmidt.

Wie wichtig es ist, die Schrecken des Krieges immer wieder vor allem  jungen Menschen vor Augen zu führen, würden die aktuellen Konflikte in der Welt zeigen. „Die Menschen haben aus Kriegen nicht gelernt“, resümierte der Landrat. Umso mehr verdienten solche Vorhaben auch finanzielle Unterstützung.

Auf die hofft der Verein, um das Areal ansprechend herzurichten. Dabei sollen keine Gebäude oder Denkmale entstehen. Es gehe um die Darstellung eines Kriegsschauplatzes, betonte Hermann Kaiser. „Wir wollen die Stätte pflegearm und naturnah gestalten“, sagte er. Er dankte allen, die das Vorhaben mittragen. Dazu würden auch viele Einwohner des Ortes gehören.

Infos, Kontakt und Spendenkonto unter www.heimatverein-wuhden.de

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