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Konzert
Interaktiv  gespielte Jazzstandards

Jazz am See: Philipp Schiepek an der Gitarre (links) und Sebastian Gieck am Kontrabass.
Jazz am See: Philipp Schiepek an der Gitarre (links) und Sebastian Gieck am Kontrabass. © Foto: Jürgen Rammelt/MOZ
Jürgen Rammelt / 14.05.2018, 06:00 Uhr
Rheinsberg (MOZ) Lauwarme Sommerabende fühlen sich anders an. Aber Temperaturen um die 20 Grad Celsius,  die kann man Mitte Mai zur abendlichen Stunde auch noch nicht erwarten. Schon gar nicht, wenn selbst das Wasser im nahen Grienericksee noch deutlich kühler als im Hochsommer ist.

So waren diejenigen gut beraten, die in eine mitgebrachte Decke gehüllt,  auf der Wiese hinter dem Gästehaus der Musikakademie am Freitag den Jazzklängen des Philipp-Schiepek-Trios lauschten.

Es war das zweite Konzert in der Reihe „Jazz am See“, zu dem die Musikkultur Rheinsberg gGmbH eingeladen hatte. Nachdem vor einer Woche das Konzert wegen des kühlen Wetters noch im Schlosstheater stattgefunden hatte, konnte das Publikum es diesmal unter freiem Himmel genießen.  Mit den letzten Sonnenstrahlen des Tages und einem wolkenlosen Himmel erlebten die über 90 Zuhörer einen Konzertabend, den sie  so schnell nicht vergessen dürften.

„Musik wie die Natur, erdig und ruhig, aufbrausend und stürmisch“, so hatte es die Musikakademie  auf dem Programmzettel versprochen. Und so war es dann auch. Mit dem Leiter des Trios Philipp Schiepek bewiesen die drei Musiker, dass diese Gegensätze durchaus in einem musikalischen Programm vereint werden können. Neben Bandleader Schiepek, der als Gitarrist des Bundesjazzorchesters bereits in Rheinsberg zu Gast war, brillierten Sebastian Gieck am Kontrabass und Xu Zhitong am Schlagzeug.

Eröffnet wurde das Konzert mit dem Titel „I should care“, einem Jazz-Standard, den Frank Sinatra bereits auf diversen Bühnen der Welt sang, gefolgt von „12 Raindrops“, einer Komposition von Philipp Schiepek, und „Prelude to a Kiss“, einem Song aus der Feder von Duke Ellington. Auch die folgenden Titel,, „Golem Dance“  und „Sandu“, ein Blues, trafen den Nerv des Publikums, das immer wieder bei den Solis und Improvisationen mit Zwischenapplaus den drei Musikern ihre Anerkennung und Reverenz erwies. Es war ein spannendes Programm, in dem Eigenkompositionen sich mit interaktiv  gespielten Jazzstandards abwechselten.

Dabei erwies sich besonders der aus Peking stammende und in München derzeit studierende Xu Zhitong als ein absoluter Könner am Schlagzeug. Nicht nur, dass er bei seinen Solis facettenreich alle Register beim Bedienen des Schlagwerks zog, er verstand es auch brillant, sich der Lautstärke seiner Kollegen anzupassen.

Es war ein Ohrenschmaus, dem Trio zu lauschen. Geradezu virtuos, mal melancholisch, mal temperamentvoll, sorgten sie für ein Konzerterlebnis der besonderen Art. Zu der über dem See untergehenden Sonne  konnten die Zuhörer bei einem Glas Wein und einer Laugenbrezel sich an den Melodien erfreuen, die das Trio zu Gehör brachte. Während einige im Takt der Musik  mit den Füßen wippten, gab es andere, die sich hin und wieder der Mücken erwehren mussten, die auf der Suche nach einem saftigen Häppchen Menschenblut waren.

„Es ist schön, dass so etwas hier stattfindet“, erklärte in der Pause ein Ehepaar, das am verlängerten Wochenende  in Rheinsberg Station gemacht hatte. Überhaupt, bei gerade mal drei Rheinsberger  Paaren, waren es meist Urlauber und Touristen, die das Konzert besuchten. Der Beifall nach den einzelnen Liedern und am Ende des Konzerts zeigte wieder einmal, dass die Musik gefallen hatte. So gewannen auch die Titel des zweiten Sets hinsichtlich ihrer Klangfülle und musikalischen Eleganz die Zuneigung der Zuhörer.

Mit Jazz-Melodien wie  „Invitation“ und „Ask Me Nows“ von Thelonius Monk sowie weiteren Jazz-Standards ging  nach gut 100 Minuten ein gelungenes Konzert zu Ende.

Am Freitag, 18. Mai, ist in der Reihe „Jazz am See“ in Rheinsberg die Band „Das bessere Leben“ zu Gast.  Das Konzert beginnt um 20.30 Uhr.

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