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Tom Schilling & The Jazz Kids brillieren beim Bernauer Festival „Siebenklang“

Tom Schilling
Mime, Musiker, Poet

Auf Tuchfühlung mit dem Publikum: Tom Schilling bei seinem Auftritt in Bernau
Auf Tuchfühlung mit dem Publikum: Tom Schilling bei seinem Auftritt in Bernau © Foto: Wolfgang Rakitin
Sabine Rakitin / 14.05.2018, 07:00 Uhr - Aktualisiert 14.05.2018, 09:42
Bernau (MOZ) „Alles hat seine Zeit“ - das Motto des diesjährigen Festivals „Siebenklang“ in Bernau (Barnim) verbindet Musik und Poesie auf eine ganz besondere Weise. Große Namen gaben und geben sich ein Stelldichein: Jasmin Tabatabai und Peter Lohmeyer, Christian Redl und Heinz Rudolf Kunze, um nur einige zu nennen.

Zur Halbzeit der Veranstaltungsreihe mit sieben Konzerten an sieben außergewöhnlichen Orten muss Veranstalter Frank Göritz vom Verein „Kulturreich Barnim“ am Sonnabend improvisieren.

Die ehemalige FDJ-Jugendhochschule am Bogensee steht wegen Sanierungsarbeiten als Konzertstätte nicht zur Verfügung. So werden Tom Schilling & The Jazz Kids umgeleitet – in die Bernauer Stadthalle. Diese ist zwar nicht unbedingt ein besonderer Ort, doch dank ausgeklügelter Lichtinstallationen  in Saal und auf der Bühne wird aus dem schmucklosen dann doch ein anheimelnder Raum.  

Dabei braucht es nicht viel, um Tom Schilling & The Jazz Kids mit Lenny Svilar (Gitarre), Christopher Calaco (Klavier), Leo Eisenach (Bass, Gesang) und Philipp Schaeper (Schlagzeug) in Szene zu setzen oder besser: Die fünf Musiker brauchen nicht viel. Sie bestechen durch handgemachte Musik und poetische Texte. Letztere wie auch die Kompositionen stammen fast ausnahmslos aus der Feder von Tom Schilling. Die meisten können durchaus genial genannt werden. „Kein Liebeslied“ beispielsweise, jene wütende Abrechnung mit einer verloren gegangenen Liebe oder die „Ballade von René“, die Leben und Tod eines Junkies beschreibt.

Auf Theodor Storms Märchen „Der kleine Häwelmann“, das ihm sein Vater vorlas, als er noch ein Kind war, greift Tom Schilling in dem Titel „Genug“ zurück. „Zu viel des Guten tat mir noch nie gut / Und Genug war mir noch nie genug / Und der Mond fragt: Hast Du denn noch nicht genug“.

All die Titel sind im vergangenen Jahr auf dem Album „Vilnius“ erschienen. Beim Konzert in Bernau sind sie 75 Minuten lang nonstop zu hören, dazu einige wenige ausgewählte Songs anderer Musiker wie „Kinder“ von Liedermacherin Bettina Wegener. Schilling brilliert auch hier mit seiner einfühlsamen Interpretation.

Der gebürtige Ostberliner, Jahrgang 1982, gehört in seiner Generation zur Schauspieler-Garde der Republik, vielfach preisgekrönt für seine Leistungen in Filmen wie „Oh Boy“ (2012), „Unsere Mütter, unsere Väter“ (2013),  „Der gleiche Himmel“ (2017). Er gilt als zurückhaltend und introvertiert. Davon ist bei seinem Konzert am Sonnabend in Bernau nichts zu spüren. Im Gegenteil: Sympathisch unaufgeregt, freundlich und charmant zeigt der 36-Jährige eine andere Seite von sich. Die lässt auch Unsicherheit zu, etwa, wenn ihm bei „Rasteryaew“ die zweite Strophe abhanden kommt und er den Titel ein zweites Mal beginnt. Er grübelt laut: „Am Anfang kommt Rasteryaew und am Ende auch, Das ist eine Klammer. Ich habe nämlich darüber nachgedacht, was ich geschrieben habe …“ Einige Titel später bekennt Schilling.: „Wir haben lange kein Konzert mehr gespielt“. Er wendet sich direkt an das Publikum: „Es wäre mir eine große Freude, wenn Ihr mitsingen würdet!“

Das tut ihm den Gefallen, verzeiht ihm nicht nur die kleinen Pannen, sondern jubelt ihm geradewegs zu. Die letzten Herzen gewinnt er schließlich mit der Zugabe. „Schwer Dich zu vergessen“, eine wunderschöne Liebeserklärung an die Frau, „die ich hoffentlich bald heiraten darf“, kündigt ein romantischer Tom Schilling an. Seine Angebetete, Anni Mosebach, sitzt natürlich im Saal. Mit ihr hat der Musiker und Schauspieler zwei Kinder.

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